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Teltow-Fläming Was ist eigentlich Gerechtigkeit?
Lokales Teltow-Fläming Was ist eigentlich Gerechtigkeit?
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17:20 13.12.2018
Zum Ende des Workshops drehten die Grundschüler in kleinen Gruppen Kurzfilme oder führten Interviews mit Einwohnern ihrer Heimatstadt. Quelle: Schlaglicht e.V.
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Dahme

Seine Träume im Leben zu verwirklichen, ist für manche Menschen ganz leicht. Für andere wiederum ist es schwer, zu erreichen, was sie sich erträumen. Das wissen auch die Kinder der 6. Klasse der Grundschule Dahme schon. Doch warum ist das so? Und: Können die Kinder etwas daran ändern? Vier Tage lang haben sie sich mit diesen Fragen auseinandergesetzt.

Mit dem Projekt „Meine Meinung, deine Meinung – Ich habe was zu sagen“ reist der Berliner Verein Schlaglicht seit mehreren Jahren durch ganz Brandenburg. Er richtet sich speziell an 5. und 6. Klassen und will präventiv gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit wirken. „Uns geht es darum, die Empathie und das Gerechtigkeitsempfinden der Kinder zu stärken“, erklärt Projektleiter Johannes Kreye.

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Der Berliner Verein "Schlaglicht" besucht Grundschulen in Brandenburg, um mit Kindern über Chancengleichheit und Gerechtigkeit zu reden. Im Workshop erarbeiten sie sich Begriffe und eine Lösung auf die Frage "Was kann ich selbst gegen Ungerechtigkeit tun?" selbst.

Das Projekt ist beliebt. Fast täglich ist das Team von Kreye an einer anderen Schule. Auch in Mahlow und Wünsdorf waren sie bereits. Am Anfang stellt der Bildungsreferent den Grundschülern immer dieselbe Frage: Wovon träumt ihr im Leben? „Die Kinder in Dahme haben darüber schon sehr reflektiert diskutiert“, berichtet er.

Als ein Junge auf die Liste eine Luxusyacht und ein anderer das Smartphone setzte, schritt die Klasse ein. Nicht alle Kinder in diesem Alter würden darüber diskutieren, ob ein Handy wirklich notwendig ist, erklärt Kreye. „Die Grundschüler aus Dahme sind eine tolle Gruppe, die das Projekt sehr gut annimmt.“

„Kinder zu jeder Zeit ernst nehmen“

Nicht immer reden die Kinder während des Workshops aber über dieselben Themen. „Nach einer Einführung am ersten Projekttag entscheiden die Schüler selbst, welchen Schwerpunkt sie vertiefen möchten“, sagt Kreye. Die Schüler wichtige Entscheidung im Projektverlauf selbst treffen zu lassen, ist fester Bestandteil des Gesamtkonzepts. „Uns ist es wichtig, die Kinder zu jeder Zeit ernst zu nehmen“, sagt er.

Johannes Kreye ist als Projektleiter für den Schlaglicht-Verein tätig. Quelle: Victoria Barnack

In Dahme ging es in den vergangenen vier Tagen um die Gleichberechtigung und die stereotypen Rollen von Jungen und Mädchen – das beliebteste Thema, verrät der Projektleiter. „Andere Themen wie Flucht, Behinderung und die Mitbestimmung unter Erwachsenen sind in diesem Alter noch weniger relevant.“

Ein Kurzfilm, eine Reportage oder ein kleiner Erklärfilm sind am Ende das Ergebnis des mehrtägigen Workshops. Der Umgang mit Mikrofon und Kamera gehört zum medienpädagogischen Konzept, den der Verein in so vielen Projekten wie möglich umzusetzen versucht. Einen eigenen Film mit moderner Technik selbst zu planen und drehen zu dürfen, kam auch bei den Dahmer Grundschülern gut an. Ganz nebenbei haben einige von ihnen auch eine Antwort auf die Frage gefunden, was sie selbst gegen Ungerechtigkeit im Alltag tun können.

Wichtiges Thema auch für Schulsozialarbeiterin

Auch Schulsozialarbeiterin Manuela Schmidt ist von dem Projekt begeistert. „Man kann nie früh genug damit anfangen, dieses Thema mit den Kindern zu besprechen“, sagt sie. „In der Gesellschaft ist es oft verpönt, aber es läuft doch immer irgendwie mit.“

Auch die Dahmer Grundschule sei nicht frei von Problemen wie Mobbing oder Kinderarmut. Das Projekt könne aber auch den Erwachsenen die Augen öffnen. „Für uns alle sollte es wichtig sein, die Kinder nicht in eine Schublade zu stecken“, sagt die Sozialarbeiterin. Sie will sich dafür einsetzen, dass noch weitere Klassen aus Dahme an dem Workshop teilnehmen können.

Von Victoria Barnack

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