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Teltow-Fläming "Das ist geil, Opa!"
Lokales Teltow-Fläming "Das ist geil, Opa!"
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19:48 27.12.2013
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Glau

Das war das bisher ungewöhnlichste Weihnachtsgeschenk, das Jonathan, Gideon und Elise je bekommen haben. Ihr Opa Christian Tzschacksch aus Glau hat für sie ein Flugzeug gebaut. Es ist 3,20 Meter lang, hat eine Spannbreite an den Tragflächen von vier Metern und passt gerade so in die Garage. Kein Wunder, dass die Kinder große Augen bekamen, als sie das Riesenteil zum ersten Mal sahen. „Das ist geil, Opa!“, entfuhr dem dreijährigen Gideon.

Christian Tzschacksch hatte im August dieses Jahres Holzpaletten entdeckt, die vom Transport der Solaranlagen in Glau übrig geblieben waren. Er erkundigte sich bei den Arbeitern, was damit geschieht und erfuhr, dass sie entsorgt werden sollten. Doch dann hatte der gelernte Tischler eine Idee. Er wollte seinen Enkelkindern etwas Schönes bauen. „Mein Opa hat früher für meine Mutter einen Holz-Lkw gebaut, mit dem habe ich als Kind sogar noch gespielt“, erinnert sich der Familienvater. Also besorgte er sich 100 Paletten – gleich ein paar mehr, denn hin und wieder baut er auch Kulissen für die Johannische Kirche.

Er musste alle Nägel entfernen und, weil die Holzqualität nicht so besonders war, auch nachleimen. Nachdem er sich das Holz in der Garage zurechtgelegt hatte, wusste er, was daraus entstehen sollte: ein Flugzeug. „Ich hatte das fertige Bild bereits im Kopf“, erzählt der 57-Jährige. Seitdem verbrachte er fast jede freie Minute in der Werkstatt. Sein Freund „Rotschi“ spendierte Motor, Kugellager, Federn und Stoßdämpfer. Der Blankenseer Werner David half bei den Polsterarbeiten im Cockpit und sein Bruder Michael Tzschacksch entwickelte die Elektronik. Denn schließlich sollte das Flugzeug mit einem Motor ausgestattet werden, sodass man das Teil auch steuern kann. „Ich versuchte, eine Cessna nachzubauen, die ich in Salzburg mal in einer Ausstellung gesehen hatte“, sagt Tzschacksch.

Es sprach sich herum, welch ungewöhnliches Weihnachtsgeschenk in der Nachbarschaft entstand. Und siehe da, es wurde sogar eine Pilotentasche spendiert – gefüllt mit Süßigkeiten, denn die Kinder müssen auf ihrer Tour ja Verpflegung haben. Im Baumarkt wurden drei Räder gekauft sowie Acrylglas für die Fenster. Der Propeller war ein Gemeinschaftswerk von Christian Tzschacksch und seiner Schwiegertochter Dana, die dafür einen Teil ihrer Ikea-Lavalampe beisteuerte. Farbige Bleistiftanspitzer funktionierte der Konstrukteur in Positionsleuchten um. Und natürlich hat Opa an alles gedacht. Sicherheit ist oberstes Gebot. Wenn der Propeller eingeschaltet ist und man kommt mit der Hand ran, hält er sofort an.
Im Cockpit sind all jene Armaturen, die sich auch in einem Originalflugzeug befinden. Selbst an die Tankanzeige hat Christian Tzschacksch gedacht. Die formvollendeten Ledersitze sind zum Umklappen, sodass die Kinder mühelos ein- und aussteigen können. Und wenn alle Sitze ausgebaut sind, passt Christian Tzschacksch sogar selbst hinein.

Er ist froh, dass sein Flugzeug so schön geworden ist. „Das Flugzeug kann fast alles. Es kann fahren. Es hat Licht. Selbst die Tankanzeige funktioniert. Der einzige ,Nachteil’ ist: Es kann nicht fliegen“, erklärt er lachend. Doch das ist für die Kinder nebensächlich (und für die Eltern wohl entscheidend).

Wenn Jonathan, Gideon und die erst acht Monate alte Elise im Flieger sitzen, scheinen sie alles um sich herum zu vergessen. Wobei die Jungs momentan mehr Spaß am Ausprobieren haben als die Kleine. Im Frühjahr wird Enkelkind Nummer Vier erwartet. „Das wird dann gleich mit Flugschein geboren“, freut sich der „Holzwurm“, der ursprünglich aus der Lausitz stammt und früher Modellflieger war.

Nachdem das Erstlingswerk gelungen ist, will Tzschacksch noch eins draufsetzen. Da seine Frau Jutta abends eh immer erst spät aus ihrer Sauna kommt, hat er nach Feierabend Zeit zum Werkeln. „Als nächstes ist ein Karussell mit Handbetrieb an die Reihe“, sagt er, „ich weiß auch schon genau wie es werden soll.“ Für die Kinder sei es eine bleibende Erinnerung. „Ich bin mir sicher, dass sie in zehn Jahren noch daran denken werden. Außerdem sitzen sie nicht am Computer“, fügt Christian Tzschacksch hinzu.

Er hat noch mehr Bau-Ideen. Nach dem Karussell will er einen noch Formel-1-Wagen bauen. Damit verwirklicht er nicht nur die Wünsche seiner Enkel, sondern auch eigene Kindheitsträume. Gleichzeitig ist es für ihn ein schöner Ausgleich zur täglichen Arbeit. Er ist im Krankentransport tätig und kann sich nach Feierabend zu Hause kreativ entfalten. In seiner Werkstatt in Glau stehen unter anderem Schnitzereien, die der einstige Tischler in der jüngsten Zeit angefertigt hat.

Von Margrit Hahn

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