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Teltow-Fläming Der Haag war damals die Stadtgrenze
Lokales Teltow-Fläming Der Haag war damals die Stadtgrenze
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19:02 16.05.2013
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LUCKENWALDE

. Davor lagen Äcker, Wiesen und Wälder. Laut Chronik lebten 1542 in der Jüterboger Vorstadt Wenden. Sie hatten keine Bürgerrechte, waren aber, wie die Luckenwalder, dem Zinnaer Kloster beziehungsweise dem Amt Zinna abgaben- und lehnspflichtig. Wo genau dieser wendische Wohnplatz lag und ob die Wenden irgendwann abgewandert sind oder sich nach dem Dreißigjährigen Krieg mit den wenigen überlebenden Luckenwaldern vermischten, ist nicht bekannt. In jedem Fall ist dieser wendische Wohnplatz nicht identisch mit der ab 1750 für die angeworbenen Kolonisten angelegten Zinnaer Vorstadt.

Ein Plan von 1723 deutet zum Beispiel die heutige Käthe-Kollwitz-Straße, an. Dieser Weg führte über den Frankenfelder Berg nach Frankenförde und weiter nach Treuenbrietzen. Es gab auch einen Weg über die Lehmberge ins nicht mehr existierende Mehlsdorf und von dort nach Kloster Zinna und nach Treuenbrietzen. In Luckenwalde wurden daraus die Rudolf-Breitscheid-Straße, früher Treuenbrietzener Straße, und die Straße An den Ziegeleien. Auch der Haag war damals noch keine Straße, sondern bildete mit der Nuthe und einer Hainbuchenhecke die Stadtgrenze.

Der Stadtplan von 1794 zeigt, wie rasch sich Luckenwalde veränderte. 1649 schien die Stadt dem Untergang geweiht, denn nur 130 von rund 1000 Luckenwaldern hatten den Dreißigjährigen Krieg überlebt. Dank der ab 1684 einsetzenden Zuwanderung war die Einwohnerzahl bis 1754 auf 2000 und bis 1794 auf rund 3500 gestiegen. Da innerhalb der alten Stadtgrenzen kaum Bauland zur Verfügung stand, waren die westlich der Stadt gelegenen Gebiete Ziel der königlichen Ansiedlungspolitik geworden. Ab 1750 ließ er die Zinnaer Vorstadt und ab 1775 die Geraer Colonie anlegen. Sie umfassten das Gebiet zwischen Zinnaer und Käthe-Kollwitz-Straße.

Auf dem Plan von 1794 wird das Gebiet zwischen der Beelitzer Straße und der Käthe-Kollwitz-Straße bis an die Hetzheide, die damals noch bis an die Holzstraße/ Stiftstraße heranreichte, als Luckenwaldischer Acker bezeichnet. Seine Bebauung hatte am Haag 1780 mit dem „Geraschen Fabriquen Etablissements bei Luckenwalde“ begonnen. Etwa zeitgleich entstanden, ausgehend von der Geraer Colonie, dort auch die ersten Wohnhäuser.

1838 gründete Bürgermeister Karsch am Haag 9 die erste Luckenwalder Suppenanstalt und im selben Jahr wurden am Nutheufer Linden gepflanzt. 1840 wurde am Haag 18, direkt neben der großen Fabrik, die Carlsche Kleinkinder-Bewahranstalt eröffnet. Dieser erste Luckenwalder Kindergarten war eine große soziale Errungenschaft. Seitens des Stifters lag aber wirtschaftliches Kalkül zugrunde. Da die Kleinkinder tagsüber versorgt waren, konnten die Mütter und die größeren Kinder täglich zwölf Stunden in seiner Fabrik arbeiten.

1839 kam zweimal wöchentlich eine fahrende Post von Berlin über Luckenwalde nach Dresden und zurück. Die Reisegeschwindigkeit betrug 10 km/h, denn die Pferde mussten regelmäßig gewechselt werden. Die Postkutschen hielten vor der 1766 eröffneten Posthalterei, Markt 17/18. Die Postkutschen wurden bald von der Eisenbahn abgelöst, denn 1838 hatte der Vorsitzende des Verwaltungsrats der Berlin-Sächsischen-Eisenbahngesellschaft Carl, er war der Schwiegersohn des Luckenwalder Tuchfabrikant Busse, durchgesetzt, die Eisenbahnlinie von Berlin nach Köthen zu bauen. Dadurch erreichte Carl sein Ziel, Luckenwalde an das neue Verkehrsmittel anzubinden.

Am 6. Juli 1839 meldete das Kreis-Wochenblatt: „Die Erdarbeiten für die Eisenbahn sind bis Trebbin zustande gebracht, sodass mit diesen Arbeiten im diesseitigen Kreise der Anfang gemacht werden soll. Im Scharfenbrücker und Zinnaer Forstrevier sind die Bäume für die Eisenbahnstrecke gefällt.“ Nach einer Bauzeit von zweieinhalb Jahren war die 62,8 Kilometer lange Strecke mit den Bahnhöfen Berlin, Luckenwalde, Jüterbog fertig. Am 21. Juni 1841 wurde der Bahnhof Luckenwalde eröffnet und am 1. Juli der Dauerbetrieb bis Jüterbog und am 10. September bis Köthen aufgenommen. Die Eisenbahn fuhr dreimal täglich, die Fahrzeit Luckenwalde–Berlin betrug eineinviertel Stunden. In den ersten drei Monaten nutzten bereits 28 000 Reisende die Strecke Berlin-Jüterbog.

Der Autor ist Heimatforscher

in Luckenwalde. (Von Dietrich Maetz)

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