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Teltow-Fläming Der Marsch zum eigenen Ich
Lokales Teltow-Fläming Der Marsch zum eigenen Ich
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05:22 24.07.2017
„Es ist ein Miteinander, und doch ist jeder für sich selbst“: Selbstfindung zu Fuß von Wünsdorf nach Jüterbog.
„Es ist ein Miteinander, und doch ist jeder für sich selbst“: Selbstfindung zu Fuß von Wünsdorf nach Jüterbog. Quelle: Katja Schubert
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Woltersdorf

Seit dem sechsten Jahrhundert schon pilgern Menschen aus aller Welt für Buße, innere Einkehr und zur Selbstfindung. Die zumeist religiös motivierte Wanderschaft zog seit jeher Anhänger aller Konfessionen in den Bann. Nun hatten sich auch die Gruppen der Christenlehrekinder der evangelischen Kirchengemeinden aus Teltow-Fläming zusammengetan, um gemeinsam von Wünsdorf nach Jüterbog zu pilgern. Vom 20. bis zum 23. Juli fanden sich die verschiedenen Lager etappenweise zusammen, lernten sich zum Teil erst kennen. Anlass für diese erste gemeinschaftliche Wanderschaft war das 500. Lutherische Reformationsjubiläum, deshalb wurde als Zielort der Tetzelkasten in der Nikolaikirche Jüterbog gewählt.

Insgesamt 50 Kilometer, mit Tagesetappen von jeweils 10 bis 15 Kilometern, liefen die jungen Christen, mit Regencape, Wanderstock und festem Schuhwerk ausgestattet, durch Wald und Felder, nachts schliefen sie in Schlafsäcke gehüllt in Kirchen, Klöstern und einem Gemeindezentrum. In jedem Gotteshaus, in dem sie zu Gast waren, bekam die Gruppe ganz authentisch ein Pilgersiegel mit auf den Weg. Es wurde gesungen, ein Picknick veranstaltet, Bibelgeschichten erzählt und im Freibad gebadet. Außerdem führte jeder Pilgerer ein Tagebuch mit selbst gebasteltem Lesezeichen. Im Rahmen eines Unterhaltungsprogramms trat der Zauberer „Kotzmotz“ auf, der über Freundschaft und die richtige Lebenseinstellung belehrte.

Die Pilgergruppe vor einem Gotteshaus Quelle: Katja Schubert

Organisiert und begleitet wurden die Kinder von vier Katechetinnen der verschiedenen Gemeinden, die im Auftrag der Kirche für Kinder- und Jugendarbeit zuständig sind. Die vier testeten sogar den Weg vorher, damit nichts schief geht.

„Das lange Laufen macht etwas mit einem, man kann so zu sich selbst finden“, sagt Andrea Bigalke, Katechetin aus Rangsdorf und eine der vier Gruppenführerinnen. „Ich könnte so viele schöne Geschichten von den Kindern auf dieser Reise erzählen, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Ich bin unglaublich beeindruckt und glücklich darüber, wie viel Gutes sich in ihnen entfaltet.“ Sorgen und der Stress des Alltags können auf der Pilgerschaft aufgeräumt und ausgeräumt werden, jeder müsse sein eigenes Tempo finden, so Bigalke. Oftmals sei es vorgekommen, dass einer auf den anderen wartete. „Es ist ein Miteinander, und doch ist jeder für sich selbst.“

Für viele der Kinder, die sich sonst einmal wöchentlich zur Christenlehre treffen, war dieser Viertagesmarsch eine ganz neue Erfahrung, die nicht nur wegen der Blasen nachhaltig ist, sondern auch, weil neue Freundschaften geschlossen wurden und die Erlebnisse in Erinnerung bleiben. „Auf dem Boden zu schlafen ist zwar hart, trotzdem macht es viel Spaß. Es ist schön, in der Natur zu laufen, außerdem üben wir damit unsere Ausdauer“, fasst die neunjährige Berenike Gutperl ihre Reise zusammen. „Wir haben sogar Wetten abgeschlossen, zum Beispiel, wer am Ende die meisten Mückenstiche hat.“

Von Katja Schubert

23.07.2017
23.07.2017