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Teltow-Fläming Der Verwaltungsfachmann von außen
Lokales Teltow-Fläming Der Verwaltungsfachmann von außen
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12:34 05.01.2018
Der SPD-Ortsverband Großbeeren schickt den 36 Jahre alten Potsdamer Tobias Borstel in den Bürgermeister-Wahlkampf 2018
Der SPD-Ortsverband Großbeeren schickt den 36 Jahre alten Potsdamer Tobias Borstel in den Bürgermeister-Wahlkampf 2018 Quelle: Jutta Abromeit
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Großbeeren

Er ist jung, Verwaltungsfachmann und wohnt nicht in Großbeeren: Tobias Borstel. Ihn schickt der SPD-Ortsverein in den Wahlkampf um die Rathausspitze von Großbeeren. Am 14. Januar wählen die Bürger dieses geschichtsträchtigen Ortes zwischen Berliner Stadtrand und Autobahnring einen neuen Bürgermeister. Nach zwei Amtsperioden beziehungsweise 16 Jahren tritt Carl Ahlgrimm (früher parteilos, seit 2017 CDU) nicht wieder an.

Lebensdaten Tobias Borstel

Geboren wurde Tobias Borstel 1981 in Burg bei Magdeburg; er ist verheiratet, hat drei Kinder und wohnt in Potsdam.

Seit dem Jahr 2000 ist er Hockey-Nachwuchstrainer.

2004 tritt er in die SPD ein.

Zwischen 2003 und 2009 ist er Mitarbeiter bei Fernsehproduktionen der Öffentlich-rechtlichen Sender, zum Beispiel bei „Sabine Christiansen“, „Anne Will“ und „Hart aber Fair“.

2009 arbeitet er für ein halbes Jahr bei der SPD-Bundestagsabgeordneten Margrit Spielmann.

2011/12 ist er Mitglied im Projektteam Bürgerhaushalt Potsdam.

2012 schließt er die Universitätsausbildung in Potsdam als Diplom-Verwaltungswissenschaftler ab.

Seit 2003 arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag, unter anderem von 2009 bis 2017 als Mitarbeiter bei Frank-Walter Steinmeier, dort gehörte er 2009 und 2013 zu dessen Wahlkampfstab.

Seit 2016 ist er Vize-Präsident des Vereins Brandenburgischer Roll- und Inlinesport Verband, im selben Jahr wurde er Vorstandsmitglied der Stadtsportjugend Potsdam und Vorstandsmitglied des SV Motor Babelsberg/Abteilung Inline-Skater-Hockey

In dem Männertrio, das um den Chefsessel in der Verwaltung des knapp 9000 Einwohner zählenden Zuzugsortes kämpft, ist Borstel mit 36 Jahren der Jüngste. Und er ist der einzige Nicht-Großbeerener. Dieses Von-außen-Kommen sieht der dreifache Familienvater und Potsdamer aber als großes Plus. Die Idee zu seiner Kandidatur kommt aus dem SPD-Unterbezirk Teltow-Fläming und dem Ortsverein Großbeeren. Nach allem, was er bisher über die Gemeinde wisse, sei es Zeit für einen Neustart: „Ein Gegeneinander wie bei solch großen Wohnbau-Entwicklungsvorhaben wie ’An den Saufichten’ gibt’s für mich nicht, auch keine Absprachen in Hinterzimmern.“ Er sei überzeugt, dass die aktuellen Herausforderungen für den Ort mit dem GVZ und dem Zuzug, der mittelständischen Wirtschaft, mit den Verkehrsproblemen und der sozialen Infrastruktur gemeinsam von der Verwaltung und mit bürgerschaftlichem Engagement zu meistern seien.

Geld für Kitas, bessere Bedingungen im Rathaus und die Feuerwehr

Konkret meine er damit etwa die Ausstattung kommunaler Einrichtungen. „Schön wäre, wenn das Geld für bessere Bedingungen in den Kitas und im Rathaus reicht. Aber ganz wichtig ist, dass die Feuerwehr nicht zu kurz kommt, dort fehlen Maschinisten“, erläutert Borstel. Außerdem müssten sich Kameradinnen auf der Toilette umziehen. Dass die Einsatzzahlen bei der Großbeerener Wehr steigen, vor allem, wenn der Flughafen in Betrieb geht, davon ist der SPD-Mann überzeugt. Weiteres Thema: „An der Schule fehlen Fahrradstellplätze. Fahrräder an Zäune anzuketten, ist nicht die beste Lösung, das geht anders“, so Borstel. Außerdem fallen ihm Defizite wie der unbeleuchtete Weg zum Bahnhof ein und der immer noch nicht für Behinderte allein erreichbare Bahnsteig Ost.

Erfahrungen von anderen nutzen

Doch das seien aktuelle Sorgen. Für Borstel geht es um mehr, um die Perspektiven für Großbeeren, den wachsenden Logistikknoten im Hauptstadt-Speckgürtel. Er spricht von vielen Kontakten in Potsdam-Mittelmark, im Havelland und im Kreis Teltow-Fläming. Er sagt: „Man muss über den Tellerrand schauen. Wie macht es zum Beispiel die kleinste Gemeinde Brandenburgs im Milower Land mit ihren 4500 Einwohnern, nach einem Defizit in anderthalb Jahren schwarze Zahlen zu schreiben?“ Von solchen Erfahrungen könne man lernen, so Borstel. Ebenso von Parteikollegen wie dem Bundestagsabgeordneten Uwe Schmidt im vorläufigen Verkehrsausschuss. „Der kommt aus Bremerhaven und hat in seinem Wahlkreis das größte deutsche GVZ. Auch wenn unser GVZ in Rankings schon weit vorn ist – vielleicht kann man ja immer noch was besser machen“, sagt der SPD-Kandidat.

Prognose Wachstumsschmerzen

Und er spricht von Wachstumsschmerzen, die Großbeeren bevorstünden: „Es werden auch hier noch mal deutlich mehr Einwohner kommen. Wie reagieren wir, wie gehen wir damit vernünftig um?“ Er denke an Wohnbau- und Schulprobleme: „Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum für alle Generationen, öffentlicher Personennahverkehr muss den Individualverkehr spürbar entlasten und in der Region noch besser vertaktet sein.“ Auch um Bildung gehe es: „Im Verbund mit Nachbargemeinden muss es eine wohnortnahe Möglichkeit der Abiturstufe geben.“

Engagement im Sport

Viele solcher Sorgen kennt Borstel aus dem eigenen Familienleben: Er ist verheiratet, seine Kinder sind vier, fünf und 13 Jahre alt. Bereits vorher prägte ihn das Hockey-Spielen. Damit begann er im Alter von 16 Jahren in Genthin (Sachsen-Anhalt). Irgendwann erfuhr er über diesen Sport von Großbeeren und seinen Hockey-Spielern, später wurde er Hockey-Trainer und ist es heute noch. Ehrenamtlich engagiert er sich in Brandenburgs Hockey- und Inline-Verband, bei der Sportjugend Potsdam sowie der Rollsport-Sparte beim SV Babelsberg. Und Borstel hat verwandtschaftliche Verbindungen zu Großbeeren: „Die väterlichen Wurzeln reichen von Berlin über den schönen Spreewald bis in die Gemeinde Großbeeren hinein.“

Ort attraktiver gestalten

Sein Ziel als Bürgermeister sei es, den im Grünen gelegenen Ort trotz seiner Hauptstadt- und Flughafen-Nähe attraktiv zu gestalten. „Mit den Bürgern, für Jung und Alt, für Ortsteilbewohner, Alteingesessene und Zugezogene“, sagt er.

Wahlforum am 8. Januar

Am 8. Januar können Sie die Kandidaten persönlich kennenlernen und Ihre Fragen stellen. Um 18.30 Uhr veranstaltet die MAZ im Gemeindesaal ein Wahlforum zur Bürgermeisterwahl, alle drei Kandidaten sind dabei.

Umfrage zur Wahl

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Von Jutta Abromeit