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Teltow-Fläming Der angezählte Bürgermeister
Lokales Teltow-Fläming Der angezählte Bürgermeister
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00:49 09.10.2014
Ortwin Baier an seinem Arbeitsplatz, den er wegen einer Krankheit zurzeit nicht einnimmt. Quelle: MAZ
Blankenfelde-Mahlow

Vor ein paar Wochen flatterte in alle Haushalte in Blankenfelde-Mahlow eine Image-Broschüre. Die ersten Seiten muten wie Ortwin Baiers (SPD) privates Fotoalbum an. Baier auf dem Fahrrad, Baier auf der Baustelle, Baier auf einer Bank in der Märkischen Promenade. Der Bürgermeister von Blankenfelde-Mahlow präsentiert sich als Macher, dabei sind diese Zeiten längst vorbei.

Bürgermeister sendet E-Mails mit Zündstfoff vom Krankenbett aus

Baier ist zum Symbol für den Stillstand in Blankenfelde-Mahlow geworden. Seit Monaten ist sein Stuhl verwaist. Die Gemeinde wird nur noch verwaltet. Und was macht Baier? Obwohl er krankgeschrieben ist, findet er Zeit, E-Mails an die ihm nicht gerade wohlgesonnene Fraktion BB-FDP in der Gemeindevertretung zu schreiben und einen ihrer Vertreter der Stasi-Mitgliedschaft zu bezichtigen. Das wirkt wie ein politisches Manöver als letztes politisches Mittel eines angeschlagenen Regenten. Wenn es schon nicht gelingt, die Kritiker in der Gemeindevertretung zu beschädigen, dann wird eben ein kleines Licht aus der zweiten Reihe ins Visier genommen.

Unterstützer fordern inzwischen Baiers Rücktritt

Die öffentlich gewordene Causa Dieter Pappschik könnte für Ortwin Baier allerdings zum Bumerang werden. Längst werden Rücktrittsrufe laut. Diesmal sei er zu weit gegangen, heißt es selbst von Leuten, die ihn bisher unterstützt haben. Nicht einmal die eigenen Genossen stellen sich schützend vor ihn. Baier taucht ab und lässt seine Anwälte machen. Wenn er sich doch einmal äußert, wirkt er nervös und fahrig, poltert gegen seine Widersacher. Was er sich für seine Gemeinde vorstellt, sagt er schon lange nicht mehr.

Baier scheint Probleme aussitzen zu wollen

Blankenfelde-Mahlow befindet sich in einem politischen Vakuum. Es scheint, als würde der Bürgermeister versuchen, die vielen Probleme auszusitzen, allen voran die Rathaus-Affäre, die im Mai seinen Stellvertreter Jörg Sonntag das Amt kostete – und die Gemeinde möglicherweise eine Millionensumme für vergebliche Planung. Im Januar muss sich Baier zudem vor dem Amtsgericht Zossen wegen Vorteilsnahme verantworten. Er hatte vom Möbelhaus Porta Spenden für zwei Vereine im Ort angenommen. Weil er sich gleichzeitig für eine Porta-Ansiedlung in Mahlow starkgemacht hatte, erhob die Korruptions-Staatsanwaltschaft Anklage.

Bürgermeister ist in der Defensive

Der Angeklagte selbst hält sich für unschuldig, seine Gegner kriegen sich vor Schadenfreude kaum noch ein. Juristisch ist Baier in der Defensive, politisch auch. Sein Widersacher Matthias Stefke (BVBB-WG) treibt die Verwaltung mit Anfragen genüsslich vor sich her. Statt gute Miene zum bösen Spiel zu machen, lässt sich Baier auf verbalen Kleinkrieg ein. Nach elf Jahren an der Spitze von Blankenfelde-Mahlow wirkt Ortwin Baier mehr als nur amtsmüde. Dabei bräuchte die Gemeinde gerade jetzt eine klare Linie in Sachen Flughafen und beim jahrelang vernachlässigten Ausbau der Infrastruktur. Seine Stellvertreterin Marion Dzikowski gibt sich Mühe, die Gemeinde zu regieren. Mittlerweile scheint sie sich einigermaßen wohl mit dieser Aufgabe zu fühlen. Für politische Entscheidungen sind andere zuständig, ist ein Satz, den man oft von Marion Dzikowski hört. Wenn sie ihn sagt, wirkt sie hilflos, weil sie nicht weiß, wann da wieder jemand ist, der ihr diese Aufgabe abnimmt.

Kein Viosionär, eher der Typ Aktenfresser

Ein Mann großer Visionen war Ortwin Baier nie, keiner, der die Menschen einfangen und begeistern kann, eher ein fleißiger Aktenleser, der sich in der zweiten Reihe wahrscheinlich wohler gefühlt hätte. Das hätte ihm so manchen Auftritt erspart, bei dem er hölzern und ungelenk wirkte.

Baier steht seit 2003 an der Spitze einer der Gemeinden Brandenburgs, die sich besonders dynamisch entwickelt. Und doch steht er isoliert da. Auch, weil ihm der Rückhalt der SPD-Genossen auf Landes- und Kreisebene fehlt. Wenn Baier zum x-ten Mal von den Zumutungen des Flughafens spricht, rollt man in Potsdam mit den Augen. Hinter vorgehaltener Hand ist zu hören, dass in der Verwaltung bereits die Messer gewetzt werden und sich die Thronfolger in Stellung bringen.

Nach der Kommunalwahl im Mai sprach Baier von einem Neuanfang in der Gemeinde. Was er sich darunter vorstellt, ist derzeit so offen wie nie.

Von Christian Zielke

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