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Teltow-Fläming Der frühere Pfarrer Burkhart Demberg in Rangsdorf
Lokales Teltow-Fläming Der frühere Pfarrer Burkhart Demberg in Rangsdorf
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12:32 14.08.2017
Burkhart Demberg las, und Monika Kosmetschke untermalte die vorgetragenen Texte mit Flötenmusik.
Burkhart Demberg las, und Monika Kosmetschke untermalte die vorgetragenen Texte mit Flötenmusik. Quelle: Andrea von Fournier
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Rangsdorf

Wieder einmal haben Burkhart Demberg, Pfarrer im Ruhestand, aus Köln und die Rangsdorfer Flötistin Monika Kosmetschke am Sonnabend gemeinsam einen „Kapellenabend“ gestaltet. Am Vortag hatten beide noch vier Stunden lang an dem Programm für die 36. Auflage der beliebten Veranstaltungsreihe gefeilt. Alles sollte sitzen, die Musik genau zum Text passen und an den richtigen Stellen einsetzen.

Ein guter Bekannter in Rangsdorf

Burkhart Demberg, nach einigen Auftritten in der Rangsdorfer Friedhofskapelle nun schon ein guter Bekannter, widmete sich dem Thema „Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein“. „Engel, ein Auftrag mit viel Schweiß. Da ist man allzu schnell in der esoterischen Ecke gelandet“, sagte der in Köln beheimatete Theologe, der seit einigen Jahren regelmäßig zur Urlaubsvertretung Rangsdorfer Pfarrer hier weilt. Die kleine Kapellenrotunde auf dem Friedhof füllte sich am Samstagabend rasch bis auf den letzten Platz, und die Veranstalter holten noch Stühle heran.

Guter Themenmix

Gabriele Michaelis, die gemeinsam mit Friedhofsverwalter Michael Krüger und Barbara Schulz die „Kapellenabende“ organisiert, achtet auf den Themenwechsel und kann auf ein breit gefächertes und kontinuierliches Veranstaltungsangebot seit fünfeinhalb Jahren verweisen. Eine Kraftanstrengung, die der Rangsdorferin jedoch auch viel zurück gibt. Sie erinnerte an Veranstaltungen wie den Märchenabend, ebenfalls mit Burkhart Demberg, als man die Türen öffnete, weil die Besucher draußen auf der Treppe zuhörten. Sehr gut angenommen wird das Angebot, nach den Konzerten, Lesungen, Gesprächen oder Filmen bei Wasser oder Wein vor der Kapelle noch ins Gespräch zu kommen. „Themen wie Sterbebegleitung, Hospizarbeit oder Wachkoma sind so bewegend, dass sie einfach noch ein Verweilen, Fragen an den Referenten erfordern“, sagte Gabriele Michaelis, bevor sie die Türen für die Engels-Lesung schloss.

Lesung mit Flötentönen

Burkhart Demberg präsentierte sich vor dem mit schwarzem Tuch und weißen Engelsflügel dekorierten Pult. Er leitete die Lesung mit einer Begebenheit vor dem Dreh zu Wim Wenders Film „Der Himmel über Berlin“ ein, bei dem die Engel Damiel und Cassiel eine Rolle spielen. In großer Breite hat Demberg gesucht und zu Gehör gebracht, wo Engel eine Rolle spielen: im Alten und Neuen Testament der Bibel, im jüdischen Glauben, in fantastischen oder alltäglichen Geschichten und Gedichten von Rilke, Kaléko bis Kaschnitz. Über eine Stunde, bis zu „Ein Engel war’s“ von Helena Philippová, musste das Publikum warten, bis es lachen und einen Knoten lösen konnte. Bis dahin war das Thema eher schwierig, zum Zuhören, Mit- und Nachdenken geeignet. Philippová beschreibt einen Engel, der das Herumstehen satt und stattdessen großen Appetit auf heiße Würstchen hat. Doch was tun, wenn man kein Geld hat? Also sucht und findet der Engel einen Job bei der Post, wo die Autorin ihn, Würstchen verspeisend, gesehen hat. Monika Kosmetschkes Flötenklänge assoziierten zwischendurch immer wieder leichte Flügelschläge. Sie hatte die Musik textorientiert ausgesucht und so zollte das Publikum nicht nur der Lesekunst Burkhart Dembergs am Schluss verdient Applaus.

Von Andrea von Fournier