Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Teltow-Fläming Von der Grund- auf die Reiter-Schule
Lokales Teltow-Fläming Von der Grund- auf die Reiter-Schule
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:55 03.07.2019
Joelle hoch zu Ross und mit ihren Eltern Katja und Andreas und ihrer Schwester Chanel. Quelle: fotos: Uwe Klemens (2)
Anzeige
Meinsdorf

Mit Bus, Elterntaxi oder Fahrrad zur Schule kann jeder. Wenn das neue Schuljahr beginnt, sattelt Joelle Tebbe aus Meinsdorf jeden Morgen ihr Pferd, um so den Schultag zu beginnen. Als erste Werbiger Schülerin hat sich die 12-Jährige am Ende ihrer Grundschulzeit für den Besuch der Reitsport-betonten Prinz-von-Homburg-Gesamtschule in Neustadt an der Dosse entschieden.

Stolz auf den Ehrgeiz ihrer Mädchen

„Als Eltern sind wir sehr stolz, mit welchem Ehrgeiz Joelle seit vier Jahren an diesem Plan gearbeitet hat, aber auch ein wenig traurig, wenn sie dann nur noch am Wochenende zu Hause sein wird“, sagt Vater Andreas Polzfuss. „Aber ein wenig sind wir schon trainiert. Denn wenn Joelle und ihre Schwester Chanel ihre Pferde satteln und am Horizont verschwinden, haben wir manchmal auch eine Träne im Auge. Es lässt sich nicht übersehen: Die Mädchen werden älter und irgendwann werden sie sowieso außer Haus sein“, so der Familienvater.

Anzeige
Joelle mit ihrem Reitpferd, das in zwei Jahren ebenfalls nach Neustadt umziehen wird. Quelle: Uwe Klemens

Daran, dass der Prozess des Loslassens so früh beginnt, haben er und Joelles Mutter Katja Tebbe einen großen Anteil. Denn als die angehende Homburg-Schülerin geboren wurde, waren ihre Eltern und die beiden älteren Brüder gerade aus Berlin nach Meinsdorf gezogen, damit die Kinder Platz zum Aufwachsen haben. Auch der Umgang mit Pferden, das Hobby der gelernten Krankenschwester und des Karosseriebauers und Hufschmieds, war Teil der Familienplanung und wurde der Lebensinhalt von Joelle und ihrer ein Jahr jüngeren Schwester Chanel, die mit dem typischen Selbstbewusstsein jüngerer Geschwister in die Fußstapfen ihrer großen Schwester tritt und ihr im nächsten Jahr an die Dosse folgen will.

Abäppeln statt ins Freibad

Katja Tebbe und Andreas Polzfuss sind stolz auf ihre Mädchen, für die der Umgang mit Pferden mehr ist, als ein Zeitvertreib von vielen. Auch die anfallende Arbeit im Stall und auf der Koppel ist ihr Ressort. Statt ins Freibad geht’s zum Abäppeln auf den Sandplatz. Der tägliche Ausflug hoch zu Roß ist der schönste Lohn.

Grundschul-Abschlusszeugnis für Joelle Tebbe, hier mit Klassenlehrerin Angela Kossack. Quelle: Uwe Klemens

Auf die Prinz-von-Homburg-Schule aufmerksam wurde Joelle vor vier Jahren bei einem Reitertag in Neustadt, wo die Schule einen Info-Stand hatte. „Seither hat sie das Ziel, nach der Grundschule dorthin zu gehen, nicht aus den Augen verloren und sich auf die Aufnahme-Prüfung vorbereitet“, erzählt Andreas Polzfuss. Und die hatte es in sich. Denn die Bewerber für die 700 Pferdenarren zählende Schule kommen aus ganz Deutschland und Europa. Einen Prüfungstag lang musste Joelle nicht nur beweisen, was sie schulisch so drauf hat, sondern auch ihre theoretischen und praktischen Kenntnisse zum Thema Pferd und natürlich ihr reiterliches Können unter Beweis stellen. Als die Zusage endlich kam, war Joelle das glücklichste Mädchen unterm Pferdehimmel.

Zeit für die tierische Familie daheim

Das Ende der Ferien und den Einzug ins Internat kann sie kaum erwarten. In zwei Jahren, wenn sie sich eingelebt hat, darf auch ihr Pferd mit nach Neustadt. Und im nächsten Jahr kommt ja vielleicht schon die Schwester an die Dosse. Zeit zum Kuscheln mit den vier Pferden, drei Hunden und vier Katzen daheim, bleibt am Wochenende.

Von Uwe Klemens