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Teltow-Fläming Die letzten 16 Boulevard-Linden werden gefällt
Lokales Teltow-Fläming Die letzten 16 Boulevard-Linden werden gefällt
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16:05 21.02.2018
Die noch verbliebenen Lindenbäume auf dem Boulevard. Quelle: Elinor Wenke
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Luckenwalde

Die noch verbliebenen 16 Linden auf dem Luckenwalder Boulevard (zwischen Dahmer Straße und Parkstraße) sollen im Zuge der Sanierung ebenfalls gefällt werden. Eine Verpflanzung an eine andere Stelle wäre zwar grundsätzlich technisch möglich, die Stadtverwaltung hält den Aufwand aber wirtschaftlich nicht für vertretbar. Dieses Fazit zog die Stadt in einer Informationsvorlage, die am Dienstagabend im Stadtentwicklungsausschuss vorgestellt wurde.

Es war unter anderem eine Forderung aus dem Bürgerhaushalt und einer Bürgerinitiative, die stattlichen Lindenbäume nicht einfach abzuholzen, sondern zu verpflanzen, wenn sie schon nicht an Ort und Stelle verbleiben können. Die Stadt hatte daraufhin die Möglichkeit für eine Verpflanzung und die damit verbundenen Kosten vom renommierten Unternehmen Opitz aus Heideck prüfen lassen.

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Festwiese wäre bester Ersatzstandort

Nach Meinung der Experten lohnt sich eine Großbaumverpflanzung nur dann, wenn die Wege zum Ersatzstandort kurz und die Bäume vital sind und wenn die Bäume mit Großmaschinen aus- und wieder eingepflanzt werden können. Grundsätzlich schätzt Firma Opitz ein, dass die 16 Exemplare des zweiten Bauabschnittes verpflanzt werden könnten. Als bester Ersatzstandort erwiese sich die städtische Festwiese am Meisterweg. Andere untersuchte Standorte wie die Wiesen am Kirchhofsweg, am Woltersdorfer Kirchsteig oder das Gaswerksgelände erfüllen nicht die Anforderungen.

Doch die Kosten für die Verpflanzung inklusive einer dreijährigen Pflege liegen bei 83 000 Euro, mit weiteren 19 000 Euro für notwendige Suchschachtungen bei einer Gesamtsumme von 102 000 Euro. Demnach würde jeder verpflanzte Baum 6375 Euro kosten, jeder neu gepflanzte inklusive einer fünfjährigen Fertigstellungs- und Entwicklungspflege aber nur 1885 Euro. „Das Umpflanzen der 16 Linden wäre somit mehr als 70 000 Euro teurer als die geplante Neupflanzung“, erklärte Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide (SPD). Wie ursprünglich geplant werden deshalb bis Ende Februar 2018 weitere Bäume gefällt.

Das Vorhaben bleibt umstritten

Bei Ausschussmitgliedern und Bürgern warf das Vorhaben dennoch weitere Fragen auf. So war Einwohnerin Katrin Radde aufgefallen, dass bei der aktuellen Präsentation die Kosten pro Baum bei Neupflanzung geringer geworden sind als ursprünglich kalkuliert, die der Verpflanzung aber höher. „Wir hatten jetzt ein Gutachten beauftragt“, sagte Herzog-von der Heide, „vorher waren das Schätzungen Pi mal Daumen.“

„Warum sind 19 000 Euro teure Suchschachtungen notwendig? Nach dem Entfernen des Plattenbelags sieht man doch die Wurzeln“, wollte Fabien-Enrique Radde wissen. „Es geht dabei weniger um die Wurzeln als um die Leitungen, die man nicht beschädigen darf“, sagte die Bürgermeisterin. Für die zum Teil 100 Jahre alten Wasser-, Abwasser- oder Gasleitungen gebe es keine treffsicheren Bestandspläne.

Eindeutiger Stadtverordneten-Beschluss zur Baumfällung

Ausschussmitglied Christoph Guhlke (CDU) bemängelte, dass die Verwaltung in der Informationsvorlage bereits die Entscheidung über künftige Baum-Maßnahmen vorwegnimmt, obwohl noch kein Haushaltsentwurf 2018 vorliegt.

„Das ist ein Missverständnis“, sagte Planungsamtsleiter Peter Mann, „laut Stadtverordnetenbeschluss war schon immer klar, dass die Bäume im ersten Bauabschnitt gefällt werden. Es gab nie die Absicht, die Bestandsbäume in den ersten Bauabschnitt am Boulevard zu verpflanzen.“ Der Beschluss der Stadtverordneten beinhalte auch die Fällungen für den zweiten Bauabschnitt, ergänzte Herzog-von der Heide: „Das Verpflanzen wäre ein Abweichen, wir halten es wirtschaftlich für unvertretbar.“

Von Elinor Wenke

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