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Teltow-Fläming Die sieben Leben des Dieter Fahle
Lokales Teltow-Fläming Die sieben Leben des Dieter Fahle
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19:10 08.01.2014
Ludwigsfelde

Er sitzt gerade buchstäblich auf dem Trockenen und weiß nicht, wann er sein Segelschiff auf einer kleinen indonesischen Insel wieder flott bekommt. Dieter Fahle weiß nicht einmal, ob er je wieder segelt. Doch er weiß, dass viele in Ludwigsfelde ihn für verrückt halten.

Fest steht jedoch, dass Dieter Fahle probieren wird, was ihm möglich ist. Und er hat in seinen 67 Jahren viel probiert. Da war nicht nur das Judotraining, die Kunstglasbläserei oder sein unternehmerischer Ausflug mit dem ersten Nach-Wende-Geschäftshaus in Ludwigsfelde. Das sind auch seine Übungsleiter-Kopfstände damals, als neben vielen anderen Schülern die spätere Judo-Olympiasiegerin Yvonne Bönisch zum Training in die Schuhgeschäft-Baracke zwischen Autobahn und Straße der jungen Pioniere kam. Das sind Fahles Kinder- und Jugendjahre in Ludwigsfelde, „als wir natürlich jede Menge Blödsinn gemacht haben“. Das sind seine ersten Berufsjahre als Feinblechner und Triebwerksmechaniker im Hochsicherheitsbetrieb INL, der „Flugzeugwerft“. Er wurde rausgeworfen, was mit Westkontakt zu tun hatte. Aber das brachte ihn aufs Gelände der Akademie der Wissenschaften der DDR nach Adlershof, ins Zentralinstitut für organische Chemie. Fahle fertigt dort Glasteile, macht seinen Facharbeiter als Glasapparatebläser und wird Meister. Sein letztes Glasteil im Institut gehört zu einem Chromatographen zum Spalten von Stoffen, gefertigt für die Physikerin und spätere Bundeskanzlerin Angela Merkel, dann macht er sich selbstständig.

Mit solchen Geschichten geht es bei Dieter Fahle munter durch DDR- und Nachwende-Zeit, er interessiert sich, so scheint es, für alles. Hinter ihm liegen seine Jahre als Glasbläser mit eigener Werkstatt, in Ludwigsfelde riss man sich buchstäblich um seine farbigen Glasvasen und -figuren. Er bewirbt sich an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein, wird Kunstglasbläser. Parallel stirbt die DDR. Fahle gründet in der Region das Neue Forum mit, er lässt das Geschäftshaus Potsdamer Straße 109a als ersten Lückenbau der Stadt zwischen zwei Platten errichten und muss das Haus später zwangsversteigern lassen, weil Mieter nicht zahlen. Seine Popularität lockt die SPD-Genossen, sie nehmen ihn 1993 als Parteilosen auf ihre Kandidatenliste, Fahle ist bis 1998 Stadtverordneter. Dann beginnt die Geschichte seines Schiffes in Indonesien. Die kann er erzählen, weil er gerade wieder in Ludwigsfelde lebt; wie stets im Winter, „ich lasse doch mein Haus nicht einfrieren“.

In jungen Jahren war Dieter Fahle selbst Judoka, als Rettungsschwimmer an der Ostsee. Zweimal fuhr er auf der „Wilhelm Pieck“, dem Segelschulschiff der DDR, legte Prüfungen ab, wurde 1964 Instrukteur. Fahle erzählt: „Man möchte es nicht glauben – andere hatten zu tun, dass ihnen die DDR-Abschlüsse anerkannt wurden. Mit diesem Instrukteur von damals hatte ich in der Bundesrepublik plötzlich ein internationales Kapitänspatent. Ich hätte einen Flugzeugträger führen, nur selbst nicht kommerziell fahren dürfen.“

Damals an der Ostsee hatte er auch seine Frau kennengelernt, eine Drogistin. Die schenkte ihm ein Buch: „So lange sie noch segeln“ – ein Prachtband über alte, noch aktive Segelschiffe in aller Welt, zu DDR-Zeiten eine Rarität. Oft in ihren gemeinsamen Jahren schauen sich die Fahles das Buch an. Ein Traum wächst: Auf dem Schiff leben und alt werden. „Das Holzschiff Typ Pinisi aus dem Buch erschien uns am leichtesten beherrschbar für ein oder zwei Personen“, erzählt Dieter Fahle.

Irgendwann zur Jahrtausendwende sieht er auf einem dritten Fernsehprogramm eine Reportage über genau dieses Schiff. Er ruft beim Fernsehsender an und erfährt: Ein alter Judo-Freund hatte den Film gedreht. Fahle trifft ihn, dann fliegt er nach Indonesien, um sein Schiff in Auftrag zu geben bei Haji Bakri. Dem zahlt er 65.000 Dollar für den Rohbau. Die Kielbalken entstehen aus dem Eisenholz Bisi und Kandole, dem zweithärtesten Holz, Planken aus Kaju werden verschraubt; dazu zwei Masten, 250 Quadratemeter Segelfläche, ein 150-PS-Motor. Sein Lastensegler ist mehr als 20 Meter lang, hat zwei getrennte Lebensbereiche, einen für sich und seine Frau, einen für Gäste. Der Bau dauert Jahre, zu Haus stirbt seine Frau.
Fahle fügt sich in die neuen Lebensumstände am anderen Ende der Welt. Sein Schiff tauft er „Tokambang“, nach einem indonesischen Feldherrn. Der Ludwigsfelder segelt, lernt Land und Leute zwischen Papua und Singapur kennen. Er erzählt von den Problemen zwischen Australiern und Amerikanern rund um Ost-Timor, lernt Indonesisch und bewegt sich unbeschadet zwischen Kulturen und Religionen. Heimathafen seines Schiffes ist Makassar, eine Stadt mit 1,2 Millionen Einwohnern. Im Januar 2013 wirft eine Tsunami-Welle, vor einer kleinen Insel ihn und einen seiner beiden Gefährten 80 Meter weit auf Land. Leise erzählt er: „Den anderen suchen sie heute noch, er war nicht eingehakt wie wir.“

INL, Akademie der Wissenschaften, Judotrainer, Glasbläser, Kommunalpolitiker, Unternehmer, Segler – sieben große Lebensabschnitte hat Dieter Fahle hinter sich. Sein Schiff wird wieder flott, das weiß er. Doch wann es wieder ins Fahrwasser kommt, ob er selbst es schafft und es sich wieder zutraut, zwischen indonesischen Inseln, zwischen Indischem und Pazifischem Ozean zu segeln, das weiß er im Moment nicht. „Ich werd’ sehen“, sagt er.

Von Jutta Abromeit

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