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Teltow-Fläming Diskussion in leerem Saal
Lokales Teltow-Fläming Diskussion in leerem Saal
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21:03 28.01.2014
Bei Zugdurchfahrten ist der schraffierte Bereich zum Warten tabu. Viele ICE kommen oft ohne Durchsage mit 200 Kilometer pro Stunde durch den Jüterboger Bahnhof. Quelle: Kathrin Burghardt
Jüterbog

Damit hat die Bundespolizei nicht gerechnet: Kaum ein Stuhl im großen Saal im Kulturquartier ist belegt. Nur drei Gäste sind da. Die Polizei hatte am Montag die Jüterboger zu einem Infoabend eingeladen. Die Beamten wollten sich Bürgerfragen rund um das Thema Sicherheit am Jüterboger Bahnhof stellen. Doch bis auf drei Bürger, darunter Jüterbogs ehemaliger Bahnhofsleiter Hermann Thieme, war niemand gekommen. Auch kein Stadtverordneter ließ sich blicken - obwohl sich der Wirtschafts- und Sozialausschuss kürzlich mit dem Thema befassten. Die aus Berlin gekommenen Polizeibeamten waren enttäuscht.

Elke Lachmann, Christiane Wilken und Frank Naster (v.l.n.r.) von der Polizei sind enttäuscht über das geringe Besucherinteresse. Quelle: Kathrin Burghardt

„In jüngster Zeit ereigneten sich in Berlin und Brandenburg viele Unglücksfälle an Bahnhöfen“, sagte Elke Lachmann, Bundespolizistin und zuständig für Präventionsarbeit. „Auch in Jüterbog kam es zu mehreren Vorfällen. Vor allem den Umgang mit den Jugendlichen, die den Bahnhof als Treffpunkt nutzen, wollten wir gemeinsam mit den Bürgern und Stadtverordneten besprechen“, sagte sie. Zudem seien viele Berufspendler aus Sicht der Polizei oft unsicher, wie man sich richtig beim Warten am Bahnsteig verhält. „Die ICE-Züge, die mit 200 Stundenkilometer durch den Bahnhofsbereich fahren, sind auch in Jüterbog mehrfach kritisiert worden“, sagte sie weiter. Die Beamten hatten schon allein deswegen mit mehr Bürgerinteresse gerechnet.

Schutzzäune am Bahnhof

Auch das Thema Schutzzäune für den Jüterboger Bahnhof wurde diskutiert. Die Zäune sind erst ab Zugdurchfahrten ab 200 Kilometer pro Stunde gesetzlich vorgeschrieben. In Jüterbog fahren die ICE jedoch maximal 200Kilometer pro Stunde. Der schraffierte Bereich von 1,50 Meter Breite ist laut Bundeseisenbahngesetz als Schutzabstand ausreichend. Sind dennoch Schutzzäune gewünscht, muss diese die Stadt zahlen. 100 Meter Schutzzaun kosten rund 10000 Euro.

Zum jüngsten Unglücksfall am Jüterboger Bahnhof, bei dem im November 2013 eine Frau starb, ermittelt die Polizei noch immer. Ein Suizid wird nicht ausgeschlossen.

Diskutiert wurde dennoch, wenn auch im sehr kleinen Kreis. Die Polizisten nahmen zahlreiche Hinweise der drei Besucher entgegen. So wurde der Engpass auf dem Bahnsteig Zwei kritisiert, der zwischen Fahrkartenautomat und Bahnhofshalle liegt. „Dort ist man oft gezwungen neben den Treppen über den schraffierten Bereich zu gehen, den man aus Sicherheitsgründen eigentlich nicht betreten sollte“, mahnte ein Besucher an.

Fotos: MAZonline

Der 1,50 Meter breite, schraffierte Bereich soll Zugreisende vor der gefährlichen Sogwirkung durchfahrender Schnellzüge schützen. Auch die oft fehlenden Durchsagen wurden kritisert, genau wie fehlendes Aufsichtspersonal am Bahnhof. „Wir leiten noch in dieser Woche alle Anregungen, Hinweise und Kritikpunkte an Vertreter der Bahn weiter“, versprach Polizeibeamter Frank Naster. Seine Kollegin demonstrierte in einem Experiment, wie man mit zwei Blatt Papier die Sogwirkung von Zügen veranschaulichen kann. „Das ist besonders gut geeignet, um Kindern zu verdeutlichen, warum man nicht so dicht an der Bahnsteigkante stehen darf“, erklärte sie, und pustete von oben in den Zwischenraum zweier senkrecht gehaltener Blatt Papier. Umgehend klebten die förmlich aneinander. „An einem Bahnsteig könnte das ein Kinderwagen und ein ICE sein“, sagte sie.

Die Bundespolizei hat in Jüterbog seit März 2013 mehrere Schulklassen besucht, um Schüler aufzuklären. „Unsere wichtigste Botschaft ist dabei, dass ein Bahnhof kein Abenteuerspielplatz ist“, sagte Elke Lachmann. Die Präventionsarbeit soll noch langfristig und regelmäßig an den Schulen und Kitas, fortgesetzt werden.

Von Kathrin Burghardt

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