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Teltow-Fläming Klassentreffen nach 70 Jahren
Lokales Teltow-Fläming Klassentreffen nach 70 Jahren
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18:06 10.05.2019
Jürgen Hildebrandt ist der Initiator des jährlichen Jahrgangstreffens und lässt im Schmied zu Jüterbog sein Akkordeon erklingen.
Jürgen Hildebrandt ist der Initiator des jährlichen Jahrgangstreffens und lässt im Schmied zu Jüterbog sein Akkordeon erklingen. Quelle: Uwe Klemens
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Jüterbog

„Es war eine wunderbare Zeit“, blickt Sabine Mönnich auf „damals“ zurück. 70 Jahre liegt dieses „damals“ zurück, als sie und weitere 21 Mitschüler zum Probesitzen auf der Schulbank in Altes Lager Platz nahmen. Seit zehn Jahren zwängen sich die Mitschüler von damals jährlich einmal wieder auf Wirtshausbänken zusammen, um der Erinnerung zu frönen. Am Freitag kamen sie erneut zusammen.

Zuckertüten ohne Naschzeug

Nach heutigem Maßstab fielen die Zuckertüten des Jahres 1949 spartanisch aus. „Äpfel und Holzbleistifte waren in meiner“, erinnert sich Mönnich. „Und viel Knüllpapier, damit’s nach was aussah“, ergänzt Jürgen Hildbrandt, der die jährlichen Wiedersehen organisiert. Gar kein Schultüte bekommen hat Jutta Lenck, deren Vater noch in der Kriegsgefangenschaft war, weshalb das Geld nicht mal dafür reichte. „Aber ich hab’s nicht vermisst und wie Schokolade schmeckte, wussten wir damals ja noch gar nicht“, blickt Lenck zurück.

Besuch bei Lehrerin Grete Repert von ihren einstigen Schülern. Quelle: Gertraud Behrendt

Umso süßer sind die Erinnerungen an die Schulzeit und an Lieblingslehrerin Frollein Bergau, die heute Repert heißt und seit 2009 bei jedem Klassentreffen mit dabei ist. Auch diesmal wurde in der Gaststätte „Esslust“, nur wenige Meter von der damaligen Schule entfernt, die alte Lehrerin begrüßt, die als blutjunge Neulehrerin ab Klasse 2 die Schüler übernahm.

Poetische Liebesbriefe

„Das süßeste, an das ich mich erinnere, waren die poetischen Liebesbriefe von den Jungs, die immer mit der Frage endeten ’Willst Du mit mir gehn?’“, blickt Mönnich lachend zurück. „Einen davon habe auch ich Dir damals geschrieben“, erinnert sich Hildebrandt. „Irgendwann kamen dann andere Männer und haben uns Frauen entführt“, erzählt Ingeborg Schneider. Nur zwei Mitschüler von einst leben noch heute in Altes Lager, sind bei den Treffen aber nicht mit dabei. Aus Weinböhla, Lychen und Berlin waren die vier Ehemaligen und ihre Partner, die der harte Kern der Klassentreffen sind, diesmal angereist.

Um sich fürs Programm zu stärken, war die Gaststätte „Schmied“ der erste Anlaufpunkt. Danach half Henrik Schulze mit einer Führung durch Jüterbog II, Neues und Altes Lager dem historischen Gedächtnis auf die Sprünge.

Konfekt und die erste Apfelsine

Nach dem Essen griff Jürgen Hildebrandt zum Akkordeon, das Spielen gelernt hat er während der Schulzeit. Fast die gesamte Klasse gehörte damals zum Schulorchester. Auftritte gab es bei vielen Gelegenheiten. An den Bunten Teller, den sie nach einem Auftritt im sowjetischen Offizierskasino bekamen, erinnern sie sich noch immer. Auf dem lag all das, was in der Zuckertüte fehlte. „Schokolade, Russisches Konfekt und sogar eine Apfelsine, die wir das erste Mal zu sehen bekamen“, erinnert sich Hildebrandt. Der Musik hielt er als einziger aus der Truppe ein Leben lang die Treue.

Von Gertraud Behrendt und Uwe Klemens