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Teltow-Fläming Ein Blumenladen unter der Eisenbahn
Lokales Teltow-Fläming Ein Blumenladen unter der Eisenbahn
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18:51 24.08.2014
Der Frankfurter Oliver Bock (l.) und der Ludwigsfelder Steffen Schade arbeiten an ihrem Auftragswerk unter der Bahn. Dort ist das Bild eines Blumenladens entstanden. Quelle: Jutta Abromeit
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Ludwigsfelde–

Der Graffiti-Künstler Steffen Schade wohnt in der Stadt und verdient seine Brötchen als angestellter Maler. Der 31-jährige Hobby-Sprayer hatte seinen 23 Jahre alten Partner vor Jahren bei einem der ersten Graffiti-Open-Air in Ludwigsfelde kennen gelernt. Inzwischen bekommen sie Aufträge von der Stadt, gestalteten zum Beispiel die Skateanlage im künftigen Zentrum. Und jetzt bekamen sie Material und den Freiraum, die 200 Quadratmeter große Fläche am Rad- und Fußweg der Bahnunterführung zu gestalten. Ursprünglich wollten sie dort eine Blumenwiese an den grauen Beton zaubern. Doch das gefiel Baubereichsleiter Torsten Klaehn nur bedingt, zu oft finde sich solch ein Motiv bereits an Trafohäuschen. Mit dem jetzigen Kompromiss können alle Beteiligten leben.

40 Graffiti-Sprayer haben am Wochenende in Ludwigsfelde ihre Kunst präsentiert. Beim inzwischen sechsten Graffiti-Open-Air wurden insgesamt 40 Autobahnsäulen und eine Wand an der Eisenbahnunterführung besprüht.

Rekord-Teilnehmerzahl - Festival ist weltbekannt

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Diese Arbeit ist das Besondere am Ludwigsfelder Graffiti-Open-Air 2014. Mit 40 Künstlern hatte sich eine neue Rekord-Teilnehmerzahl angemeldet. Dieses Event unter der Autobahn mit Live-Musik und hunderten Gästen bis weit in die Nacht hinein zieht auch dank des Internets immer weitere Kreise. „Sogar aus Irland wollte jemand kommen“, erzählt Marion Krawielicki, neben Klaehn eine der beiden Initiatoren dieses Events. Und tatsächlich scheint sich Ludwigsfelde damit gerade einen Namen als Szene-Hochburg zu erarbeiten. So kam aus Halle/Saale erstmals das Sprüher-Trio Capheads. Die jungen Männer nennen sich Robe, Bisk und Kasimir und gestalteten gemeinsam eine der 40 Autobahnsäulen. Sie sind begeistert von dem Wochenende mit Scheinwerferlicht und Livemusik. „Das gibt es sonst nirgends. Die Musik dazu– das beflügelt die Fantasie“, erklären sie. Einen Namen für ihr Werk haben sie übrigens noch nicht: „Ein Titel liegt doch immer im Auge des Betrachters, oder?“
Ein anderer Künstler arbeitet genau zwischen den Säulen– Roger Berndt gestaltet eine Fahrzeugkarosse. Der 34 Jahre alte Berliner ist teils selbstständig, teils geht er einem Job nach. Er ist aufs Gestalten von Fahrzeugen eines bestimmten Herstellers spezialisiert. In Ludwigsfelde arbeitet er mit leuchtend gelben, orangefarbenen und grünen Tönen.

Aus Ärgernis entstanden

Das Graffiti-Open-Air war 2009 aus einem Ärgernis heraus entstanden: Laufend wurden die überdimensionalen Säulen besprüht, auch mit Zeichen der rechten Szene. Das Beseitigen war teuer, ebnete der Stadt Ludwigsfelde aber letztlich den Weg, diese innerstädtischen Flächen, die dem Bund als Autobahnbetreiber gehören, zu legalen Sprühflächen erklären zu können. Heute gehören ehemalige Hobby-Sprayer auch aus Ludwigsfelde zu den gefragten Leuten der Szene und müssen bezahlt werden. Deshalb kostet es jetzt mehr als 50.000 Euro, die Fläche zwischen den beiden Kreisverkehren in Bahnhofsnähe zu gestalten. Auf dem jetzt reparierten Beton entsteht nun der Blumenladen. Oliver Bock und Steffen Schade arbeiten zwischen den Regenschauern zügig. „Noch geht’s. Wenn die Wand nass ist, müssen wir aufhören, sonst hält die Farbe nicht“, erklärt Bock.

Von Jutta Abromeit

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