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Teltow-Fläming Ein Eigenheim für Fledermäuse
Lokales Teltow-Fläming Ein Eigenheim für Fledermäuse
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11:16 04.04.2014
Fledermäuse stehen in ganz Europa unter Schutz.
Fledermäuse stehen in ganz Europa unter Schutz. Quelle: dpa
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Dahlewitz

Wer noch einen Blick auf das Dahlewitzer Bahnhofsgebäude werfen will, muss sich beeilen. Mitte April rücken die Abrissbagger an. Seit Mitte der 90er Jahre steht der Backsteinbau leer. Menschen haben sich nur noch selten in das Innere verirrt, dafür war der Keller des Bahnhofgebäudes ein beliebtes Quartier für braune Langohren. Vertreter dieser Fledermausart, deren Ohren fast so groß sind wie ihr Körper, verbrachten dort ihren Winterschlaf.

Ab sofort haben die Langohren eine neue Adresse am Fuß des Bahndamms. In diesen Tagen legen Bauarbeiter am neuen Fledermausbunker letzte Hand an. Es fehlt nur noch die Stahltür. Das Quartier ist 24Quadratmeter groß und besteht aus Beton. Die Decke ist aus grobkörnigen Steinen, in denen sich die Tiere verstecken können. Der Boden ist mit einer Lehmschicht bedeckt, denn Fledermäuse mögen es feucht. Rund 110.000 Euro hat der Bunker gekostet. Eine Menge Geld, findet Michael Bung, der Projektleiter für die Berlin-Dresdener-Bahn. Weil der Bunker in Deutschland eine Besonderheit ist, ist er auch teuer. "Bei Sonderbauwerken gelten andere Marktpreise", sagt Bung. Doch der Bahn blieb nichts anderes übrig, als den Bunker zu bauen. Er ist im Planfeststellungsbeschluss als Ausgleich für das Bahnhofsgebäude vorgesehen.

Ob die Fledermäuse ihn auch annehmen, sei allerdings nicht klar. "Wir hoffen, dass die Investition Früchte trägt", sagt Bung, es geht immerhin um eine Menge Steuergeld. Achim Sommer, Artenschutz-Experte bei der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises, ist überzeugt, dass eines Tages Fledermäuse in dem Bunker ihr Winterquartier finden. Schließlich haben sie dort ideale Bedingungen. Den technischen und finanziellen Aufwand hält der Artenschützer für gerechtfertigt. "Die Tiere sind stark bedroht", sagt Sommer. Weil der Mensch den kleinen Insektenfressern immer mehr Lebensraum wegnimmt, stehen sie europaweit unter Schutz. Heutige Gebäude haben oft keine feuchten Keller mit Spalten zwischen den Mauersteinen mehr. Wenn ein Fledermausquartier abgerissen wird, müsse man Ersatz in unmittelbarer Nähe schaffen. Seine Behörde werde regelmäßig kontrollieren, ob die Tiere den Bunker annehmen.

Geplanter Bauablauf

  • Beim Ausbau der Berlin-Dresdener Bahntrasse wird der Übergang in Dahlewitz beseitigt. Ab 2018 sollen die Züge mit Tempo 200 durchfahren.
  • In diesem Jahr reißt die Bahn das Bahnhofsgebäude und den Güterschuppen ab.
  • Bis Ende Juni soll die Buswendeschleife auf Höhe des Güterschuppens fertig sein.
  • Zwischen Bürgerhaus und Bahndamm entsteht ein Regenwasserbecken.
  • Der Trog (die Sohle des Tunnels) wird noch in diesem Jahr gebaut. Dazu werden Hilfsbrücken eingesetzt.
  • Der östliche Bahnsteig wird bis Ende Juni in Richtung Süden verlängert. Anschließend wird der westliche Bahnsteig gesperrt.
  • Vom 10. bis 14. Juni ist der Bahnübergang für den Autoverkehr voll gesperrt. Nur Fußgänger und Radfahrer können dann passieren.
  • 2016 soll der Tunnel fertig sein.

Für Bauleiter Stephan Frisch von der Firma Königbau war der Fledermausbunker eine bislang einmalige Sache. "So was baut man nicht alle Tage", sagt er. Deswegen und wegen der komplizierten Fällung der Bahnhofseiche werde ihm Dahlewitz lange in Erinnerung bleiben. Derzeit erledigt das aus Sachsen stammende Bauunternehmen die letzten Arbeiten, bis es dann in einigen Wochen mit dem Bau des Tunnels unter der Bahnstrecke losgeht.

Bei einer Einwohnerversammlung gab es kürzlich Kritik am derzeit gesperrten Gehweg des Bahnübergangs. Vor allem die Schüler der Herbert-Tschäpe-Schule nutzen lieber die Straße als auf den gegenüberliegenden Gehweg zu wechseln und kommen sich mit den Autos in die Quere. "Das ist sehr gefährlich, da muss sich was tun", sagt Ortsvorsteher Peter Rink (CDU). Ein Tempolimit auf 20 Kilometer in der Stunde oder eine Baustellenampel sollen die Situation dort entschärfen. Die Bahn hatte den Dahlewitzern zugesagt, die Vorschläge zu prüfen.

Von Christian Zielke

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