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Teltow-Fläming „Einmaliges Forschungsergebnis“
Lokales Teltow-Fläming „Einmaliges Forschungsergebnis“
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01:23 19.06.2014
Landrätin Kornelia Wehlan und Chronist Herbert Fiedler unterzeichnen den Übergabevertrag über sein Archiv. Dahinter verfolgen Fördervereinsvorsitzender Harald-Albert Swik, Kreis-Archivleiterin Karin Grzegorzewski und Schriftsteller Urs Faes (v.l.) den Akt. Quelle: Hartmut F. Reck
Luckenwalde

Sie wollten aber auch einen Mann ehren, ohne dessen langjährigen Bemühungen, die Geschichte der Hachschara-Stätte nie so bekannt geworden wäre, und ohne den dieser Roman nie hätte entstehen können: Herbert Fiedler.

Der 88-jährige Luckenwalder hatte mit seiner inzwischen verstorbenen Frau Ruth über 25 Jahre lang den Kontakt zu ehemaligen Teilnehmern dieses jüdischen Vorbereitungslagers für Palästina aufgebaut, gepflegt und deren Lebensgeschichte notiert. Sie waren als Jugendliche nach Ahrensdorf gekommen, wo sie in dem ehemaligen Jagdschloss in landwirtschaftlichen Fertigkeiten, in jüdischer Religion, Geschichte und Sprache unterrichtet wurden. Genau das bildet die Kulisse für den Roman „Sommer in Brandenburg“, der die Geschichte einer Jugendliebe vor dem Hintergrund der heraufziehenden Gefahr erzählt.

Das Fiedler-Archiv

10 Meter breit ist der Aktenbestand des Hachschara-Archivs der Familie Fiedler.

1000 Fotos ehemaliger Ahrensdorfer von 1936 bis 1941 und von denen, die dem Holocaust entkommen sind oder ihn überlebt haben, gehören dazu.

1500 Briefe ehemaliger Ahrensdorfer an Familie Fiedler sind darunter.

100 Film- und Tonaufnahmen von Zeitzeugeninterviews, Ausstellungseröffnungen, Treffen und Veranstaltungen.

Weiterhin gehören Biographien, Lebensbilder, persönliche Berichte von ehemaligen Ahrensdorfern, Bücher, Broschüren, Forschungsberichte und Vereinsunterlagen dazu.

Aus der Forschungsarbeit der Familie Fiedler entstand ein zehn Meter breiter Aktenberg, der zunächst im brandenburgischen Landesarchiv verwahrt wurde, dann aber wieder nach Luckenwalde zurückkehrte und nun in die Obhut des Kreisarchivs Teltow-Fläming übergegangen ist. Mit einem Übergabevertrag wurde dieser Akt am Dienstagabend besiegelt.
„Mit dem Forschungsarchiv der Familie Fiedler übernehmen wir einen Schatz von überregionaler Bedeutung“, sagte Landrätin Kornelia Wehlan (Die Linke), „an dem auch andere Einrichtungen großes Interesse hätten.“ Dazu zählte sie unter anderen die Jüdischen Museen in Berlin und Frankfurt am Main, das Centrum Judaicum der Stiftung Neue Synagoge Berlin, die Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem und das United States Holocaust Memorial Museum in Washington, D.C. auf.

Die vorhandenen Exemplare des Romans waren schnell ausverkauft. Quelle: Hartmut F. Reck

Insofern braucht Herbert Fiedler nicht bescheiden zu sein. Er sprach von einem „einmaligen Forschungsergebnis“ und: „So was gibt es nirgendwo anders in Deutschland.“ Mit den Akten, die natürlich schon längst in Kellerräumen des Luckenwalder Kreishauses lagern, übergab er der Landrätin und ihrer Archivleiterin Karin Grzegorzewski eine Urkunde, die bezeugt, dass Ruth und Herbert Fiedler ins Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds eingetragen wurden. Dies hatten zehn Auschwitz-Überlebende initiiert, die vor ihrer Deportation die Hachschara in Ahrensdorf besuchten, „in Anerkennung Eurer großartigen Arbeit“, wie es in der Urkunde heißt.

Nach der Unterzeichnung des Übergabevertrags las Urs Faes aus seinem neuen Roman. Die Lesung wurde moderiert von Harald-Albert Swik, der zugleich Vorsitzender des Fördervereins für die Luckenwalder Stadtbibliothek und des Hachschara-Fördervereins ist. Als solcher ist er natürlich bestens über das damalige Geschehen in Ahrensdorf informiert. Dennoch zeigte sich Swik begeistert, „wie bei der Lektüre Ihres Romans das Leben dort in Ahrensdorf mit einem Mal erlebbar, ja geradezu greifbar wird“. Wie Faes das geschafft hat? „Die zentralen Gestalten in der Geschichte sind für mich die Menschen,“ meinte der promovierte Historiker. Und hier in Ahrensdorf bei Trebbin, in der heutigen Gemeinde Nuthe-Urstromtal, fänden sich ganz normale Jugendliche wieder, so Faes, „die durch die historische Konstellation aus ihrem gewohnten Leben herauskatapultiert wurden“. Sie müssen sich aus Selbstschutz mit Dingen auseinandersetzen, die sie eigentlich nicht gewollt haben: Ackerbau, Hebräisch, jüdische Gebräuche, welche sie zu Hause oft gar nicht mehr gepflegt haben. Und sie müssen sich in einer immer gefährlicher werdenden Umgebung eine neue Identität schaffen, erläuterte Urs Faes zwischen einzelnen Kapiteln, aus denen er auszugsweise vorlas.

Bemerkenswert auch, wie liebevoll der Mann aus der Schweiz die Schönheiten der hiesigen Landschaft beschreibt, die an den beiden liebenden Teenagern während einer Radtour über Hennickendorf, Dobbrikow. Rieben und Zauchwitz vorbeirauscht. 

Die junge Frau kann danach ausreisen, er schlägt diese Möglichkeit in Sorge um seine Familie aus und zahlt dafür mit seinem Leben.

Die vorhandenen Bücher des Romans war nach der Lesung schnell ausverkauft. Wer noch ein Exemplar abbekam, erhielt die Signatur des Autors gratis.

Von Hartmut F. Reck

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