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Teltow-Fläming Erfolgreiches Berufspraktikum
Lokales Teltow-Fläming Erfolgreiches Berufspraktikum
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00:30 13.04.2018
Samira Abdoli Kolory (M.) mit ihrer Ausbilderin Andra Götze und Geschäftsführer Maik Liesigk. Quelle: Uwe Klemens
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Langenlipsdorf

„Die Heimat zu verlassen und damit alles aufzugeben, ist sehr schwer, aber die politischen Verhältnisse in meiner Heimat Iran ließen uns keine andere Wahl“, sagt Samira Abdoli Kolory. Eineinhalb Jahre ist es her, dass die heute 28-Jährige zusammen mit ihrem Ehemann Meysam die iranische Stadt Rasht verließ, um irgendwo in Europa unter demokratischen Verhältnissen zu leben. Dass es Deutschland wurde, haben sie sich nicht selbst ausgesucht, sondern lag an den Kontakten des Fluchthelfers.

Die Gruppenunterkunft im Jüterboger Flüchtlingsheim ist seither ihr Zuhause. Eine eigene Wohnung beziehen dürfen sie erst mit einem Aufenthaltstitel. Um den zu bekommen, muss mindest einer von ihnen eine feste Arbeitsstelle nachweisen.

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Studium in Deutschland nicht anerkannt

Dass ihr erfolgreich absolviertes Bauingenieurstudium in Deutschland ebenso wenig anerkannt wird, wie ihr Führerschein, ist für die junge Frau zwar bitter, lässt sie aber nicht verzagen. Im Gegenteil. Das Umschulungs-Semester an der Cottbuser BTU liegt inzwischen hinter ihr. Bevor sie das begehrte Zertifikat als Bürofachkraft erhalten kann, ist ein dreimonatiges Praktikum Pflicht. Mit Unterstützung der Jüterboger Flüchtlingshilfe nahm Samira Abdoli Kolory Kontakt zur Langenlipsdorfer Fläming-Bau GmbH auf, wo man nicht nur von der freundlichen Ausstrahlung der jungen Iranerin, sondern auch von ihren Fachkenntnissen als Buchhalterin und ihren Sprachfähigkeiten beeindruckt war. „Ich war schon immer sehr ehrgeizig“, sagt die Migrantin über sich, „früher in meiner Heimat und auch beim sechsmonatigen Deutschkurs.“

Der erste Eindruck hat nicht getäuscht

Dass der Azubi-Platz im Fläming-Bau-Büro gerade frei geworden war, war ein glücklicher Umstand. „Schon beim Vorstellungsgespräch hat Samira auf uns einen sehr guten Eindruck gemacht, so dass wir nicht lange überlegen mussten, ob wir sie als Praktikantin nehmen“, sagt Buchhalterin Andrea Götze, die sich im Unternehmen auch um die Organisation der Lehrlingsausbildung kümmert. „Und der Eindruck hat uns nicht getäuscht. Das Einarbeiten hat fast reibungslos geklappt. Wo Samira etwas nicht weiß, fragt sie nach, bis sie es verstanden hat“, berichtet Götze weiter, „inzwischen kann sie vieles selbstständig erledigen, so dass wir die Absicht haben, ihr nach dem Praktikum eine dreijährige Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement anzubieten.“ Zudem, so Götze, habe sie ihrerseits inzwischen viel über Iran gelernt und sich sogar einige Floskeln Persisch eingeprägt. Das Duzen im Büro ist ein weiteres Indiz für das gute Miteinander.

Schwierigkeiten vom Amt

Wenn Geschäftsführer Maik Liesigk an das schwierige Prozedere denkt, um das Praktikum genehmigt zu bekommen, muss er noch immer mit dem Kopf schütteln. „Hätten wir die erste amtliche Absage einfach so hingenommen, säße Samira heute nicht hier. Die Behörden haben es uns wirklich nicht leicht gemacht, auch für Flüchtlinge offen zu sein. Dass es jetzt so gut läuft ist eine schöne Bestätigung“, sagt Liesigk. Hauptknackpunkte waren der Versicherungsschutz und das Thema Mindestlohn. Das in Deutschland gar nicht anerkannte Studium galt plötzlich als Hinderungsgrund für ein Praktikum, das plötzlich den Geruch von Schwarzarbeit bekam.

Die Praktikantin ist mit ihrer Zeit in Langenlipsdorf rundum zufrieden. „Alle sind nett und geduldig“, sagt sie, „die deutschen Bauvorschriften und das Steuerrecht sind deutlich schwerer als im Iran, aber genauer. Ich habe viel gelernt.“

Von Uwe Klemens

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