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Teltow-Fläming Erinnerungen an eine denkwürdige Zeit
Lokales Teltow-Fläming Erinnerungen an eine denkwürdige Zeit
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19:23 12.10.2014
Im Bücherstall Wünsdorf sprach Walter Momper davon, wie er den Wendeherbst 1989 erlebte.
Im Bücherstall Wünsdorf sprach Walter Momper davon, wie er den Wendeherbst 1989 erlebte. Quelle: Gudrun Ott
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Wünsdorf

In lockerem Plauderton hat er am Sonnabend im Bücherstall Wünsdorf erzählt, wie er die Wendezeit in der heutigen Hauptstadt erlebt hat. Der Förderverein der Bücherstadt hatte den 1945 geborenen SPD-Politiker eingeladen, um sein neues Buch „Berlin, nun freue dich!“ vorzustellen.

Urlaubssperre an einem denkwürdigen Tag

Unter anderem schreibt er darüber, wie er den 9. November erlebte. Jenen denkwürdigen Tag, an dem die DDR ihren Bürgern Reisefreiheit zugestand. Er habe sich Sorgen über eine mögliche Besucherwelle gemacht, die West-Berlin zu überrollen drohte. „Ich rechnete mit bis zu einer Million Menschen und verhängte vorsorglich eine Urlaubssperre für alle höheren Beamten“, sagt der Sozialdemokrat.

Glücklichstes Land - "das sind wir immer noch"

Der erste Grenzübergang, der öffnete, war der an der Bornholmer Straße. „Wahnsinn“, erinnert sich Momper noch an das erste Wort, das einem DDR-Bürger beim Grenzübergang über die Lippen kam. „In dieser Nacht waren wir Deutschen das glücklichste Volk der Welt“, sagt der Mann, der damals stets einen roten Schal trug, und fügt mit einem leisen Lächeln hinzu: „Und wir sind es trotz aller Probleme immer noch.“

Am vierten Tag der Grenzöffnung ging der Landeszentralbank das Geld aus. Sieben Tonnen Nachschub wurden mit einer amerikanischen Militärmaschine aus Frankfurt eingeflogen. „Neben dem Geldverteilproblem haben wir überlegt, wie transportieren wir die Menschen. Ich habe über die Medien gebeten, bitte kommen Sie mit S-und U-Bahnen.“

Reisegesetzentwurf im Mülleimer

Bereits am 29. Oktober hatte Günter Schabowski, Mitglied des Politbüros der DDR, im Beisein von Momper sehr offen über die wirtschaftliche Misere im Land gesprochen. Ein moderner Staat sei ohne Reisefreiheit nicht denkbar, habe Schabowski noch gesagt und auf einen neuen Reisegesetzentwurf hingewiesen. Dabei habe aber keiner an eine Grenzöffnung gedacht. Schließlich hatte die DDR immer wieder von Reisegesetzentwürfen gesprochen, diese seien aber immer wieder im Papierkorb der Volkskammer gelandet, vermutet Momper.

DDR-Bürger in Schulhallen untergebracht

Bereits im Sommer 1989 nutzten erste DDR-Bürger die Möglichkeit zur Flucht. Als dann am 11. September die Grenze zwischen Ungarn und Österreich endgültig geöffnet wurde, kamen täglich 2000 Menschen nach West-Berlin. „Das war ein Problem für die Stadt“, so Momper. „Wir hatten über 100 Turnhallen von Schulen beschlagnahmt, dort wurden die Menschen untergebracht.“

Von Gudrun Ott

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