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Teltow-Fläming Fahrraddiebstahl in Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming: Königs Wusterhausen und Ludwigsfelde sind Klau-Hotspots
Lokales Teltow-Fläming

Fahrraddiebstahl in Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming: Königs Wusterhausen und Ludwigsfelde sind Klau-Hotspots

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13:04 31.10.2021
El Dorado für Fahrraddiebe: Im Freien abgestellte Zweiräder am Bahnhof in Königs Wusterhausen – dem Rad-Klau-Hotspot in Dahme-Spreewald.
El Dorado für Fahrraddiebe: Im Freien abgestellte Zweiräder am Bahnhof in Königs Wusterhausen – dem Rad-Klau-Hotspot in Dahme-Spreewald. Quelle: Frank Pawlowski
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Königs Wusterhausen

Die Gemeinden im Norden der beiden Landkreise Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming mit direkten Zugverbindungen nach Berlin stehen im Fokus von Fahrraddieben.

Aktuelle Zahlen der Polizei zeigen, dass die registrierten Fahrraddiebstähle in Dahme-Spreewald in den S-Bahn-Gemeinden Schönefeld, Eichwalde, Zeuthen, Wildau und Königs Wusterhausen den Großteil der im Landkreis gestohlenen Räder ausmachen. So wurden in Dahme-Spreewald 2020 genau 706 Räder geklaut – davon allein 556 in den fünf Gemeinden in der Hauptstadtregion, wie die Polizei auf MAZ-Anfrage mitteilt. Dabei ist Königs Wusterhausen mit 306 gestohlenen Zweirädern negativer Spitzenreiter.

Werden auch in Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald gerne geklaut: Hochwertige Fahrräder. Quelle: Andreas Gebert/dpa

Zahl der Raddiebstähle insgesamt gesunken – wegen Corona

Auch in Teltow-Fläming haben Fahrraddiebe 2020 vor allem im nördlichen Teil des Landkreises zugeschlagen. Von insgesamt 10.059 Drahtesel-Diebstählen im vergangenen Jahr entfallen 6.499 auf die Gemeinden Blankenfelde-Mahlow, Ludwigsfelde, Rangsdorf, Trebbin, Zossen und Wünsdorf. Klau-Hotspot in Teltow-Fläming ist Ludwigsfelde mit genau 2.000 bekannt gewordenen Fahrraddiebstählen.

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Positiv ist, dass in beiden Landkreisen im vergangenen Jahr weniger Fahrräder geklaut wurden als noch im Jahr zuvor. In Dahme-Spreewald gingen die registrierten Diebstähle im Jahresvergleich um 143 Fälle zurück, in Teltow-Fläming waren es 2020 immerhin 546 weniger Räder als noch 2019, die unrechtmäßig den Besitzer wechselten.

Damit zeigt sich der bundesweite Trend – wonach die registrierten Fälle von Fahrraddiebstählen im Jahresvergleich 2020 zu 2019 um rund 6,1 Prozent von 277.874 gestohlenen Rädern auf 260.956 zurückgegangenen sind – auch in den beiden Brandenburger Landkreisen. Sicherheitsexperten gehen davon aus, dass der Rückgang auf die Corona-Pandemie und die geringere Mobilität der Menschen zurückzuführen ist.

Besonders beliebt bei Dieben: E-Bikes. Quelle: PD Hannover

Fahrräder werden immer teurer und damit begehrter

„Das Fahrrad ist ein äußerst beliebtes Stehlgut“, sagt die Sprecherin der für Dahme-Spreewald zuständigen Polizeidirektion Süd, Ines Filohn. Da die Räder im Schnitt immer teurer und hochwertiger werden, steige auch der Weiterverkaufswert und die Attraktivität für Diebe.

Vor allem wertvolle Mountainbikes und E-Bikes – sogenannte Pedelecs – stehen bei Raddieben derzeit hoch im Kurs. „In den Gemeinden mit S-Bahn-Anschluss spielt auch die Beschaffungskriminalität aus dem Berliner Raum eine große Rolle“, sagt die Polizeisprecherin.

Codierungen helfen bei der Aufklärung

Die Polizei rät Fahrradbesitzern, sich beim Radexperten ihres Vertrauens über die besten Sicherungsmöglichkeiten wie doppelte Schlösser zu informieren. Auch die kostenfreien Codierungs-Aktionen, die die Polizei sowohl in Dahme-Spreewald als auch in Teltow-Fläming regelmäßig anbieten, mache insbesondere bei hochwertigen Fahrräder Sinn.

„Die Polizeireviere der Polizeiinspektion Teltow-Fläming in Luckenwalde, Ludwigsfelde und Zossen bieten regelmäßig kostenfreie Fahrradcodierungen an“, sagt Polizeioberkommissar Oliver Bergholz. Neben den regulären Terminen könnten Interessierte vor Ort auch individuelle Treffen ausmachen. Auch dank der Codierungen lag die Aufklärungsrate bei Fahrraddiebstählen im Landkreis Teltow-Fläming 2020 bei fast 60 Prozent, wie Bergholz sagt.

Magdalena Westkemper ist Brandenburger Landesgeschäftsführerin des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC). Quelle: ADFC

ADFC führt eigene Registrierungsaktionen durch

Auch Magdalena Westkemper, Brandenburger Landesgeschäftsführerin des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), hält die Codierung von Fahrrädern für eine gute Idee. „Der Verkaufswert des Diebesguts sinkt erheblich, während der Grad der Abschreckung und die Hemmschwelle für potenzielle Diebe steigt“, sagt Westkemper.

Wer sein Fahrrad codieren lasse, mache es Dieben deutlich schwerer, gestohlene Fahrräder zu verkaufen, denn ohne Eigentumsnachweis kämen sie mit dem Diebesgut nicht weit. „Die Codierung zeigt sofort, wer Eigentümer des geklauten Fahrrads ist“, sagt Westkemper. Das mache insbesondere den beliebten Weiterkauf über das Internet und auf Flohmärkten nahezu unmöglich. Auch der ADFC bietet an verschiedenen Standorten in Brandenburg Codierungen an.

Fahrrad-Boxen am Bahnhof Luckenwalde. Quelle: Elinor Wenke

Pendler-Gemeinden müssen für sichere Stellplätze sorgen

Grundsätzlich könne sich jeder Radler gut gegen Diebstähle absichern. „Die Codierung, zwei gute Schlösser und einige Verhaltensregeln schützen relativ zuversichtlich vor Diebstahl“, sagt die Radexpertin. Sie rate jedem, der mit dem Rad unterwegs ist, selbst beim kurzen Einkauf beim Bäcker, das Fahrrad immer sicher abzustellen – also immer anzuschließen und nicht nur in sich abzuschließen. „Dabei empfiehlt der ADFC den Rahmen und mindestens ein Rad des Fahrrads an einem fest verankerten Objekt anzuschließen“, erläutert Westkemper.

Neben den eigenen Schutzmaßnahmen sieht die ADFC-Chefin aber auch die Gemeinden in der Pflicht. Gerade Orte mit größeren Bahnhöfen, die tagtäglich von vielen Pendlern genutzt werden, müssten für geprüfte Abstellmöglichkeiten sorgen. „Menschen, die mit dem Fahrrad zum Bahnhof und dann weiter mit dem Zug zur Arbeit pendeln, müssen ihr Fahrrad sicher am Bahnhof abstellen können“, fordert Westkemper.

Neben Fahrradparkhäusern, wie es sie zum Beispiel in Potsdam und Oranienburg gibt, sind auch Fahrradboxen eine Möglichkeit. In Luckenwalde wurden in diesem Jahr am Bahnhof 50 dieser sicheren Abstellplätze gebaut – gefördert durch das Bundesprogramm „Klimaschutz durch Radverkehr“. In Königs Wusterhausen soll es bald ein Fahrradparkhaus geben.

Von Jérôme Lombard