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Teltow-Fläming Historische Pracht und moderne Schlichtheit
Lokales Teltow-Fläming Historische Pracht und moderne Schlichtheit
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12:12 21.06.2018
Ein klar strukturierter und in reizvoller Anlehnung an die Architektur der Moderne realisierter Bau: die neue Feuerwache in Luckenwalde. Quelle: Karen Grunow
Dahmeland-Fläming

Nicht nur die berühmte, leider sträflich vernachlässigte Hutfabrik von Erich Mendelsohn oder frühe Arbeiten Richard Neutras machen Luckenwalde immer wieder zu einem Ausflugsziel von Architektur-Enthusiasten. Wer das Bauen der Moderne in der Vielfalt seiner Spielarten, von denen das Bauhaus nur eine war, aber auch Aufgaben – ob Siedlungen, Industriebau, Schulen oder Schwimmbad – , erleben will, der findet in der Stadt eine faszinierende Fülle. Nun ist noch etwas sehr Gegenwärtiges hinzugekommen, das jene Epoche geschickt rezipiert: die neue Feuerwache im Herrmann-Henschel-Weg 112. Am Tag der Architektur, der am Sonntag wieder bundesweit von den Architektenkammern der einzelnen Bundesländer veranstaltet wird, kann diese Feuerwache besichtigt werden. „Es ist ein tolles Gebäude geworden. Ich finde, dass Luckenwalde stolz sein kann“, sagt der langjährige Feuerwehrmann Hans Bindzau, der als Mitarbeiter im feuerwehrtechnischen Dienst seit 2016 tätig ist.

Durchdacht bis ins Detail

Realisiert wurde der Bau von dem Dresdener Büro Pussert Kosch Architekten. Matthias Dalitz, der im Büro maßgeblich für das Projekt verantwortlich war, wird am Sonntag selbst vor Ort sein und gemeinsam mit den Mitarbeitern der Feuerwehr Rundgänge durch das markante Haus anbieten. Vor allem an der Dessauer Straße ist der Bau sehr langgestreckt, denn dort befinden sich die Garagen der Fahrzeuge mit Durchfahrten. Von oben besehen, ergibt die Feuerwache eine U-Form, an der Seite zu den Bahngleisen hin befindet sich der Hof. Dort, wo Herrmann-Henschel-Weg und Dessauer Straße aufeinandertreffen, ist der Komplex um eine Etage erhöht.

Dieser dreigeschossige Gebäudeteil sorgt für eine städtebauliche Dominante. Die Ecke ist abgerundet, in zwei Reihen werden Fensterbänder darum geführt. Während das obere Band die Erhöhung des Gebäudeteils fast vollständig umschließt, leitete die untere Reihe dagegen zu dem komplett durchfensterten und leicht zurückspringenden Bereich mit den Durchfahrtstoren über. Dort läuft das horizontale, mit Backsteinen ausgefachte Band zwischen den Fensterreihen des Eckteils einfach weiter, wird so zum kurzen Vordach über den Toren. Eine so klare wie ausgefeilte Rhythmisierung, die in der Reduktion der Materialien und Farben eine Schlichtheit von geradezu monumentaler Qualität ergibt. Sogar die Fugen zwischen den Ziegeln sind rot, die Aluminiumeinfassungen der Fensterbänder finden eine Entsprechung an der Dachkante.

Architekt lobt die Zusammenarbeit

2011 gab es einen Wettbewerb für die Gestaltung einer neuen Feuerwache in Luckenwalde. Zur Vorbereitung besichtigte das Team von Pussert Kosch Architekten die Stadt. „Die haben ja schon immer einen Sinn für Architektur gehabt“, sei ihm damals gleich aufgefallen, erzählt Dirk Pussert. Auch der von ff-Architekten realisierte Neubau für die Kinder- und Jugendbibliothek am Bahnhof mit seinem scheinbar kippenden Baukörper und der goldenen Fassade habe ihm gezeigt, „dass dort eine Offenheit herrscht“, sagt Pussert über Luckenwalde. Für ihn und seine Kollegen war damit klar, „dass man bei so einem Zweckgebäude auch formal mal mehr machen kann als nur die Schachtel“, sagt er über den dann mit dem ersten Preis bedachten Entwurf seines Büros für die Feuerwache.

Umgesetzt werden konnte dieser dann aber erst ab 2015. In einer, wie Pussert lobt, „sehr angenehmen Zusammenarbeit“. Der Nutzer, also die hauptamtlichen und freiwilligen Feuerwehrleute, hätten toll mitgemacht. „Eine ideale Konstellation“, schwärmt er. „Die Arbeitsbedingungen haben sich zu 100 Prozent verbessert“, sagt Feuerwehrmann Hans Bindzau. Dass der Neubau auch die Neugierde der Luckenwalder erregt, zeigte nicht zuletzt der „Tag der offenen Tür“: „Den Ansturm konnten wir damals fast gar nicht bewältigen“, sagt Bindzau mit hörbarer Freude.

Vertreter anderer Feuerwachen sind begeistert

Für die Architekten, für die der Bau mit den homogen nuancierten roten Ziegeln das erste Projekt in Brandenburg war, hat das andauernde Interesse einen positiven Nebeneffekt. Auch Vertreter anderer Wachen kommen gern, erkunden den außen so eindrucksvollen und innen mit seinen Werkstätten, Lagerräumen, Büros und Umkleiden erstaunlich funktionalen Bau, der für knapp sechs Millionen Euro realisiert werden konnte. In Ludwigsfelde werden Pussert Kosch Architekten noch in diesem Jahr den Rohbau einer Rettungswache errichten können, im Spätsommer 2019, schätzt Pussert, wird jener Bau dann fertig sein.

Die Sanierung der Theodor-Fontane-Grundschule in Ludwigsfelde wird zum Tag der Architektur vorgestellt. Quelle: Karen Grunow

Ein ganz anderer Bau in Ludwigsfelde kann am Sonntag ebenfalls zum Tag der Architektur besucht werden. Die Theodor-Fontane-Grundschule, ein 1955 im Stile sowjetischer Bauten der Stalin-Ära eingeweihter Schulkomplex, ist bis Oktober vergangenen Jahres von sta² architekten.ingenieure aus Königs Wusterhausen saniert worden. Der Schulbau, wie das Klubhaus kennzeichnend für die Heinrich-Heine-Siedlung, steht auch unter Denkmalschutz. Erneuert werden musste die komplette Haustechnik, aktuell geforderte Brandschutzmaßnahmen mussten umgesetzt werden, außerdem war ein barrierefreier Umbau erforderlich wie auch eine Anpassung an die Anforderungen des gegenwärtigen Schul- und Hortbetriebs. Dazu wurde die ehemalige Hausmeisterwohnung, die nun für Hort und Vorschule genutzt werden kann, besser angebunden. Architekt Christian Theurer wird am Sonntag vor Ort die Fragen der Besucher beantworten und während der Rundgänge über bauliche Lösungen sprechen.

Peter Macky ließ den prachtvollen Bahnhof in Halbe restaurieren. Quelle: Karen Grunow

Zu den insgesamt 31 Projekten, die am Tag der Architektur im Land Brandenburg erkundet werden können, gehört auch der Kaiserbahnhof in Halbe. Ein ebenfalls denkmalgeschätzter Bau, den der Architekt August Orth 1865 als Empfangsgebäude für die preußischen Könige und späteren Kaiser realisierte. Durch aufwendige Restaurierung ist der Bau binnen der letzten vier Jahre wieder zu alter Pracht gelangt. Es soll ein offener Ort werden mit Café, Ausstellungen, großem, nach historischem Vorbild neu angelegtem Garten. Nun wird noch ein Neubau entstehen als Servicegebäude. „Wir sind der guten Hoffnung, dass wir im Juli anfangen können“, sagt Architekt Stefan Zappe, der die Sanierung des Denkmals in den vergangenen Jahren mit seinem Büro umgesetzt hat. Er wird am Sonntag von dieser Aufgabe berichten. Und auch Peter Macky, der neuseeländische Besitzer des Bahnhofs, will dann in Halbe sein. „Es werden auch Fotos gezeigt, die den Fortschritt bis heute dokumentieren“, erzählt dieser.

Info: Feuerwache im Herrmann-Henschel-Weg 112 in Luckenwalde, Theodor-Fontane-Grundschule in der Theodor-Fontane-Straße 2a in Ludwigsfelde, Kaiserbahnhof in der Bahnhofstraße 31 in Halbe. Zugänglich sind die Bauprojekte an diesem Sonntag zwischen 13 und 18 Uhr. Jeweils um 13, 15 und 17 Uhr werden Rundgänge angeboten. Weitere Informationen zum Tag der Architektur in Brandenburg: www.ak-brandenburg.de

Von Karen Grunow

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