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Teltow-Fläming Feuerwehr landet einen Internet-Hit
Lokales Teltow-Fläming Feuerwehr landet einen Internet-Hit
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18:10 10.04.2018
Auf einem Baumarkt-Parkplatz befragten die Feuerwehrleute Passanten nach deren ehrenamtlichem Engagement.
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Dahlewitz

96 000 Klicks in nur drei Tagen – der selbstgedrehte Film der Feuerwehr Dahlewitz ist ein echter Renner im Internet. Erst am Dienstag hochgeladen, verbreitete sich das zwei Minuten lange Video innerhalb kurzer Zeit auf den Social-Media-Kanälen. Selbst Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hat den Film auf seiner Facebook-Seite geteilt.

„Mit dem Erfolg haben wir nicht gerechnet“, sagt Philipp Kindermann, der Hauptdarsteller des Films, der auch die Idee dazu hatte. „Wir fanden einfach, dass wir zu wenige Kameraden sind“, sagt er. Daraus entstand der Wunsch, einen Film zu drehen. Technische und konzeptionelle Unterstützung kam von Keanu Pioch. Er möchte Regie studieren und dreht seit zehn Jahren Videos, zuletzt für das Musical des Rangsdorfer Fontane-Gymnasiums. „Es sollte was Besonderes sein“, sagt er. Der Film durfte nicht billig, aber auch nicht überproduziert wirken. Gleichzeitig wollte man auf das Problem des fehlenden Nachwuchses hinweisen, ohne allzu bierernst zu sein. „Wir wollten die Situation einfach zeigen,wie sie ist“, sagt Keanu Pioch.

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Die Arbeit für die Feuerwehren wird immer mehr

Und die ist – zumindest auf längere Sicht  –  ziemlich beunruhigend. Der Film endet mit einer düsteren Vision. „Geht nach Hause, bringt ja nix“, winkt Philipp Kindermann ab, als nur zwei Leute da sind, um zum Einsatz rauszufahren.

Noch, sagt Ortswehrführer Helmar Lippitz, sei die Dahlewitzer Wehr mit 24 aktiven Mitgliedern jederzeit einsatzbereit. Um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein, müssten es eigentlich doppelt so viele sein. Wachsende Bevölkerung, mehr Verkehr und Gewerbe, extremes Wetter – „Die Arbeit für die Feuerwehren wird nicht weniger“, sagt Helmar Lippitz. Er befürchtet, dass vom Internet-Hype um den Film nicht viel übrig bleiben wird. „Ich glaube nicht, dass uns die Leute die Bude einrennen“, sagt er.

Nachwuchs bleibt aus

Die jüngeren Kameraden sehen das optimistischer. „Wir hoffen, dass der Film Wellen schlägt. Es geht darum, auf das Problem des fehlenden Nachwuchses aufmerksam zu machen“, sagt Patrick Helbing, der die Karriere von der Kinder- über die Jugendfeuerwehr bis in den aktiven Dienst mitgemacht hat. Doch nicht einmal der eigene Nachwuchs bleibt bei der Stange. Helmar Lippitz schätzt die Quote auf nur zehn Prozent. „Mit 16 ist Feuerwehr plötzlich nicht mehr cool“, sagt er.

Die Feuerwehr sei im Bewusstsein der meisten Menschen selbstverständlich. „Niemand kann sich vorstellen, dass keiner kommt, wenn man die 112 ruft“, sagt Philipp Kindermann. Doch selbst mitmachen wollen nur wenige – auch eine Erkenntnis des Films. Für andere da sein, Kameradschaft – die Motive fürs Ehrenamt sind immer die gleichen, die Ausreden, es nicht zu tun, auch.

Gemeinde stellt moderne Technik und sorgt fürs Wohlergehen

An Technik mangelt es in Blankenfelde-Mahlow kaum. Die Gemeinde gehört zu den am besten ausgestatteten im Land, sagt Hauptamtsleiterin Katharina Schiller. Die 164 aktiven Feuerwehrleute bekommen Sportkurse und Kameradschaftsabende bezuschusst. Immerhin sind im vergangenen Jahr sieben Kameraden mehr in Blankenfelde-Mahlow ein- als ausgetreten. Bisher habe man alle Einsätze fahren können, sagt Katharina Schiller: „Vor allem bei der Bereitschaft am Tag gibt es aber immer wieder Engpässe.“ Im Frühjahr möchte die Gemeinde mit einer Image-Kampagne für Nachwuchs werben.

Das Video ist zu sehen unter: https://www.youtube.com/watch?v=AKDrPBrP1jg

Von Christian Zielke