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Teltow-Fläming Fleischerei Bendig auf Schrumpfkurs
Lokales Teltow-Fläming Fleischerei Bendig auf Schrumpfkurs
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17:51 21.08.2017
Dunkle Wolken über dem Familienbetrieb: Seit mehr als 60 Jahren gibt es die Fleischerei Bendig. Im Mahlower Stammhaus soll der Betrieb weitergehen. Quelle: Fotos: Christian Zielke (3)
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Mahlow

Drastische Einschnitte bei der Landfleischerei Bendig: Der Traditionsbetrieb aus Mahlow hat am Montag vier seiner Filialen geschlossen. Betroffen sind die Geschäfte im Südring-Center in Rangsdorf, im A10-Center in Wildau und im Stern-Center, sowie in den Bahnhofspassagen in Potsdam.

„Ich bin am Boden zerstört“, sagt Rainer Bendig, der langjährige Inhaber des Familienunternehmens. Mehr als drei Jahre lang hatte der 64-Jährige versucht, den Betrieb an seinen Nachfolger René Raböse weiterzugeben. Am Montag räumte er beide Filialen in Potsdam leer, am Wochenende hatte er bereits in Rangsdorf und Wildau alles für die Übernahme vorbereitet. Die Firma Wolf aus Schwandorf in der Oberpfalz in Bayern übernimmt die vier Geschäfte und einen Teil der Belegschaft. Wie viele es insgesamt sind und wie lange die Jobs sicher sind, ist unklar. Bei der Firma Wolf war am Montag niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

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Probleme mit den Behörden gab es schon seit längerem

Der Name Bendig wird künftig nur noch am Stammhaus in Mahlow zu sehen sein. Dort soll der Betrieb mit rund 20 Beschäftigten unter Führung von René Raböse und Astrid Bendig weitergehen. Vor einigen Jahren waren es noch mehr als 100 Beschäftigte, doch es gab schon länger Probleme. Ein Jahr und acht Monate wartete man auf die Baugenehmigung für die schon seit Jahren betriebene Küche in Mahlow.

Nachdem ein Nachbar sich bei den Behörden über Geruch beschwert hatte, war der Unteren Bauaufsicht aufgefallen, dass es für die Küche keine Baugenehmigung gibt. Rainer Bendig konnte das fehlende Schriftstück ebenfalls nicht nachweisen, obwohl er überzeugt war, dass die Küche kein Schwarzbau ist. Dies hatte die Behörde damals behauptet und sogar gedroht, die Küche zwangsweise zu schließen. Erst nach öffentlichem Druck von Politikern aus Kreis und Land sowie von vielen Kunden und Vereinen wich die Bauaufsicht davon ab, Rainer Bendig musste jedoch einen völlig neuen Bauantrag stellen – mitten in einer Zeit, in der es um die Übernahme des Betriebs durch seinen Nachfolger ging. So lange die Situation mit der für das Partyservice- und Imbissgeschäft unverzichtbaren Küche ungeklärt war, waren die Banken nicht bereit, über einen Kredit zu verhandeln. „Ohne Geld kann man nicht investieren und wer nicht investiert, bleibt auf der Strecke“, sagt Rainer Bendig.

Wichtiger Geschäftszweig brach weg

Ein weiterer Schicksalsschlag für die Fleischerei Bendig war der Verlust des Vereinshauses Mahlow. Auch dort hatte die Bauaufsicht nach der Beschwerde eines Anwohners interveniert, nachdem man festgestellt hatte, dass ein Gewerbebetrieb dort nicht zulässig ist. Die Gemeinde Blankenfelde-Mahlow, der das Vereinshaus gehört, kündigte zum 31. Dezember 2015 den Pachtvertrag mit der Fleischerei. Damit brach das Geschäft mit Hochzeiten und Familienfeiern weg. „Die Zeit hat uns kaputt gemacht“, sagt Rainer Bendig. Gerne hätte er das Unternehmen, das seine Vorfahren aufgebaut hatten und das nach der Wiedervereinigung stark expandierte, in besserem Zustand übergeben. „Ich kann nur sagen, dass unsere Kunden und Mitarbeiter nicht Schuld sind, dass es so gekommen ist.“

Von Christian Zielke