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Teltow-Fläming Der Blitzableiter
Lokales Teltow-Fläming Der Blitzableiter
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19:38 01.04.2014
Das Terminal des künftigen BER-Flughafens ist nur wenige Kilometer Luftlinie vom Zentrum Blankenfelde-Mahlows entfernt. Quelle: dpa
Blankenfelde

Um diesen Termin hat Rainer Bretschneider wohl kaum einer beneidet. Der SPD-Staatssekretär war am Montag nach Blankenfelde-Mahlow gekommen, wo man damit „wirbt“, künftig die am stärksten vom Fluglärm betroffene Gemeinde Deutschlands zu sein. Ausgerechnet dort sollte der Flughafenkoordinator der Landesregierung über den Flughafen sprechen und vor allem zuhören. Mehrere Dutzend Menschen waren nach Blankenfelde in die Grüne Passage gekommen – mit Fragen im Kopf und mit Wut im Bauch.

Der Berliner Flughafen BER in Schönefeld aus der Luft. Seit 2006 wir der neue Hauptstadtflughafen gebaut. Mitte Juni 2012 sollte dort der Flugbetrieb aufgenommen werden, doch technische und organisatorische Probleme verzögerten die Eröffnung auf (bisher) unbestimmte Zeit hinaus.

Weil es sich offiziell um eine Sitzung des Flughafenausschusses handelte führte Matthias Stefke (BVBB-WG) Regie. Der sonst für seinen robusten Führungsstil bekannte Ausschussvorsitzende bat im Vorfeld um gegenseitigen Respekt: „Niemand wird niedergemacht.“ Das klappte größtenteils auch. Zumindest ließ sich der gebürtige Westfale auch durch Zwischenrufe wie „Betrüger“, „Lügner“ oder „Verräter“ nicht aus der Ruhe bringen. Bretschneider spielte seine Rolle als Blitzableiter gut, auch wenn er in seinen Aussagen vage blieb.

Auf dem Podium: Rainer Bretschneider und Matthias Stefke. Quelle: Christian Zielke

Zufällig wurde wenige Stunden zuvor bekannt, dass sein Chef, Ministerpräsident Dietmar Woidke, im Nachtflugstreit eine zusätzliche Stunde „rausholen“ wollte, indem er die Fluggesellschaften zu einem freiwilligen Verzicht auf Flüge zwischen 5 und 6 Uhr morgens bewegen wollte. Beifall löste Woidkes Kompromissangebot bei den Blankenfelder Flughafengegnern allerdings nicht aus. Sie erinnerten Bretschneider lieber an das Volksbegehren, das eine Nachtruhe zwischen 22 und 6 Uhr fordert und das der Brandenburger Landtag mit großer Mehrheit angenommen hatte. „Aus so einem strikten Nachtflugverbot wird wahrscheinlich nichts“, sagte Bretschneider. Seine Botschaft war klar: Auf der einen Seite steht die gute Landesregierung von Brandenburg, die einen aussichtslosen Kampf gegen die bösen Mächte im Berliner Senat und dem Bundesverkehrsministerium führt. Selbst wenn Brandenburg will, könne es keine Alleingänge wagen. Forderungen aus dem Publikum, das Land solle den gemeinsamen Landesplanungsvertrag mit Berlin kündigen, seien rechtlich nicht möglich. „Uns fehlen die Druckmittel gegenüber Berlin“, sagte Bretschneider. Selbst wenn man den Spreewald für Berliner sperren und aus dem gemeinsamen Verkehrsverbund aussteigen würde, träfe man vor allem die Brandenburger.

Wenig Konkretes gab es auch beim Schallschutz. Hier war die Mängelliste lang: Zeitverzögerungen, Ärger mit Ingenieurbüros, mangelhafte Lüfter, finanzielle Entschädigung statt Schallschutzmaßnahmen. Bretschneider gab immerhin zu, dass „in der Vergangenheit nicht alles gut gelaufen ist“. Die Fehlern hätte aber in erster Linie die Flughafengesellschaft zu verantworten. Die Landesregierung sei bemüht, Vertrauen zurückzugewinnen. Allein mit Worten, das dürfte Bretschneider am Montag klargeworden sein, ist es nicht getan.

Von Christian Zielke

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