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Teltow-Fläming Flughafenrebell Schulze holt Direktmandat
Lokales Teltow-Fläming Flughafenrebell Schulze holt Direktmandat
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16:53 15.09.2014
Christoph Schulze Quelle: dpa

Wahlkreis 25

Schulze schafft die Sensation

SPD-Abtrünniger zieht zum 6. Mal in den Landtag und verschafft den Freien Wählern drei Sitze

Christoph Schulze ist etwas gelungen, was in der 65-jährigen Geschichte des bundesrepublikanischen Parlamentarismus noch niemand geschafft hat. Als Spitzenkandidat einer an sich aussichtslosen Partei wurde er in seinem Wahlkreis direkt in den brandenburgischen Landtag gewählt. Er erzielte zwar nicht die 42 Prozent der Stimmen, die eine von ihm und der Vereinigung BVB/Freie Wähler in Auftrag gegebene Umfrage prognostiziert hatte, aber immerhin das beste Ergebnis der Direktkandidaten im Wahlkreis. Damit verwies der langjährige SPD-Politiker seine Partei und deren Kandidatin Dietlind Biesterfeld bei den Direktwahlen auf den zweiten Platz. Dafür erwies sich die SPD wieder als stärkste Partei im Wahlkreis 25 (Zossen, Rangsdorf, Blankenfelde-Mahlow, Baruth), gefolgt von CDU, Linken und BVB.

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Große Freude beim BER-Gegner

Die Freude bei Schulze war groß, obwohl er fest mit einem Sieg gerechnet hatte. Der entschiedene Gegner des Flughafenstandorts Schönefeld sagte gegenüber der  MAZ: „Ab sofort haben alle Bürgerinitiativen im Landtag eine Stimme. Sie brauchen nicht mehr betteln zu gehen, damit ihre Themen im Landtag zur Sprache kommen.“ BVB/FW seien die „legitimen Vertreter“ aller Bürgerinitiativen.

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Enttäuscht über schlechtes Wahlergebnis

Von daher rechnet Schulze mit weiterem Zulauf. Seinen Erfolg führt er auf seine „konsequente Arbeit im Interesse der Menschen vor Ort“ zurück. SPD-Kandidatin Dietlind Biesterfeld war mit dem zweiten Platz zufrieden. Schulzes Erfolg führt sie auf die Materialschlacht der Freien Wähler zurück. „Er ist bekannter und hatte das größere Budget. Mir war klar, dass ich es als Neuling schwer habe.“Carsten Preuß, der Kandidat der Linken, sagte: „Am meisten enttäuscht mich die schlechte Wahlbeteiligung. Man muss erforschen, warum die Menschen keinen Gefallen an der Demokratie finden.“ Das schlechte Abschneiden seiner Partei führt er auf verprellte Protestwähler zurück. 11,8 Prozent der Stimmen bekam Daniel Freiherr von Lützow von der AfD. „Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden und hoffe, dass die Regierungsparteien den Dämpfer vom Wähler verstanden haben“, sagte er.

Wahlkreis 24

Erik Stohn gewinnt Wahlkreis für die SPD

Mit deutlichem Abstand hat der 30-jährige SPD-Kandidat Erik Stohn den Wahlkreis 24 (Luckenwalde, Jüterbog, Dahme, Niederer Fläming, Niedergörsdorf) für die Sozialdemokraten zurückgeholt. Bei den Landtagswahlen vor fünf und vor zehn Jahren hatte es die Linkskandidatin Kornelia Wehlan geschafft, dort als Direktkandidatin in den Landtag einzuziehen. Das Mandat musste sie aufgeben, als sie im vergangenen Jahr zur Landrätin gewählt wurde.

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Linken-Abgeordnete verpasst Sprung in den Landtag

Für sie sprang die ehemalige Bundestagsabgeordnete Margitta Böttcher ein, die im Wahlkreis ebenfalls sehr bekannt ist. Aber sie landete nur auf Platz zwei und wird nicht in den Landtag einziehen, weil sie keinen Platz auf der Landesliste der Linken hatte.

An dritter Stelle bei den Erststimmen steht Sven Petke (CDU). Da er auf einem relativ sicheren Landeslistenplatz 15 seiner Partei steht, dürfte er den erneuten Einzug in den Landtag schaffen.

Glücklicher Jung-Politiker

Das war bei Erik Stohn mit Landeslistenplatz 33 der SPD nicht so sicher. Umso glücklicher zeigte sich der Jungpolitiker, der zugleich Landesvorsitzender der Jungsozialisten (Jusos) ist, über seine Direktwahl. „Wir haben einen bürgernahen Wahlkampf gemacht, an den Türen geklingelt und mit den Menschen geredet“, sagte Stohn. Die geringe Wahlbeteiligung hält er für „erschreckend“. Das sei ein deutlicher Hinweis für die Politiker, künftig eine noch bürgernähere Politik zu betreiben. Auf seine Postkartenaktion etwa habe er sehr großen Rücklauf gehabt. Dabei hätten ihm die Menschen des Wahlkreises viele Probleme genannt. „Das sind Aufträge, denen ich mich nun widmen muss“, sagt Stohn.

Auf seiner Facebook-Seite dankte er nach der Wahl unter anderem dem Außenminister und Parteikollegen Frank-Walter Steinmeier, der für ihn kräftig geworben hatte.

Linke hofft auf Regierungsbeteiligung und ist über Afd-Abschneiden verwundert

Landrätin Kornelia Wehlan (Die Linke) hofft, dass es wieder zu einer rot-roten Landesregierung kommen wird. Betrübt sei sie über die Verluste ihrer Partei auf Landesebene. Es gehe nun darum, die Wählerwanderungen zu analysieren. „Als Partei mit Regierungsverantwortung konnten wir keine Protestwähler abfangen“, sagte die Landrätin gestern. Dieses Potenzial sammele sich nun woanders. „Das gute Abscheiden der AfD hat uns wahrscheinlich am stärksten getroffen“, sagte Hans-Jürgen Akuloff, Fraktionsvorsitzender der Linken im Kreistag.

Wahlkreis 23

Helmut Barthel (SPD) setzt sich deutlich durch

Im Wahlkreis 23 ist die SPD wieder stärkste Kraft. Die CDU liegt vor der Linken.

Helmut Barthel hat den Wahlkreis 23 gewonnen. Der SPD-Politiker hat sich gegen seine Mitbewerber in dem Wahlkreis durchsetzen können, der die Kommunen Trebbin, Nuthe-Urstromtal, Ludwigsfelde, Großbeeren und Am Mellensee umfasst.

Unermüdlicher Wahlkämpfer deutlich vorne

„Das ist ein Ergebnis, das ich so nicht erwartet habe. Aber es ist auch das Ergebnis der guten Arbeit, die die SPD vor allem in Ludwigsfelde in den Vorjahren geleistet hat“, sagte Barthel gegenüber der MAZ. Barthel zeigte sich zuletzt als unermüdlicher Wahlkämpfer. Sein thematisches Schwergewicht legte er vor allem auf das wirtschaftliche Gedeihen, dies sei die Basis auch der sozialen Politik, die er für die SPD machen will. „Ich gehe davon aus, dass wir im Wahlkreis weiterhin eine gute Entwicklung haben werden mit gut bezahlten Arbeitsplätzen. Dafür setze ich mich ein“, sagte Barthel. Er tritt mit diesem Wahlerfolg auch innerparteilich ein wichtiges Erbe an, denn schließlich war es der im Landkreis unvergessene Klaus Bochow, der diesen Wahlkreis für die SPD erringen konnte.

Prominente Kandidaten hinter sich gelassen

Barthel gelang es auch, zwei arrivierte Landespolitiker hinter sich zu lassen: die Landtagsabgeordneten Danny Eichelbaum (CDU) und Norbert Müller (Linke). Namentlich Eichelbaum hatte es verstanden, sich als Rechtspolitiker auf Landesebene einen Namen zu machen. „Ich bin erfreut, dass wir zweitstärkste Partei in TF sind. Allerdings hätte ich mir eine höhere Wahlbeteiligung gewünscht. Darüber müssen sich alle Parteien Gedanken machen. Überrascht hat mich das gute Abschneiden der AfD“, sagte er der MAZ. „Im Landtag will ich mich für eine stärkere Polizeipräsenz auf der Straße einsetzen und dafür, dass Ludwigsfelde endlich eine neue Polizeiwache mit 24-Stunden-Besetzung bekommt.“ Zu einer möglichen Regierungsverantwortung der CDU sagte Eichelbaum: „Wir wollen Verantwortung übernehmen. Mit der SPD haben wir schon einmal zehn Jahre regiert. Das waren gute Jahre für Brandenburg. Welche Schnittmengen es gibt, müssen die Sondierungsgespräche zeigen. Uns sind Themen wie Unterrichtsausfall und innere Sicherheit wichtig.“

MAZonline

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