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Teltow-Fläming Garnisonschau mit alter Militärtechnik
Lokales Teltow-Fläming Garnisonschau mit alter Militärtechnik
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19:53 30.05.2019
Panzertechnik fasziniert, für zehn Euro Benzingeld darf jeder mal im NVA-Schützenpanzer sowjetischer Bauart Probe fahren. Quelle: Uwe Klemens
Altes Lager

„Auch ich war am Anfang ziemlich skeptisch, wohin die Reise eines solchen Vereins einmal hingeht“, sagt Mario Scheunemann. Die Zeit der Skepsis liegt zwanzig Jahre zurück, seit fünf Jahren ist der Metallbauer Chef des Garnisongeschichtsvereins St. Barbara, der vom Himmelfahrtstag an bis Sonntag zur viertägigen Garnisonschau einlädt.

In Altes Lager hat die Garnisonsschau begonnen. Wie immer gibt es historische Militärtechnik zu sehen.

Mehr als einmal vor Wut in den Sand gespuckt

Der Eröffnungstag ist dabei erfahrungsgemäß der besucherschwächste Tag. Bei rund dreitausend Besuchern liegen die Erwartungen von Scheunemann und seinen etwa 80 Mitstreitern für alle vier Tage. Dass nicht jedermann die Zurschaustellung von Waffen, Uniformen und sonstiger Militärausstattung gut findet, weiß Scheunemann aus den vielen Kommentaren im Internet. „Aber was uns hier eint, sind das Interesse an der Technik und ein Stück weit auch die gemeinsam gemachten Erfahrungen in unserer eigenen Militärzeit. Auch wenn ich selbst kein Freund von Uniformen oder militärischen Manövern bin, ist das doch ein Teil unserer Geschichte und ich sehe es ein Stück weit auch als Bildungsauftrag, anderen davon zu erzählen, was sich militärgeschichtlich quasi vor ihrer eigenen Haustür ereignet hat “, sagt der 51-Jährige. Er hat als Pioniersoldat im Grundwehrdienst in der NVA mehr als einmal vor Wut über sinnlose Befehle und charakterlose Offiziere in den Sand gespuckt.

Der Frust von einst ist Urlaubsstimmung gewichen

Auch das Gros der Mitstreiter, die als Gäste jedes Jahr aus allen Teilen Deutschlands samt aufgepäppelter Technik und Uniform anreisen und das Vereinsgelände in eine Art Wehrlager verwandeln, kennt den Militäralltag aus eigenem Erleben. Doch der Frust von einst scheint verflogen. Im Camp herrscht ausgelassene Urlaubsstimmung. Zum Gucken und Staunen gibt es jede Menge und um sich gegenseitig all die Episoden vom Einsatz als Kämpfer im Kalten Krieg zu erzählen, sind vier Tage und drei Nächte einfach zu kurz.

Dass die Technik-Faszination ansteckend ist, zeigt sich auch bei den „ungedienten“ Besuchern. Frauen, Jugendliche und Kinder, die weder heißen noch kalten Krieg mitgemacht haben, genießen die Spazierfahrten mit den Stahlkolossen und winken beim Vorbeifahren in die Handykameras ihrer Bekannten.

Fachvorträge, wie es wirklich war

Realistische Einblicke in die Welt der Krieger bieten heute und morgen die Fachvorträge „Des Kaisers Soldaten“, „100 Jahre Volksbund der Kriegsgräberfürsorge“ und „Das Ende der NVA“, für die Regional- und Militärhistoriker gewonnen werden konnten. Dazu gibt es im Bunkerkino Filmdokumente, die aus den Jahren von 1918 bis 1990 stammen.

Höhepunkt, wie in jedem Jahr zu Garnisonschau, ist die große Technikparade die jeweils am Freitag und Sonnabend um 11 Uhr beginnt und in bewährter Weise von Wolfram Arndt moderiert wird. „Der Mann ist in Sachen rollender Militärtechnik ein wandelndes Lexikon und bringt sein Wissen in auch für Laien verständlicher Weise und mit Anekdoten gespickt unter, so dass viele Besucher sich schon vorher erkundigen, ob er wieder moderiert“, sagt auch Scheunemann.

Teil der eigenen Geschichte

Der Michendorfer Jürgen, selbst Ende der 70er Jahre als Flak-Schütze in NVA-Uniform gezwängt, gehörte am Eröffnungstag zu den ersten Besuchern. „Seit mein Vater, als ich noch Kind war, mit einem Jeep russischer Bauart auf den Hof gerollt kam, interessiere ich mich für Allradtechnik und bin deswegen hier“, sagt der Eisenbahner, der statt eines Militär-Käppis eine Eisenbahnermütze trägt. „Dass man militärische Technik natürlich nicht nur als technische Wunderwerke sehen kann, sondern das Thema differenziert betrachten muss, ist klar. Ich selbst gehöre auf keinen Fall zu den Militär-Fetischisten, aber auch das ist nun mal Teil unserer Geschichte und irgendwann soll doch mal damit Schluss sein, dass wir als Deutsche, die nach dem Krieg geboren wurden, noch immer schief angeguckt werden, was unsere Vorfahren in der Welt angestellt haben“.  

Von Uwe Klemens

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