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Teltow-Fläming Glücksbringer feiert 100. Geburtstag
Lokales Teltow-Fläming Glücksbringer feiert 100. Geburtstag
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06:03 23.08.2017
Johannes Volz (2.v.r.) feierte Dienstag im Ludwigsfelder Restaurant „Korfu“ seinen 100. Geburtstag nach. Mit dabei waren seine Lebensgefährtin Irmgard Weidmann (l.), Sohn Klaus-Peter Volz (2.v.l), der Baruther Ortsvorsteher Lutz Möbus und Schwiegertochter Margarete Volz.
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Baruth

Schornsteinfeger bringen Glück, sagt das Sprichwort. Aber nur wenige Männer der schwarzen Zunft werden so alt wie Johannes Volz. Dienstag feierte der ehemalige Baruther Bezirksschornsteinfegermeister seinen 100. Geburtstag in familiärer Runde nach. Im Ludwigsfelder RestaurantKorfu“ wurde gut gegessen, getrunken und über alte Zeiten geplaudert.

Mit eiskaltem Ouzo stießen alle Gäste auf den Jubilar an. Genüsslich ließ sich Johannes Volz ein frisch gezapftes Pils schmecken. „Die meisten Leute in Baruth wissen noch ganz genau, wer Johannes Volz ist“, sagte Ortsvorsteher Lutz Möbus (CDU). Dabei lebt der am 14. August 1917 als sechstes von acht Geschwistern in Prenzlau geborene Jubilar schon seit über zehn Jahren nicht mehr in dem Städtchen. Nach dem Zweiten Weltkrieg heiratete er in seinem Geburtsort Hildegard Koch. Beide zogen vier Kinder groß, konnten sich gemeinsam über zehn Enkel und viele Urenkel freuen. „Den Kehrbezirk in Baruth übernahm mein Schwiegervater 1965“, erzählte Margarete Volz. Mehr als 40 Jahre lang zog Johannes Volz hier von Haus zu Haus und stieg den Baruthern aufs Dach.

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Baruther Ortsvorsteher überbringt Glückwünsche vom Bürgermeister

„Die Erinnerung daran ist immer noch sehr lebendig“, so Lutz Möbus. Während seiner Amtszeit als Ortsvorsteher habe er nur zwei stadtbekannten Hundertjährigen zum Geburtstag gratulieren dürfen.„Die eine war die ehemalige Baruther Musiklehrerin Luise Aurich, die im Alter von 108 Jahren in Dahme verstorben ist“. Der andere ist Johannes Volz. Viele Baruther seien erstaunt und zugleich erfreut darüber, dass er noch unter den Lebenden weile. „Insofern freut es mich ganz besonders, dass ich seinen 100. Geburtstag noch persönlich erleben darf und mit ihm feiern kann“.

Heute lebt der Witwer mit seiner 87-jährigen Lebensgefährtin Irmgard Weidmann in Kleinmachnow. „An seinem 100. Geburtstag hat er bei seiner ältesten Tochter und deren Familie in Stade gefeiert“, sagte Margarete Volz. Die gestrige Nachfeier fand auf Einladung seines jüngsten Sohnes Klaus-Peter Volz und dessen Frau Margarete statt. Ortsvorsteher Lutz Möbus schenkte Johannes Volz im Namen von Bürgermeister Peter Ilk (parteilos) eine Urkunde und einen Blumenstrauß. „Der Bürgermeister kann sich gut daran erinnern, wie Johannes Volz noch im Alter von 65 Jahren Kamine in Baruth gekehrt hat“, so Möbus. Schwarz wie der Ruß, den er aus den Schornsteinen kratze, war die Ausrüstung des Kaminkehrers: Eisenkugeln, Rohr- und Stoßbürsten, Handbesen, Drahtbürsten, Krücken, Leitern. Volz musste die Schornsteine der Gebäude von unten wie oben ausfegen und vom Ruß befreien und darauf achten, dass die Rauchabzüge und Öfen den Brandschutzbestimmungen entsprachen. Um sich bei der dreckigen und anstrengenden Arbeit zu schützen, trug er verstärkte, bis zu 15 Kilogramm schwere Kleidung.

Volz: „Als Schornsteinfeger musst du immer auf Draht sein.“

„Wie er auf den Dächern der Stadt freihändig von einem First zum anderen gegangen ist, ohne dabei aus dem Gleichgewicht zu geraten! Dafür habe ich ihm immer großen Respekt gezollt“, schwärmte Lutz Möbus. „Als Schornsteinfeger musst du immer auf Draht sein“, erwiderte Johannes Volz. Ein falscher Tritt genüge, und schon rutsche man vom Dach. Deshalb habe er früher nicht bis früh um vier Bier trinken und dann zwei Stunden später aufs Dach steigen können, um Schornsteine zu kehren, scherzte Möbus. Anschließend machte der Ortsvorsteher mit dem Handy ein Erinnerungsfoto. „Elf Tage vor Johannes Volz’ 100. Geburtstag habe ich meinen 65.  gefeiert“, so Möbus. „Vom Alter her sind wir also beide noch meilenweit entfernt.“ Schlagfertig antwortete der Jubilar: „Du wirst sehen, wie schnell die Zeit vergeht“.

Von Frank Pechhold