Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Teltow-Fläming Goldene Kamera für ein verfilmtes Schicksal
Lokales Teltow-Fläming Goldene Kamera für ein verfilmtes Schicksal
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:07 01.08.2013
Ursula Vorwerk mit Heimleiter Thomas de Vachroi (l.) und Chefredakteur Ralph Kartelmeyer während der Würdigung mit der Goldenen Kamera.
Ursula Vorwerk mit Heimleiter Thomas de Vachroi (l.) und Chefredakteur Ralph Kartelmeyer während der Würdigung mit der Goldenen Kamera. Quelle: Uwe Klemens
Anzeige
Dahme

Der knapp halbstündige Dokumentarfilm "Wider das Vergessen" beleuchtet die persönlichen Erlebnisse der aus Berlin stammenden Seniorin Ursula Vorwerk, die seit vier Jahren in Dahme wohnt. Es geht um ein wenig beachtetes Nachkriegsthema: Die Inhaftierung zehntausender Deutscher in den Sonderlagern des Sowjetischen Geheimdienstes NKDW (Volkskommissariat für innere Angelegenheiten).

21 Jahre jung war Ursula Vorwerk, die damals als Krankenschwester in Beelitz arbeitete, als sie wenige Wochen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges vom sowjetischen Geheimdienst NKWD verhaftet wurde. Warum? Das habe sie nicht erfahren, sagt Ursula Vorwerk. Dass auch ihr Chefarzt verhaftet worden war, erfuhr Ursula Vorwerk erst während der kurzen Gerichtsverhandlung, in der dieser zum Tode verurteilt wurde. Auch sie wurde verurteilt. Zehn Jahre verbrachte sie in diversen Zuchthäusern und Straflagern. Nach der Entlassung durfte sie nichts erzählen. Mehr als ein halbes Jahrhundert lang hielt sie sich an das Verbot, sogar nach dem Freikauf durch die damalige Bundesregierung und ihrer Übersiedelung nach Westberlin.

Eine Reportage über das berüchtigte, Potsdamer Gefängnis "Lindenhotel", ihrer ersten Leidensstation, gab den Ausschlag, ihr Schweigen zu brechen. Im Gespräch mit Thomas de Vachroi, dem bisherigen Einrichtungsleiter der Seniorenresidenz, entstand die Idee, aus ihren schrecklichen Erlebnissen einen eigenen Film zu machen. Gemeinsam besuchten Ursula Vorwerk und die Filmemacher das "Lindenhotel" und das ehemalige Sonderlager in Sachsenhausen, die heute Gedenkstätten sind. An den Originalschauplätzen ihres Leidensweges lässt Ursula Vorwerk auch den Zuschauer teilhaben an ihrer Verzweiflung und an ihren Tränen.

Erst während der Dreharbeiten erfuhr sie den Grund ihrer Inhaftierung: "Mitschuld am Tod sowjetischer Bürger" lautete die zu Unrecht erhobene Anklage, wie die am Film beteiligten Historiker aus alten Unterlagen herausfanden. Hintergrund für die konstruierte Anklage war der Tod schwerkranker Patienten, zu denen auch Sowjetbürger gehörten. Seine Uraufführung erlebte "Wider das Vergessen" Ende 2012 im Dahmer Kino-Café (die MAZ berichtete). Vertreter aus Politik und öffentlichem Leben waren das Premierenpublikum. Mit der Aufnahme in die Sammlung "Gedächtnis der Nation" gelangte der Film auch an die breitere Öffentlichkeit.

"Nun hoffe ich, dass ich endlich auch selbst mit dem Thema abschließen kann", sagte Ursula Vorwerk vor wenigen Tagen im erneuten MAZ-Interview. "Jeder alte Mensch hat sein Leben hinter sich und möchte das Bisschen, das er noch hat", in Ruhe verbringen.

Von Uwe Klemens

Teltow-Fläming Denkmalgeschützten Hauses im Haag - Mit Türmchen
01.08.2013
01.08.2013
01.08.2013