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Teltow-Fläming Ökologischer Waldumbau
Lokales Teltow-Fläming Ökologischer Waldumbau
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00:20 04.06.2019
Geglückter Waldumbau, über den sich Hartmut Hanack (r.) und Carsten Preuß freuen. Rechts reiner Kiefernwald, links der umgewandelte Mischwald
Geglückter Waldumbau, über den sich Hartmut Hanack (r.) und Carsten Preuß freuen. Rechts reiner Kiefernwald, links der umgewandelte Mischwald Quelle: Margrit Hahn
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Gottsdorf

 Hartmut Hanack aus Gottow hat schon vor Jahren erkannt, dass reiner Kiefernwald nicht erstrebenswert ist. In den vergangenen zehn Jahren pflanzte er auf einer Fläche von elf Hektar in seinem Privatwald am Pekenberg in Gottsdorf weitere Gehölze, sodass ein Mischwald entstand. Am Freitag lud er den neugewählten Kreistagsabgeordneten Carsten Preuß (Linke) zu einer Besichtigungstour ein.

80 Prozent Kiefern

Der ökologische Waldumbau in Brandenburg wurde vor 30 Jahren beschlossen. Doch viel hat sich seitdem nicht getan. Noch immer liege der Kiefernanteil bei rund 80 Prozent. „Wald ist nicht nur Erholungsraum, sondern auch Kohlendioxid-Speicher, Trinkwasserreservoir und dient der Luftreinhaltung und der Produktion des nachwachsenden Rohstoffes Holz“, sagt Hartmut Hanack. Er bedauert, dass das Thema Klimawandel noch nicht bei allen angekommen ist und auch einige Revierförster der Ansicht sind, dass nur Kiefernwälder auf märkischem Sandboden wächst. Dass es anders geht, beweist Hanack mit seinem Waldumbau seit Jahren. Er hat unter anderem Rotbuchen, Eichen und Esskastanien gepflanzt.

Hier in diesem Bereich, der nicht eingezäunt wurde, sieht man Verbiss durch Wildtiere am Spitzahorn. Die Bäume haben keine Chance. Quelle: Margrit Hahn

Er wandelt Kiefernmonokulturen in klimaresistente Mischwälder um. Allerdings kostet das Geld. Er hat seinen Wald in Gottsdorf eingezäunt. Ansonsten wäre durch den hohen Wildbestand kein ökologischer Waldumbau möglich gewesen. Der hohe Wildbestand ist seiner Ansicht nach eins der größten Probleme. Er fordert insofern eine Regulierung.

Hier am Pekenberg ist der Waldumbau bisher gut gelungen. Quelle: Margrit Hahn

Carsten Preuß verweist darauf, dass es in Brandneburg rund 100.000 Waldbesitzer gibt. Drei Viertel von ihnen haben kleine Wälder mit rund fünf Hektar. Sie haben keinen Einfluss auf die Jagd. Das Land hat sich nun für eine Wildregulierung ausgesprochen. Ob diese Maßnahme ausreicht, werde sich zeigen.

Beratung von der Landesforst

Kleine Waldbesitzer sollten sich, wie Preuß sagt, unbedingt von der Landesforst in Sachen Waldumbau und Fördermittel beraten lassen. „Waldumbau muss zu 100 Prozent gefördert werden“, so der Landtagsabgeordnete. Wobei der Landesforst eine Vorreiterrolle übernehmen müsse. Der Treuenbrietzener Stadtförster sei ein gutes Beispiel dafür.

Vor Jahren hat Hartmut Hanack diesen Regenmesser in seinem Gottsdorfer Wald aufgestellt. Seitdem war der Messbecher noch nicht einmal bis oben hin voll. Quelle: Margrit Hahn

„Die Waldbrände und wiederkehrenden Trockenperioden zwingen uns dazu, endlich zu handeln“, so Hanack. Durch einen Mischwald fresse sich das Feuer längst nicht so schnell wie durch Kiefernbestand. Zudem seien Laubwälder bessere Wasserspeicher. Zudem gebe es einen Temperaturunterschied von drei bis fünf Grad zwischen Kiefern- und Mischwäldern.

Verzicht auf „Karate Forst flüssig“

Bei einem höheren Anteil an Mischwald könnte auch auf den Einsatz von „Karate Forst flüssig“ verzichtet werden. „Wir müssen von der Plantagenwirtschaft im Wald, die scheinbar nur durch den Einsatz von Gift beherrschbar ist, schnellstens weg“, fordert Hanack. Die größte Sünde sieht er im Revier Kemnitz. „Sonst hätte dort nicht zweimal gespritzt werden müssen“, fügt Hanack hinzu. Er fordert, dass Revierförster Hüter der Nachhaltigkeit werden.

Die Waldbrände in den vergangenen Jahren und die Schadinsekten seien deutliche Zeichen. „Wenn wir diese Zeichen der Zeit nicht erkennen, weiß ich nicht, was noch passieren muss“, sagt Preuß.

Von Margrit Hahn