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Großbeeren Archäologen finden urgeschichtlichen Ofen
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00:21 03.04.2019
Der promovierte Archäologe Uwe Müller (links) und Grabungshelfer Malte May legen Details des urgeschichtlichen Ofens auf dem Grabungsfeld frei. Quelle: FOTOS: Jutta Abromeit (2)
Großbeeren

Dort, wo 1813 bei Großbeeren das Gefecht gegen Napoleon tobte und bis heute Reste dieser historischen Schlacht gefunden werden, liegen auch Pfostenreste und Scherben, Siedlungsgruben, Feuerstellen und wahrscheinlich eine Ofenanlage. Das alles stammt vermutlich aus der Zeit zwischen 2200 vor und 500 nach Christus. Es sind die bisherigen Funde auf dem archäologischen Grabungsfeld Südliches Ruhlsdorfer Feld in Großbeeren. Noch hoffen die Fachleute um Grabungsleiter Michael Böhm, weiteres Material zu finden, um die urgeschichtlichen Siedlungsreste genauer einordnen zu können.

Bei Grabungen in neuem Wohngebiet wurde ein uralter Ofen gefunden.

Böhm nimmt eine gelbliche Scherbe aus einer beschrifteten Folie. Zu diesem Detail aus der Rundung eines Gefäßes erklärt er: „Diese Scherbe ist grob gemagert, sie würde nach dem, was wir über das Areal hier bisher wissen, sowohl in die Bronzezeit, also in die Spanne von 2200 bis 800 vor Christus passen als auch in die anschließende Eisenzeit.“

Funktion des Ofens nicht klar

Sicher ist bereits, dass er und seine drei Kollegen von der Firma Archäo Kontrakt einen Ofen gefunden haben, eine technische Anlage aus Steinen. „Doch über die genaue Funktion können wir bisher noch nichts sagen, dazu müssen wir die Auswertung abwarten“, erklärt Böhm. Möglich wäre zum Beispiel, dass der Steinkreis ein Backofen, ein Ofen zum Keramik-Brennen oder ein Kalkbrennofen war.

128 Fundstellen

Böhm, Archäologe Uwe Müller, Grabungstechniker Curt Hilbrig und Grabungshelfer Malte May haben auf dem Streifen, der unter der künftigen Wohngebietsstraße liegt, vorerst 128 sogenannte Befundstellen ausgemacht und sie mit kleinen gelben Zetteln akribisch beziffert. Zwischen diesen Markierungen bewegen sie sich mit Tischchen, Eimern und Werkzeugen.

Archäologen legen Details frei

Was für den Laien wie bunt gestreifter Sand mit Erde aussieht, scheint den Fachleuten ein offenes Geschichtsbuch: uralte Ofenstelle, spätere Pfostenreihe, noch spätere Siedlungsreste darüber, und zu allen Zeiten durchzogen von Wurzeln, Regenwürmern und der Arbeit von Generationen an Mäusen und Maulwürfen – sie können es einordnen. Akribisch legen sie Details frei – wenn es nicht regnet. Denn dann können Grabungsränder leicht abgespült werden. Und nebenbei erklären sie Spaziergängern und Interessierten, was sie dort tun. „Wir haben hier keine Geheimnisse“, sagt Grabungsleiter Böhm.

Bis Ende nächster Woche wollen sie auf dem rund einen halben Hektar großen Areal der künftigen Straße fertig sein. Dass in der Fläche der künftigen Grundstücksbesitzer links und rechts weitere Fundstellen schlummern, das wissen sie. Doch ob die freigelegt werden, das wird später entschieden. „Wir machen Kompromiss-Archäologie“, sagt Böhm, „ich weiß doch, dass wir beliebt sind wie ein Kaktus am Nacktbadestrand.“

Bekanntes Bodendenkmal

Zur Bedeutung dieser Ausgrabungen erklärt Kreisarchäologe Stefan Pratsch: „Das Areal dieses Bebauungsplanes liegt innerhalb des Bodendenkmals 130440, also dem Schlachtfeld der Befreiungskriege und dem Gräberfeld der Eisenzeit, Siedlung der Ur- und Frühgeschichte.“ Aus der Zeit der Befreiungskriege stammten Metallgegenstände wie Geschosskugeln, Uniformteile oder Abzeichen.

Erste Funde in den 1920er Jahren

Der urgeschichtliche Fundplatz wurde bereits 1925 bestätigt. Pratsch sagt: „In einer Sandgrube wurde ein Tongefäß mit Knochenbrand entdeckt, was auf einen Urnenfriedhof hinweist.“ Bekannt waren bis dahin zwei Gefäße, mit deren Form sich das Gräberfeld in die vorrömische Eisenzeit datieren lasse, so der Kreisarchäologe, also etwa in die Zeit 600 bis 50 vor Christus. Außerdem stammten von dem Areal ur- und frühgeschichtliche Tonscherben, die sich wegen fehlender Verzierungen zeitlich jedoch nicht sicher zuordnen ließen, so Pratsch, jedoch auf eine Siedlung hindeuteten.

Bodendenkmale im Süden des Wohngebiets

Mit der archäologischen Voruntersuchung im März sei klar geworden, dass sich die Bodendenkmale im Süden des künftigen Wohngebiets konzentrierten, erklärt Pratsch. Um die Bauarbeiten nicht zu verzögern, werde der Straßenbereich schnell abgeschlossen, so der Fachmann. Ebenso werde bei sieben Bauparzellen verfahren. „Auch dort muss man mit bodendenkmal-verträglichen Gründungen der Baukörper nicht die gesamten Grundstücke ausgraben“, sagt er.

Von Jutta Abromeit

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