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Großbeeren Bürgermeister Borstel zieht Bilanz
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10:22 18.10.2019
Großbeerens Bürgermeister Tobias Borstel (37) zieht nach 502 Tagen im Amt Bilanz. Quelle: Marlene Schmidt
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Großbeeren

Er ist seit 502 Tagen im Amt. Großbeerens Bürgermeister Tobias Borstel (SPD, 37) zieht nach anderthalb Jahren Bilanz: Was sich seit seinem Amtsantritt in der knapp 9000 Einwohner zählenden Gemeinde verändert hat, was sich noch ändern muss und was er sich für die Zukunft wünscht. Tobias Borstel ist Amtsnachfolger von Carl Ahlgrimm (CDU), der nicht für eine dritte Amtszeit kandidiert hatte. Sein Start als Bürgermeister löste damals Rummel aus. Es ging um Personalstreitigkeiten, verschwundene Akten und eine Spaltung in der Kommunalpolitik. Und noch immer ziehen nicht alle Gemeindevertreter an einem Strang, was immer wieder für Zündstoff sorgt.

Wie ist die Stimmung in der Gemeinde Großbeeren?

Tobias Borstel: Ich als Bürgermeister versuche stets eine sachliche Arbeitsebene zu erwirken. Oftmals bekommt man den Eindruck, dass viel in der Gemeinde emotional debattiert wird. Wir versuchen stets gegenüber den Bürgern transparent zu arbeiten. Offensichtlich gibt es dennoch immer wieder offen angesprochene Kritik auch in den sozialen Medien oder durch einzelne Fraktionen, die erst kritisieren und dann erst nach dem Sachstand fragen. Ich hätte es gern andersherum. Auch im Sinne der Gemeinde.

Wie ist die Stimmung in der Gemeindevertretung?

Es gibt zehn alte Hasen und acht neue Protagonisten. Die Mehrheitsverhältnisse haben sich verändert. Das Gefühl lässt mich nicht los, dass die einzelnen Fraktionen noch nicht wissen, wohin die Reise gehen soll. Oftmals hat die gesamte Verwaltung das Gefühl, dass die Verwaltung die Politik macht und nicht die Gemeindevertretung. Zu einer besseren Verständigung untereinander gibt es am 19. Oktober eine gemeinsame Klausurtagung, um ein besseres Verständnis füreinander zu erarbeiten. Zu dieser Klausur wird es auch eine Schulung geben, die uns, die in den nächsten Jahren die Geschicke der Gemeinde Großbeeren leiten, einen rechtlichen Rahmen aufzeigt. Ich erhoffe mir dadurch ein wesentlich klareres politisches Gefüge, da ich oftmals den Eindruck habe, dass viele aus der Gemeindevertretung die Verwaltungsabläufe in Gänze nicht nachvollziehen können.

Die Sitzordnung in der Gemeindevertretung wird in letzter Zeit oft kritisiert. Was sagen Sie dazu?

Zwischen einer Sitzordnung und einer Sitzanordnung gibt es Unterschiede. Die Sitzordnung ist nicht verändert. Die Sitzanordnung sehr wohl, auch, um einen im nicht öffentlichen Teil gehörten Vortrag entsprechend Raum zu geben. Dennoch hat das Thema gezeigt, dass hier eine Veränderung an der Sitzanordnung in der Gemeindevertretung überdacht werden muss. Mit der Vorsitzenden der Gemeindevertretung habe ich diesbezüglich bereits neue Möglichkeiten erdacht, die sicherlich demnächst vorgestellt werden.

Wie läuft die Verwaltungsarbeit? Ihnen wird vorgeworfen, nach Amtsantritt einige Mitarbeiter entlassen zu haben.

Es konnten innerhalb der Verwaltung klare Strukturen aufgebaut werden, um Abläufe zu straffen und Orientierung zu bieten. Innerhalb der Verwaltung gab es Veränderungen, die ich als positiv wahrnehme, auch wenn Sie von außen nicht immer positiv gesehen werden. Ein Drittel der aktuellen Kernbelegschaft in der Gemeindeverwaltung ist in den 502 Tagen neu dazu gekommen. Durch altersbedingte Nachbesetzung oder offene Positionen durch Fortgänge. Dass sich beim Bürgermeisterwechsel nicht immer alle Mitarbeiter positiv gegenüberstehen und sich anderweitig orientieren, ist normal. Innerhalb der Verwaltung gibt es nur noch eine offene Stelle. Für 2020 suchen wir noch Fachkräfte zum weiteren Ausbau der Verwaltung für die so wichtigen Aufgaben, die so anstehen. Wie zum Beispiel die Siedlungserweiterungsflächen oder die Entwicklung der Ortsmitte.

Was ist aus den fehlenden Akten geworden?

Das ist ein durchaus seltsamer Vorgang. Die verschwundenen Kisten mit vollen Akten und losen Blättern sind durch einen Zufallsfund am 6. Dezember 2018 in einem versteckten Raum des Gemeindearchivs wieder aufgetaucht. Bis jetzt ist unklar, wie diese Akten-Kisten dorthin gekommen sind. Sicher ist nur, dass ein externes Rechtsanwaltsbüro diese Kisten seit dem Fund auf Inhalt und Gesamtheit prüft. Acht von zwölf Kisten wurden der Gemeinde zurückgeführt. Mit 5170 Vorgängen des Altbürgermeisters. Weitere 2500 werden in den restlichen Kisten vermutet. Nach Abschluss der Prüfung muss entscheiden werden, welche Konsequenzen daraus gezogen werden können. Die letzten Kisten sollen noch im November kommen. Was danach passiert, muss die Verwaltungsleitung entscheiden.

Welche Ereignisse waren positiv, welche negativ?

Es gab viele gute Dinge. Zum Beispiel das Medienfit-Projekt an der Otfried-Preußler-Schule oder die Fördermittelakquise für die Module des Schulerweiterungsbaus und den Kita-Neubau in der Bahnhofsstraße. Es gibt auch erste Veränderungen an der Dorfaue. Eine Dampfwalze wurde hingestellt und die Grünflächen sind mit Stadtmobiliar gesetzt. Zudem haben wir den Rad- und Wanderweg am Lilograben ergänzen können.

Und was war negativ?

Das Schlimmste war am 4. Juni 2018, meinem ersten richtigen Arbeitstag. Ich schaute aus dem Fenster und musste mit Bedauern feststellen, dass die Kita-Kinder mit ihren Erziehern nur schwer über die Straße kamen, um zur Bibliothek der Gemeinde zu gelangen. Nach diesem und vielen weiteren Vorfällen danach, forderte ich vom Straßenverkehrsamt die Errichtung von Querungshilfen, also Zebrastreifen. Bis jetzt ergebnislos. Der Ball liegt im Spielfeld des Landkreises.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

In erster Linie das Allerbeste für meine Kinder und natürlich das allerbeste für die Gemeinde. Die Demut vor dem Amt des Bürgermeisters wiegt bei mir sehr schwer. Ich wünschte mir, dass die zahlreichen politischen Auseinandersetzungen, die immer wieder Zündstoff bieten und zu Frustration und Unmut führen, dass das beendet wird. Die Gemeindevertreter haben Rechte und Pflichten, die ihnen auferlegt wurden. So wie mir auch als Hauptverwaltungsbeamten. Es muss doch möglich sein, dass alle sich in ihrem rechtlich vorgegebenem Rahmen bewegen können.

Von Marlene Schmidt

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