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Großbeeren Carl Ahlgrimm zieht sich politisch zurück
Lokales Teltow-Fläming Großbeeren Carl Ahlgrimm zieht sich politisch zurück
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01:16 17.01.2019
Carl Ahlgrimm (l.) bei seiner Verabschiedung, die Blumen überreicht ihm Michael Richter (beide CDU), Vorsitzender des Gemeinderats.
Carl Ahlgrimm (l.) bei seiner Verabschiedung, die Blumen überreicht ihm Michael Richter (beide CDU), Vorsitzender des Gemeinderats. Quelle: Foto: Abromeit
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Großbeeren

Das neue Jahr beginnt in Großbeeren, wie das alte endete: mit Querelen. Jetzt schreibt Carl Ahlgrimm (CDU), 16 Jahre lang, bis Ende Mai 2018, Bürgermeister des geschichtsträchtigen Zuzugsortes am Südrand Berlins, allen Gemeindevetretern einen offenen Brief. Darin kündigt er an, sämtliche politischen Ehrenämter abzugeben; er wolle sich wegen Streitereien bei zunehmender gesundheitlicher Einschränkung nicht womöglich sein Leben verkürzen. Der Brief endet mit Worten, die König Friedrich August III. von Sachsen bei seiner Abdankung gesagt haben soll: „Macht euren Dreck alleene!“

„Es wird nur noch übereinander geredet“

Seit seinem Abschied am 31.Mai berät der im Ludwigsfelder Ortsteil Löwenbruch lebende Ahlgrimm seine Parteifreunde der CDU Großbeeren. Zudem ist er seit Ende Februar 2018 Vorsitzender der Fluglärmkommission Schönefeld, gewählt von 28 der 29 Mitglieder. Hauptgrund für seinen jetzigen Schritt sind Diskussionen und Kommentare in sozialen Netzwerken. Der MAZ sagt er: „In Großbeeren wird nur noch über-, nicht mehr miteinander geredet.“

Ihn störe die Art und Weise des Umgangs miteinander und „wie die Spaltung zwischen Menschen und Menschengruppen betrieben wird“. Er kritisiert Entscheidungen seines Bürgermeister-Nachfolgers Tobias Borstel (SPD), der habe seit Amtsantritt am 1.Juni bisher nicht einmal das Gespräch zu ihm gesucht, sowie Personen in Vereinen und Parteien. Namentlich nannte Ahlgrimm in seinem Brief allerdings niemanden. Borstel sowie Ahlgrimms politische Widersacher waren für die MAZ am Montag nicht erreichbar.

Abschied des Großbeerener Bürgermeisters Carl Ahlgrimm (CDU) nach zwei Amtszeiten bzw. 16 Jahren an der Rathausspitze am 31. Mai 2018, hier mit den CDU-Parteikollegen im Gemeinderat. Quelle: Jutta Abromeit

 

Ahlgrimm schreibt, ihm sei in seiner Amtszeit stets „ein so weit wie möglich uneingeschränkter Informationsfluss gegenüber allen Mitgliedern der Gemeindevertretung“ wichtig gewesen. Jetzt sei seine Integrität in einer 2300 Mitglieder zählenden geschlossenen Facebook-Gruppe mit einem völlig aus dem Zusammenhang gerissenen Ermittlungsverfahren gegen ihn, das vor Jahren eingestellt wurde, in Frage gestellt worden. Wörtlich schreibt er: „Hier ist für mich nicht nur die Grenze des guten Geschmacks überschritten, sondern auch ein Punkt erreicht, an dem ich mich aus jedem gesellschaftlichen Engagement zurückziehe.“

Stehenden Fußes schmeiße er jedoch nichts hin, so Ahlgrimm, er plane den geordneten Rückzug: „Ich lasse keinen im Regen stehen.“ Die Fluglärmkommission sei ihm besonders wichtig, die Mitstreiter dort informiert Ahlgrimm am 18.Februar zur nächsten Sitzung. Dann werde ohnehin eine neue Geschäftsordnung diskutiert. Die sieht neben dem Vorsitzenden einen Beirat vor. Er trete er auf jeden Fall zurück, so Ahlgrimm. „Ob ich Kommissionsmitglied bleibe, liegt bei der Bundesvereinigung gegen Fluglärm, für die bin ich Mitglied“, sagt er.

Vermittler Ahlgrimm würde fehlen

Wilfried Thielicke vertritt die Nachbarkommune Ludwigsfelde in der Fluglärmkommission und ist einer der stellvertretenden Bürgermeister der Stadt. Über diesen Schritt Ahlgrimms wäre er „nicht glücklich“. Zur Begründung sagt er: „Das wäre vor allem für seine ehemalige Gemeinde mit dem am meisten betroffenen Ortsteil Diedersdorf sehr schade.“

Thielicke würde Ahlgrimms Rückzug vor allem wegen des umfangreichen Wissens bedauern, das der Großbeerener Ex-Rathauschef in puncto Fluglärm und Flughafen-Umlandschutz hat. Und Thielicke sagt: „Bei allen Problemen, die wir bisher dort hatten, half uns seine vermittelnde Art. Die wäre ein echter Verlust.“

Auch als Berater für den CDU-Ortsverband Großbeeren werde er kürzer treten, so Ahlgrimm. „Doch so kurz vor der Kommunalwahl im Mai werde ich ihn natürlich nicht im Stich lassen, aber ich reduziere mein Engagement auch dort deutlich.“

Von Jutta Abromeit