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Großbeeren Großbeeren: Kanzlei fordert von Jugendclub 3090 Euro für zwei Koch-Fotos
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Großbeeren: Kanzlei fordert von Jugendclub 3090 Euro für zwei Koch-Fotos

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17:32 01.09.2021
Dorfgemeinschaftshaus und Jugendclub Diedersdorf
Dorfgemeinschaftshaus und Jugendclub Diedersdorf Quelle: Johanna Apel
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Großbeeren

Mit einem völlig überraschenden Problem sehen sich die Jugendlichen im Jugendclub von Diedersdorf konfrontiert: Sie sollen wegen einer Urheberrechtsverletzung im Jahre 2014 einer Hamburger Kanzlei 3090 Euro zahlen. Damals hatten sie für ein Kochprojekt einen Flyer zusammengestellt und dafür zwei Bilder aus dem Internet verwendet: eines von Waffeln und eines von einer Pizza Bolognese. Das Kochprojekt war ein Erfolg und der Flyer für kurze Zeit auch auf der Internetseite des Clubs zu sehen.

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Vorwurf der Anwälte: Diese Bilder stammen aus „Marios Kochbuch“ und wurden ohne Zustimmung der Autoren verwendet. Die Rechte-Verletzung wird im Jugendclub gar nicht bestritten. Doch für den ehrenamtlichen Jugendclub-Betreuer Nico Lamprecht und für seinen Vater Dietmar Lamprecht, den Vorsitzenden des Fördervereins Dorfgemeinschaftsleben Diedersdorf, taucht eine ganz andere Frage auf, die Lamprecht Senior in der jüngsten Gemeinderatssitzung der Verwaltung und den Gemeinderatsmitgliedern stellte: „Wie sind Ehrenamtler versichert?“

Jugendclub-Existenz steht auf dem Spiel

Laufe das über die Haftpflicht der Gemeinde oder über einen anderen Weg, fragte Dietmar Lamprecht. Die Geld-Forderung sei am 17. August eingetroffen und umgehend zu bezahlen. Lamprecht will wissen. „Wie verhalten wir uns, wie geht es jetzt weiter?“ Bleibe der Jugendclub auf diesem Geld sitzen, stehe seine Existenz infrage und es bleibe die Verunsicherung für neue Aktionen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Jutta Abromeit: Auch Ehrenamtliche müssen auf Urheberrechte achten

Die Konsequenzen für alle ehrenamtliche Arbeit in Großbeeren und den Ortsteilen sehen auch Bürgermeister Tobias Borstel (SPD) und etliche Gemeindevertreter. Der Verwaltungschef will den Jugendclub mit diesem Problem nicht allein lassen. In der Sitzung erklärte er: „Es ist beschämend, dass sich Kanzleien und Anwälte auf sowas spezialisiert haben. Das ist nicht schön und überhaupt nicht lustig.“ Borstel schlägt dem Gemeinderat vor, trotz der äußerst angespannten Haushaltslage einen Zuschuss für den Jugendclub zu beschließen. Ganz aus der Verantwortung nehmen würde er die Jugendlichen nicht, die Urheberrechtsverletzung sei ein Fakt, so der Verwaltungschef.

Ehrenamt-Haftpflicht – es geht auch um Feuerwehren

Eine Haftpflichtversicherung für Ehrenamtler „hat die Gemeinde natürlich nicht“, so der Rathauschef; ein Zwischenrufer laut: „Es geht dabei auch um die Feuerwehr und andere!“ Gemeinderatsvorsitzende Claudia Blume-Rottenbiller erklärte: „Ich würde schon dafür werben, einen Weg zu suchen, wie man den Verein unterstützen kann und Herrn Lamprecht zeitnah einen Termin anbieten.“

Wie die MAZ erfuhr, gibt es einen solchen Termin am Mittwochnachmittag; dann will sich Bürgermeister Borstel mit Dietmar und Nico Lamprecht über das weitere Vorgehen verständigen. Der Jugendclub-Betreuer schrieb in einer Mail an die Redaktion: „Ich hoffe, dass die Abmahnsumme über die Anwälte des Fördervereins noch heruntergehandelt werden kann.“

Eine Reaktion von der Kanzlei, die die Forderung gegen den Jugendclub erhoben hatte, liegt der MAZ  trotz einer entsprechenden Anfrage bisher nicht vor.

Von Jutta Abromeit