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Großbeeren Abgesagte Feste in Großbeeren: Pandemie und fehlender Haushalt behindern Planungen
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Großbeeren: Kein Siegesfest - Corona und fehlender Haushalt behindern Planung

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18:13 21.07.2021
Kein beschlossener Haushalt, kein nutzbares Geld: Großbeeren sagt auch das diesjährige Siegesfest ab.
Kein beschlossener Haushalt, kein nutzbares Geld: Großbeeren sagt auch das diesjährige Siegesfest ab. Quelle: Krischan Orth
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Großbeeren

Das Großbeerener Siegesfest wird auch in diesem Jahr nicht stattfinden. Grund ist in erster Linie nicht die Corona-Pandemie, sondern der fehlende Haushalt. Da die Verwaltung in der letzten Gemeindevertretersitzung vor der Sommerpause erneut keinen Haushalt zur Abstimmung vorlegte, war klar: Die Gemeindevertreterinnen und Vertreter mussten die Absage des Siegesfestes beschließen. Sie bestanden allerdings auf der Formulierung, dass das Fest aufgrund des nicht beschlossenen Haushalts 2021 abgesagt wird – ein Seitenhieb Richtung Verwaltung.

Diese begründet die lange Bearbeitungszeit des Haushalts mit der niedrigen Ertragslage durch Corona und den damit verbundenen Kürzungen in allen Geschäftsbereichen. Erst kurz vor der Sommerpause habe die Kämmerin den Haushalt fertig gehabt, zahlreiche Abstimmungen hätten sich lange hingezogen, so Bürgermeister Tobias Borstel (SPD) auf MAZ-Anfrage. „An den Abstimmungen waren sämtliche Ausschüsse beteiligt. Die Politik ist somit im Zusammenspiel mit der Verwaltung seit Monaten involviert.“

Corona-Pandemie weiter präsent

Neben dem ausstehenden Haushalt berge „das Pandemiegeschehen weiterhin Gefahren für Festbesucher und Beteiligte und führe zu Unwägbarkeiten in der Planung“, teilte die Gemeinde zudem auf ihrer Internetseite mit. Die Entscheidung zur Absage sei gemeinsam mit den Akteuren des Siegesfestes getroffen worden. Die historischen Truppen planten stattdessen ein kleines Exerzier-Biwak auf dem Gutshof. Der Veranstaltungsbeirat der Gemeinde sei zudem bemüht, im zweiten Halbjahr einige kleinere Veranstaltungen zu organisieren.

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Das Siegesfest ist nicht die einzige Großveranstaltung, die die Gemeinde in diesem Jahr abgesagt hat. Die groß angelegte Festwoche zum 750-jährigen Jubiläum der Gemeinde hatten die Gemeindevertreter um ein Jahr verschoben, weil die damals gültige Coronaverordnung die Veranstaltung nicht zuließ. Zudem verwies die Verwaltung auch da schon auf die „finanziellen Herausforderungen“.

Kritik an Organisation der Veranstaltungen

Kritiker sagen jedoch, die Festwoche hätte so oder so nicht stattfinden können. Dazu gehören Gerd Wiebe und Jan-Henrik Lüer, die die Eventmanagementfirma Plaided Events in Kleinbeeren führen und 2019 das Siegesfest organisiert haben. Sie verfolgen berufsbedingt die Ausschreibungen zu den Festen, die die Gemeinde auf dem Brandenburger Vergabeportal veröffentlicht. Sie werfen der Gemeinde vor, hier einen schlechten Job zu machen: „Die Ausschreibungen sind fachlich dilettantisch, unverständlich und zeugen von mangelhafter Expertise“, sagt Wiebe. Teilweise würden wichtige Informationen fehlen, die zur Umsetzung der ausgeschriebenen Leistung dringend notwendig seien. Außerdem hätten sie in den Ausschreibungen „Wettbewerbs-beschränkende technische Parameter“ gefunden. Ein Zeichen dafür, dass die Ausschreibungen nicht offen seien, sondern die Gemeinde bereits einen Bewerber den Vorzug geben wolle, so Wiebe.

Gedenkstein an die Schlacht bei Großbeeren. Quelle: Krischan Orth

Die Betreiber der Eventfirma waren bereits während der Planungen zum Siegesfest 2019 mit der Gemeinde aneinandergeraten, sie fühlen sich auch jetzt von der Verwaltung „respektlos behandelt“. Sie werfen der Gemeinde vor, Augenwischerei zu betreiben: „Ohne Corona wäre ihnen alles um die Ohren geflogen“, sagt Wiebe. Ihm zufolge seien die Planungen nie soweit gewesen, dass die Festwoche hätte stattfinden können. Die pandemiebedingte Absage habe das nur verschleiert. „In der Gemeinde herrscht Stagnation“, sagt Lüer.

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Bürgermeister Borstel reagiert nur knapp auf die Vorwürfe. Auf MAZ-Anfrage verwies er darauf, dass die Festwoche durch die zu dem Zeitpunkt geltende Corona-Verordnung habe abgesagt werden müssen. Die Verwaltung habe „sehr wohl das Feedback der Bevölkerung gehört und gelesen“, die mit „großem Verständnis“ reagiert habe, so Borstel. Die Kritik von Wiebe und Lüer, die Ausschreibungen nicht rechtzeitig und ordentlich gemacht worden, seien „unbegründet“, teilte Borstel mit. „Sämtliche Vorbereitungen inklusive Ausschreibungen wurden getätigt.“ Für die abgesagte Festwoche und das abgesagte Siegesfest seien keine finanziellen Folgen für die Gemeinde entstanden.

Von Lisa Neugebauer