Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Großbeeren Polizistin: Bewusstsein für Mobbing fehlt
Lokales Teltow-Fläming Großbeeren Polizistin: Bewusstsein für Mobbing fehlt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:37 29.05.2019
Polizeioberkommissarin Claudia Sponholz setzt sich für Gewaltprävention ein, und klärt Kinder und Eltern auf. Quelle: Krischan Orth
Großbeeren

Wenn ein Kind über die Straße geht, nimmt man es bei der Hand. Man zeigt ihm als Eltern, wie es sich gefahrlos im Straßenverkehr verhalten muss, etwa, dass es nach links und rechts schauen muss. Mit dieser Metapher machte Polizeioberkommissarin Claudia Sponholz am Dienstagabend Notwendigkeit einer Medienerziehung von Kindern aufmerksam. Denn auch wenn der technische Umgang, etwa mit Smartphones, von Kindern sehr schnell erlernt werde, bedeute dies noch keine Medienkompetenz. Deswegen müssten die Kinder von den Eltern begleitet werden. „Medienkompetenz wird oft unterstellt“, sagt Sponholz. Eben durch die schnelle Beherrschung der Technik. „Medienkompetenz ist aber keine technische, sondern eine soziale Frage“, so die Polizistin. Und dabei sind vor allen Dingen die Eltern gefragt.

Im Rahmen der Kooperationsvereinbarung zwischen Polizei und der Otried-Preußler-Schule in Großbeeren trug die Oberkommissarin interessierten Eltern im Gemeindesaal ihre Erfahrungen zum Thema Mobbing und Cybermobbing vor.

Schon Erstklässler achten auf Selbstinszenierung

Die Polizistin ist besonders Expertin für Kinder der ersten bis fünften Klasse, sie kennt sich aber auch im Jugendbereich gut aus. Sie erlebt, dass das Smartphone längst auch im Alltag der Erstklässler angekommen ist. „Selbstinzenierung steht auf der Tagesordnung“, sagt die Oberkommissarin, im Hinblick auf Youtube beispielsweise. Es bilden sich Abhängigkeiten: Dass Posts geteilt werden, dass mehr Follower folgen. Sponholz legte so aus ihrer Erfahrung dar, das selbst die Kleinsten bereits Marktmechanismen von Reichweitenoptimierung ausgesetzt sind, die nicht ins Kinderzimmer gehörten.

Sponholz: Das Internet ist ein öffentlicher Raum

Auch gebe es auch kein Problembewusstsein dafür, dass das Smartphone ein Tatmittel sein könne. Rechtsstaatlichkeit sei im Internet dem Gefühl nach nicht vorhanden. Mobbing, die konsequente Verfolgung und Erniedrigung einer Person, geschieht auch auf dem Weg des Smartphones. Daher warnt die Expertin, Bilder im Netz einfach so zu posten. Wenn das Foto einmal im Netz ist, dann ist sein Weg unkontrollierbar, sagt sie. Auch dafür dient die Metapher des Straßenverkehrs, um sich bewusst zu machen, dass es sich bei dem Internet um einen öffentlichen Raum handelt: Man verteile auch keine Fotos auf der Kreuzung, so Sponholz.

Kinder sollten keine Fotos von sich posten

Viel zu bedenkenlos posteten Eltern Fotos ihrer Kinder, sagt die Polizistin. Sie empfiehlt den Eltern: Kinder sollten keine Bilder von sich versenden. Es könnten solche Bilder sein, die missbräuchlich verwendet werden und Grundlage einer Mobbingsituation sind. Und entscheidend ist: Wann eine Tat eine Mobbingsituation ist, entscheidet das Opfer. Auch in diesem Bereich erlebt Sponholz in Klassen, die sie für das Thema sensibilisieren will, oft wenig emphatisches Verhalten. Dabei kann es beim Mobbing häufig zu handfesten Straftaten kommen, wie üble Nachrede, Erpressung, Verleumdung, Gewalt, oder Verbreitung von Gewaltdarstellungen. Es besteht darüber hinaus die Gefahr, dass Kinder und Jugendliche in Foren und Onlinespiele durch Pädophile angesprochen werden. Dort gelte wie auf der Straße: Geh nicht mit Fremden mit.

Eltern müssen Respekt vorleben

Was hilft? Man müsse wissen, womit sich die Kinder im Netz beschäftigen, sagt Sponholz. Ihre Empfehlungen hörten sich nach Selbstverständlichkeiten an, aber sie habe die Erfahrung gemacht, dass es an diesen Dingen mangele. Dazu gehört: Erwachsene sollten nicht vor den Kindern über andere lästern, diese nicht mit Entscheidungen überfrachten, die ihren Horizont überschreiten, Erwachsene sollten Respekt vorleben und Kritik annehmen können – und die eigene Nutzung sozialer Medien und des Smartphones kritisch reflektieren. Eltern sollten ihre Kinder bei der Hand nehmen, und ihnen einen verantwortungsvollen Mediengebrauch beibringen. Denn: „Bei der Medienkompetenz handelt es sich eine soziale Herausforderung.“

Von Krischan Orth

Eine 13-Jährige ist auf einem Radweg an der L 40 in Großbeeren gestürzt. Dabei verletzte sie sich schwer.

28.05.2019

Nach einem Unfall an der Abfahrt Großbeeren musste am Montagnachmittag die B 101 kurzzeitig gesperrt werden. Ein Lada war in die Leitplanke gefahren.

28.05.2019

Zwölf Parteien und politische Gruppen dürfen künftig im Kreistag von Teltow-Fläming mitreden – so viele wie nie. Die Fraktionen müssen sich nun neu sortieren, auch weil der Kreistagsvorsitzende nicht wiedergewählt wurde.

27.05.2019