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Großbeeren Vor 20 Jahren bekam Großbeeren erstmals ein Wappen
Lokales Teltow-Fläming Großbeeren Vor 20 Jahren bekam Großbeeren erstmals ein Wappen
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20:21 01.08.2019
Michaela und Helmut Barthel schufen das Wappen für Großbeeren; erstmals seit 20 Jahren hat die Gemeinde nun eines Quelle: Jutta Abromeit
Großbeeren

Wolfgang Paul (FDP), Ex-Bürgermeister von Großbeeren, weiß noch genau, warum er dem Gemeinderat vor genau zwei Jahrzehnten vorschlug, ein Wappen für den geschichtsträchtigen Ort zu schaffen: „Überall fehlte ein Wappen – in der Politik und im Rathaus, bei Firmen und in den Vereinen“, erklärt der heute 80-Jährige. Deshalb habe er als ehrenamtlicher Bürgermeister dem Hauptausschuss vorgeschlagen, über ein Wappen nachzudenken.

Einstimmig empfahl das Gremium dem Gemeinderat, eines in Auftrag zu geben. Auch von dort kam Zustimmung. Mit einer Bedingung: Den Auftrag bekommt ein einheimisches Unternehmen.

Kopf des Großbeerener Gedenkturms. Quelle: Jutta Abromeit

Wegen seiner Referenzen erhielt das Büro Barthel & Barthel den Auftrag. Die gelernte Grafikerin und Typografin Michaela Barthel und ihr Mann Helmut, diplomierter Bio- und Chemielehrer, waren 1992 aus Berlin und Sachsen nach Großbeeren gezogen, gründeten dort ihre Firma und hatten für die Kirchengemeinden Heinersdorf, Groß- und Kleinbeeren bereits erfolgreich Kirchensiegel kreiert, mit denen zum Beispiel Messbecher graviert werden. Im Sommer 1999 stellten sie ihre Entwürfe vor.

Wappen sollte an die Geschichte erinnern

Das Wappen sollte natürlich an die Historie erinnern, an den Sieg der Truppen unter General von Bülow gegen die auf Berlin vorrückende französische Armee Napoleons. Viele Großbeerener hätten deshalb gern den Ortsbild-prägenden Gedenkturm im Wappen gehabt. Doch das ging nicht, erfuhren die Barthels, die Gesetze der Heraldik, der Wappenkunde, lassen nicht viel Spielraum: „Alles ist ganz eng vorgeschrieben“, erklärt Michaela Barthel, „welche Form ein Wappen haben darf, welche Tiere, Vögel, Gebäude, Fahrzeuge, Menschen oder übersinnlichen Wesen erlaubt sind.“

Plakat am gutshof-Tor für das Siegesfest Großbeeren 2018 - 205. Jahrestag des Sieges über die napoleonischen Truppen Quelle: Jutta Abromeit

Der Gedenkturm ist kein Gemäuer aus dem Mittelalter, so entfiel er als Symbol. „Und unser Auftrag war: Das Wappen des Geschlechts von Beeren sollte sich wiederfinden, es sollte Bezüge geben zur siegreichen Schlacht von 1813 und zur grünen Landschaft Großbeerens, und alle Ortsteile sollten geeint sein“, so Helmut Barthel. Der war damals noch nicht SPD-Landtags-, Kreistags- und Gemeinderatsmitglied, lediglich berufener Bürger im Bauausschuss.

Drei Entwürfe

Drei Entwürfe legten die Barthels der Öffentlichkeit damals vor. „Wir wollten, dass nicht nur der Gemeinderat darüber befand, sondern auch die Bürger mitredeten“, so die Grafikerin. Deshalb konnten Besucher sowohl des Schul- und Gemeindefestes als auch des Siegesfestes ihr Votum abgeben“, erzählt sie.

Blick vom Gedenkturm Richtung Berlin Quelle: Jutta Abromeit

Die große Mehrheit entschied sich sowohl beim Logo als auch beim Wappen für die heimlichen Favoriten des Ehepaars. Und so gewann im Gemeinderat der Entwurf des heutige Wappens: oben links grünes Eichenlaub auf weißem Grund, rechts ein schwarz-weißes Eisernes Kreuz und in der unteren Hälfte scheint ein weißer Schwan auf blauem Grund nach gelben Beeren zu schnappen.

Beeren in heraldischen Farben

Gelbe Beeren? „Gelb ist in der Heraldik Gold“, erklärt Michaela Barthel, „und nur Gold ist als Beerenfarbe erlaubt.“ Also heraldische Beeren. Sie sind der Bezug zum Namenspatron des Ortes, zum Geschlecht derer von Beeren, konkret Hans Heinrich Arnold von Beeren, genannt Geist von Beeren. Über fünf Jahrhunderte hinweg hatte die Adelsfamilie von Beeren ihren Sitz in Großbeeren. Seit 1775 lautete der Familienname Geist von Beeren. Hans Heinrich Arnold, der letzte männliche Vertreter der Familie, starb 1812.

Familienwappen Kleinbeeren Quelle: Ines Gloeckner

„Auch im Rückblick finde ich das Wappen immer noch ganz symbolisch“, sagt Helmut Barthel heute. Gerade im Fontane-Jahr werde öfter mal über den Wappen-Schwan gesprochen und es komme die Sprache auf Geist von Beeren. „Er war der Überlieferung nach ein Mann, der sich oft mit Obrigkeiten anlegt. Das machen wir Großbeerener doch auch heute noch...“, meint der Mitschöpfer. Und seine Frau sagt: „Natürlich ist man manchmal auch ein bisschen stolz, wenn man das Wappen irgendwo sieht. Aber wenn es irgendwo verzerrt verwendet wird, dann ärgert man sich auch mal ein bisschen.“

Urheberrechte blieben bei Barthels

Als Profi beschreibt sie damit nicht genehmigte Verwendungen des Wappens. Die Urheberrechte bleiben bei den Barthels, die Nutzungsrechte vergibt die Gemeinde. Und auch die verwendet das Wappen nicht auf alltäglicher Post, sondern als Hoheitszeichen nur zu bestimmten Anlässen. Für den täglichen Schriftverkehr gibt es das ebenfalls damals mit beauftragte und gewählte Logo.

Das alte Rittergut Kleinbeeren, einer der seltenen Brandenburger Renaissance-Bauten, ist saniert Quelle: Jutta Abromeit

Es blieb übrigens damals nicht nur bei Wappen und Logo, die Barthels schufen auch die Fahne. Alles zusammen ging in der Silvesternacht des Jahrtausend-Wechsels an den Start. Alt-Bürgermeister Paul erklärt: „Wir hatten ja in dieser Nacht auch die Feier zur Fusion von Heinersdorf und Großbeeren.“

Rathaus Großbeeren, rechts die grün-weiß-grüne Fahne Quelle: Jutta Abromeit

Es sei schon ein erhebender Moment, zur Fahnenweihe dort oben auf dem Gedenkturm zu stehen, 1000 Leute auf der Dorfaue zu sehen standen und das Banner zum ersten Mal zu entrollen. am Ende seiner Laudatio heißt es: „Grün-weiß-grün, die Fahne soll wehen, dem Ort zu Ehren. Uns, den Einwohnern von Großbeeren, stets Glück Freiheit und Frieden bescheren.“

Von Jutta Abromeit

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