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Großbeeren Joachim Warminski bleibt im Digitalzeitalter Bücherwurm
Lokales Teltow-Fläming Großbeeren Joachim Warminski bleibt im Digitalzeitalter Bücherwurm
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20:46 23.07.2018
Bei Joachim Warminski und seiner Frau sind auch die Wände gefüllt mit gedruckten Büchern. Quelle: Jutta Abromeit
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Großbeeren

Joachim Warminski liest Bücher nicht nur, seine Augen scannen sie manchmal, und das seitenweise. „Es richtet sich immer nach dem Inhalt, wie ich Bücher aufnehme“, sagt der Großbeerener. „Literatur, also wirklich gute Texte, lese ich Zeile für Zeile. Aber muss es schnell gehen, dann schaue ich aufs Schriftbild einer ganzen Seite und erfasse den Inhalt bis auf wenige Details. Fragen Sie mich bitte nicht, wie das geht.“

Natürlich fragt man sich, wie das geht. Zumal bei jemandem, der digitale Medien zu nutzen weiß und sie gern nutzt, der jedoch von echten Büchern nicht lassen kann, auch wenn sie jede Menge Platz beanspruchen. Und der selbst Rezensionen schreibt; der seiner Schwester zum 70. Geburtstag ein reich illustriertes, dickes Familienbuch schenkte, das den Nachkommen mehr als eine pure Chronik ist.

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Lebensdaten

Joachim Warminski wurde 1957 in Kreuzberg geboren, es folgten Abitur, kaufmännisches Studium und Windsurfen in Berlin.

Er ist seit 32 Jahren verheiratet, das Paar hat drei erwachsene Kinder. Zu seinem Berufsleben sagt er: „kaufmännischer Allrounder und Lösungsfinder in internationalen Automobilkonzernen und einem großen Immobilienkonzern“.

Seine Helden in der Literatur Albert Vigoleis Thelen, Siegfried Lenz, Uwe Timm, Ralf Rothmann. In der Musik mag er Chet Baker, John Coltrane, Uschi Brünung, Manfred Krug; in der Wissenschaft Marie Vurie, Albert einstein, Alexander von Humboldt.

Darin finden sich Fotos, Kassenbelege, und natürlich Geschichten und Anekdoten. Weil das fast alles in Berlin spielt, ist dieses Geschenk eigentlich auch ein Berlin-Buch geworden. Da hat auch der Historiker in ihm dem Bruder Stift und Finger geführt.

Der diplomierte Kaufmann war leitender Angestellter und lebt seit mehr als 20 Jahren in Großbeeren nahe dem Küsterteich. Bücher sammelt der 60-Jährige nicht zielgerichtet. Doch er und seine Frau leben inzwischen mit tausenden Exemplaren unter einem Dach.

Lieblingsbuch: „Die Insel des zweiten Gesichts“

Dennoch erinnert sich Joachim Warminski an sein erstes Buch ganz genau: „Der glückliche Löwe“. Seine deutlich ältere Schwester hatte es ihm geschenkt, als er gerade lesen konnte. Später waren es Abenteuerbücher, die ihn fesselten, „natürlich Karl May“, erzählt er. Oder „Andrés Luftfahrt“ und „Der Mann, der überlebte“.

Trotz aller Werke, die er im Laufe seiner Lebensjahre las, hat er „ein absolutes Lieblingsbuch“; darin verzichte der Held lieber auf Brot als auf Bücher: „Die Insel des zweiten Gesichts“ von Albert Vigoleis Thelen. „Dieses Werk verbindet für mich ganz vieles, was die Welt der Bücher ausmacht – Historie, Fantasie und es strotzt vor Anregungen, was man noch lesen sollte“, sagt Warminski.

Berührend: Parallelen zur Familie

Und auf die Frage, was genau für ihn ein gutes Buch ausmacht, erklärt er: „Es ist für mich berührend, wenn ich in einem fremden Buch Parallelen zu unserer Familie lese.“ Das sei jüngst in Ralf Rothmanns Roman „Der Gott jenes Sommers“ gewesen. Nach dem Lesen sehen seine Bücher übrigens anders aus als vorher – bunte Marker zieren ihren Rand.

Dennoch gibt es Lebenslagen, in denen sich auch Joachim Warminski von Büchen trennen musste. Aus den Elternhaushalten habe die Familie etwa drei Tonnen Bücher wegwerfen müssen – weil es Schund war, weil sie beschädigt oder doppelt waren, erzählt er. „Aber selbst das ist mir schwer gefallen...“

Extra-Gepäck: eine Bücherkiste

Natürlich habe er versucht, Bücher elektronisch zu lesen, natürlich nutzt er die digitalen Medien. „Aber wie ich ein Buch lese, wie ich es mir erschließe, dem kommt die physikalische Form sehr entgegen“, sagt er. Deshalb reist in jeden Warminski-Urlaub auch ein Extra-Gepäckstück mit, eine Bücherkiste. Für seine Frau enthält sie vorrangig Krimis. Doch der Literat konsumiert Geistesgut auch auf andere Weise: als Hörbuch. Zurzeit ist er bei 30 Stunden Jean-Jacques Rousseau. Die begleiten ihn auf dem Crosstrainer.

Nun muss aber jemand, der gern liest, nicht zwangsläufig Rezensionen schreiben. Schon gar nicht, wenn er eine Familie mit drei Kindern und einen Ganztagsjob hat. Wie kommt man da auf die Idee, Bücher zu rezensieren? Auch das ist für Warminski fast logisch: „Über den Austausch zu Büchern und Literatur mit Freunden oder den Lehrern der Kinder. Man schreibt einfach Zusammenfassungen, die neugierig machen, aber nicht zu viel verraten sollen.“

Am 26. Juli: „Die Bücherschmuggler“

Die nächste Gelegenheit, eine solche Rezension zum besten zu geben, hat der Großbeerener am 26. Juli im Buchcafé Lichterfelde. Dann stellen sich Kunden dort das nächste Mal gegenseitig inspirierende Werke vor. Joachim Warminski hat seine Zeilen für diesen Abend über „Die Bücherschmuggler“ verfasst.

Von Jutta Abromeit

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