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Großbeeren Mauerteile müssen an der alten Grenze stehen, finden zwei Osdorfer
Lokales Teltow-Fläming Großbeeren Mauerteile müssen an der alten Grenze stehen, finden zwei Osdorfer
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14:22 23.11.2019
Die ehemaligen Osdorfer Heinz Strietzel (83 Jahre) und Helga Gartzky (79) am Gedenkstein für den Ort, der für die Mauer weichen musste. Quelle: Jutta Abromeit
Osdorf/Heinersdorf

„Vielleicht 20 von uns leben noch.“ Das schätzen die beiden ehemaligen Osdorfer Heinz Strietzel und Helga Gartzky, geborene Piontek. Sagen sie „wir“, meinen sie die Dorfbewohner, die 1969 für den Mauerbau den 100-Seelen-Ort an der dicht gemachten Grenze zu Westberlin verlassen mussten. Eines möchte der 83 Jahre alte Heinz Strietzel noch erleben: „Die Mauerteile, die in Heinersdorf stehen, die müssen unbedingt nach Osdorf, da gehören sie hin.“

Die beiden Betonplatten der Berliner Mauer neben der Feuerwehr im Großbeerener Ortsteil Heinersdorf, sichergestellt nach dem Mauerfall von Karl-Heinz Valentin, dem damaligen Bürgermeister der Gemeinde Osdorf, die nur noch aus Heinersdorf bestand. von Osdorf steht nur noch eine Scheune an der alten Grenze. Quelle: Jutta Abromeit

Diese beiden Mauersegmente – Betonplatten, mit Gedenksätzen auf kleinen Tafeln – stehen neben der Feuerwehr im benachbarten Heinersdorf. Ob sie mal an der alten Grenze beiderseits der Osdorfer Straße aufgestellt werden oder künftig neben der Osdorfer Scheune mahnen, das ist Strietzel egal. Nur so, wie’s jetzt ist, dürfe es nicht bleiben, findet der Blankenfelder.

Helga Gartzky pflegt seit Jahrzehnten Gedenkgräber

Ebenso wie Helga Gartzky hat er vier Geschwister. Beide erzählen wie es war, damals in der Kinder- und Jugendzeit vor 1961 zwischen den 30 Häusern von Osdorf. „Der kleine See wurde Pionteks Puhl genannt, weil wir daneben wohnten“, erzählt Helga Gartzky. Sie pflegte schon damals Gedenkgräber, machte das auch, als die nach Heinersdorf verlegt wurden. Und sie pflegte den Gedenkstein an der Scheune Osdorf, damit er nicht zuwucherte. Seit 2003 erinnert er an die alte Grenze und trug eine Gedenktafel. Die ist seit Anfang des Jahres weg, abgerissen. Die beiden alten Osdorfer macht das wütend. Sie erinnern sich an den rostigen Stacheldraht, der in der Nacht zum 13. August 1961 gezogen, später von stabilerem ersetzt wurde. Dann folgte eine gemauerte Mauer. Als 1969 die bekannten grauen Beton-Segmente gesetzt wurden, mussten sie alle wegziehen.

Kinder an Pionteks Puhl, dem kleinen Osdorfer See neben dem Haus der Pionteks. Quelle: Privat

Bürgermeister Borstel: Fehlende Gedenktafel wird ersetzt

Für den 38 Jahre alten Großbeerener Bürgermeister Tobias Borstel (SPD) ist all das Geschichte. Allerdings wunderte auch er sich jüngst über die verschwundene Tafel. Er hatte sie jemandem zeigen wollen: „Ich war richtig erschrocken, das kann so natürlich nicht bleiben.“ Die Verwaltung sei im Moment ohnehin dabei, alle Gedenktafeln im Gemeindegebiet zu reparieren oder wieder lesbar zu machen, sagt er. „Da werden wir diesen Ersatz mit in unsere Liste aufnehmen.“ Als ehemalige Grenzgemeinde zu Westberlin sei das eine Facette der Erinnerung, die für Großbeeren ganz wichtig ist, so Borstel.

Zu der Idee, die Heinersdorfer Mauerteile in die Nähe ihrer früheren Standorte zu bringen, erklärt er: „Grundsätzlich ist es vor allem wichtig, dass sie überhaupt gerettet wurden.“ Da in der Gemeinde zurzeit Planungen für das gesamte Wohnbau-Entwicklungsgebiet Gutspark Heinersdorf liefen, wolle er nicht vorschnell Entscheidungen anregen, die womöglich keinen Bestand haben, so der Bürgermeister.

Einzig die Scheune steht noch

Eine ganz unerwartete Idee wird vielleicht viel schneller umgesetzt: Beim MAZ-Fototermin am Freitagmorgen begegneten Heinz Strietzel und Helga Gartzky Daniel Ebel. Er ist Vater einer der beiden Familien, die jetzt in der Osdorfer Scheune leben, dem einzig erhaltenen Gebäude des Ortes. Umgehend rief er seinen Vater an, der sich sehr für die Geschichte des geschliffenen Ortes interessiert.

Und der Zehlendorfer kam. Rentner Stephan Ebel sah sich viele der Fotos und Dokumente von den beiden Ex-Osdorfern an. Die fuhren schließlich motiviert nach Haus. Denn Ebel hatte gefragt: „Warum machen wir nicht hier in der Scheune ein Treffen ehemaliger Osdorfer?“ Nun suchen die beiden Senioren Adressen und Telefon-Nummern ihrer früheren Mitbewohner zusammen. Vielleicht wissen sie dann, wie viele Osdorfer noch leben. Und vielleicht gelingt es dann mit der Kommune, so hoffen sie, einen neuen Platz für die Mauerteile von Heinersdorf zu finden.

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