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Großbeeren Großbeeren ist im Umbruch
Lokales Teltow-Fläming Großbeeren Großbeeren ist im Umbruch
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17:31 23.04.2019
Blick von der Brücke über die Anhalter Bahn aufs GVZ Großbeeren. Dieses Sondervermögen ist eine besondere Herausforderung für den Ort. Quelle: Jutta Abromeit
Großbeeren

Eine sehr turbulente Legislaturperiode geht in Großbeeren zu Ende. Sie wurde in dem rasant wachsenden Zuzugsort von zwei Ereignissen dominiert.

Zwei Streitpunkte

Zum einen platzte Ende 2015 eine Idee, das Riesenbaugebiet An den Saufichten mit 20 Hektar lukrativer Fläche vor den Toren der Hauptstadt in einem Ritt zu entwickeln. SPD, FDP, FBB und Linke lehnten den dafür von Verwaltung und CDU avisierten 51-Prozent-Verkauf der kommunalen Wohnungsgesellschaft ab. Damit litt die sonst hochgehaltene Einmütigkeit in dem geschichtsträchtigen Ort. Und Anfang 2018 wurde mit dem Potsdamer Tobias Borstel (SPD) nach 16 Jahren Carl Ahlgrimm (parteilos/dann CDU) ein neuer Bürgermeister gewählt. Dieser Wahlkampf seit Ende 2017, sein nicht erwartbares Ergebnis und daraus erwachsende Grabenkämpfe strahlen bis heute auf viele Entscheidungen aus, Ahlgrimm ging ohne offiziellen Abschied in den Ruhestand. Dabei braucht die Gemeinde, die wie alle Speckgürtel-Nachbarn mit Personalnot und Handwerkermangel bei kommunalen Großvorhaben ringt, alle Kraft.

Gemeinde Großbeeren

Großbeeren ist eine amtsfreie Gemeinde im Landkreis Teltow-Fläming.

Einwohner: 8833 (Stand 31. März 2019)

Fläche: 51,94 Quadratkilometer

Großbeeren hat drei Ortsteile: Diedersdorf, Heinersdorf und Kleinbeeren. Der Ort liegt mit 169 Menschen pro Quadratkilomter bei der Bevölkerungsdichte weit über dem Durchschnitt des Landkreises (77). Bekannt ist der Ort vor allem wegen der Schlacht vom 23. August 1813: Preußische Truppen unter General von Bülow besiegten die napoleonischen Truppen und verhinderten eine erneute Besetzung von Berlin. Zum Gedenken an diese Schlacht wird jährlich Ende August das Siegesfest gefeiert.

Hortbau geschafft

Zu den Erfolgen der zu Ende gehenden Wahlperiode gehört der nach 20 Jahren endlich geschaffte Hortneubau. Offen ist der Start ins kommunale Finanzzeitalter doppelter Haushaltsführung (Doppik), der eigentlich 2011 vollendet sein sollte: Großbeeren ist die letzte Gemeinde im Kreis, der die Eröffnungsbilanz fehlt. Das hat vor allem mit der landesweiten Ausnahme zu tun, dass Großbeeren ein Güterverkehrszentrum (GVZ) in Gemeinde-Regie führt. Die Unklarheiten zu diesem Sondervermögen sind der Hauptgrund für das Desaster. Die Auswirkung: der Gemeinderat weiß nicht, wie viel Geld verfügbar ist.

Wer regiert jetzt?

Bürgermeister: Tobias Borstel (SPD)

Gemeindevertreter (18 Sitze):

CDU 6

SPD 4

FDP 3

FBB 2

Die Linke 1 (+ 1 Mandat unbesetzt)

Fraktionslos 1

Streit in der CDU

Bei diesen kommunalpolitischen Erdbeben verstieß der CDU-Ortsverband sein Sprachrohr Dirk Steinhausen: Vor einem Jahr wurde der langjährige Vorsitzende und Fraktionschef aus Ortsverband und Fraktion ausgeschlossen, aus der CDU trat Steinhausen selbst aus. Der nun fraktionslose Gemeindevertreter gründete die Wählergemeinschaft Wir für Großbeeren, er steht auf deren sieben Köpfe zählender Kandidatenliste an der Spitze. Michael Richter (CDU), aktuell Gemeinderatsvorsitzender und Ortsbeiratsmitglied in Kleinbeeren, findet sich auf keiner Kandidatenliste mehr. Der bisherige CDU-Mann Ralf Justawitz kandidiert erneut für den Ortsbeirat Heinersdorf, jetzt jedoch parteilos.

Linke Einzelkämpferin

Eine besondere Konstellation gibt es für ein Urgestein unter den Gemeindevertretern: Irene Pacholik hatte als alleinige Kandidatin der Partei Die Linke 2014 so viele Stimmen errungen, dass die für zwei Mandate reichten. Doch mangels Personen blieb so über die gesamten fünf Jahre einer der 18 Sitze im Gemeinderat unbesetzt. Pacholik arbeitet zurzeit fraktionslos in der Gemeindevertretung.

FBB-Mitglieder wechseln zu den Grünen

Des Weiteren fehlt auf den Wahlzetteln der Großbeerener am 26. Mai eine gewohnte Gruppe: das Freie Bürgerbündnis (FBB). Seine Mitglieder hatten im Januar einstimmig beschlossen, Gründung und Aufbau eines Ortsverbandes Bündnis 90/Die Grünen zu unterstützen. Das ist passiert, Vorsitzender ist der FBB-Bürgermeister-Kandidat Michael Voigt, sein Stellvertreter wurde Christian Busch. Der Ortsverband hofft nun, die aktuell bundesweite Sympathiewelle für die Grünen nutzen zu können und mehr als die bisherigen zwei FBB-Mandate im Gemeinderat zu besetzen. Spitzenkandidatin ist Ute Grams, gefolgt von Busch und Claudia Gaebert, Voigt kandidiert auf Listenplatz sechs.

Wer tritt an?

SPD: Helmut Barthel, Petra Brückner, Ronald Gatzky, Claudia Müller, Daniel Stachnik, Heike Löchel, Günter Pächnatz, Jutta Böttcher, Wolfgang Wende, Sonja Vollheit, Thomas Lochthofen, Andreas Meyer, Klaus Maaßen, Bernhard Brückner, Patrick Mierzwa, Wilhelm Vollheit

Die Linke: Irene Pacholik, Reinhard Tietz

CDU: Adrian Hepp, Lamiss Bresemann, Martin Wonneberger, Martin Görler-Czarnecki, Claas Hasslinger, Michael Exner, Jürgen Kath, Mike Runge, Claudia Dubro, Manfred Seelig, Norbert Stäblein

Bündnis 90/Die Grünen: Ute Grams, Christian Busch, Claudia Gaebert, Daniel Krause, Susanne Lüer, Michael Voigt, Ulrike Reschke, Rolf Brand, Jan-Henrik Lüer, Sönke Schlör

FDP: Teja Grzeskowiak, Ralf Pächnatz-Löwendorf, Lars Lempio, Silvana Müller, Doreen Janke, Olaf-Andreas Wolf, Mirko Grüneberg, Marco Heymann

Wir für Großbeeren (WfG): Dirk Steinhausen, Isabelle Wehlmann, Detlev Siegmann, Claudia Blume Rottenbiller, Thomas Thiel, Gerhardt Rückner, Constanze Krause

Einzelwahlvorschlag: Jan Bartoszek

Ortsbeiräte werden völlig neu besetzt

Völlig neue Ortsbeiräte wird es in Diedersdorf und Kleinbeeren geben, die bisherigen jeweils drei Mitglieder treten komplett nicht mehr an. In Diedersdorf kandidieren Dirk Steinhausen, Detlev Siegmann, Mario Deumer (alle WfG) und Mike Runge (CDU), in Kleinbeeren Tina Löchel (SPD), Martin Wonneberger (CDU) und die drei Einzelbewerber Petra Cremer, Burghard Oeverhaus und Jan Rüdiger.

Von Jutta Abromeit

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