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Großbeeren Clemens Starick baut in Neubeeren Hausboote
Lokales Teltow-Fläming Großbeeren Clemens Starick baut in Neubeeren Hausboote
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18:34 02.08.2019
Solche Hausboote fertigt Clemens Starick mit seiner 3-Mann-Firma Elysion Boot im Gewerbegebiet Neubeeren Quelle: Jutta Abromeit
Neubeeren

Autos, Flugzeugteile und Turbinen, Krautschläger und Motorroller, P3 und Sprinter – in der Region zwischen Ludwigsfelde, Schönhagen und Wildau wird alles Mögliche an Fahrzeugen hergestellt. Bootswerften gibt es eher im Kreis Dahme-Spreewald, fern der Gewässer sucht man sie kaum. Doch im kleinen Gewerbegebiet Neubeeren entstehen Boote, schwimmende Wohnungen, in denen ihre Besitzer das ganze Jahr über leben können – Hausboote.

Dort nah der B 101 hat Clemens Starick, diplomierter Ingenieur für Fahrzeugtechnik, seine „Werft“, die Drei-Mann-Firma „Elysion“. Benannt ist sie nach der griechischen Mythologie: „Insel der Seligen“. Der 48-Jährige beschäftigt einen Zimmermann und einen ehemaligen Elektriker aus dem Autowerk Ludwigsfelde.

Schwimmer-Konstruktion spart Gewicht

Gemeinsam bauen sie sieben bis 20 Meter lange Hausboote. Genauer gesagt, schwimmfähige Rohlinge: Jede der Stahl- und Holz-Konstruktionen wird von zwei oder drei geschweißten Aluminium-Schwimmkörpern getragen, jeder knapp einen Meter im Durchmesser. Ohne den Hausaufbau sind diese Schwimmer im Gegensatz zu anderen Hausboot-Unterbauten nicht verbunden. „Das spart eine ganze Menge Gewicht“, erklärt Starick.

Blick auf einen Schwimmer unter einem der Elysion-Hausboote. Quelle: Jutta Abromeit

Und ums Gewicht dreht sich beim Hausboot-Bau alles, jedes Kilogramm zählt. Der Berliner Clemens Starick wollte Hausboote professioneller bauen, als er sie über Berliner und Brandenburger Gewässer schippern sieht. Deshalb setzt er sich mit einem Statiker zusammen. „Ich wusste zwar als Fahrzeugbauer wie ,Boot’ geht, hatte aber vom Hausbau keine Ahnung“, erzählt er. Das Ergebnis der Tüftelei: Ein wasserdichter Hauskörper aus verzinktem und Kunststoff-beschichtetem Stahlblech mit einem Unterbau für rund 18 Tonnen Auftrieb.

Wahlweise Camping- oder Normalstrom

Das heißt: Eingebaut werden können neben Wasser- und Abwassertanks Elektroanlagen für 12-Volt-Campingstrom oder 220 Volt Normalstrom, je nach dem, ob der Besitzer autark Urlaub machen will oder sich in einem Hafen ans Stromnetz anschließt. Hinzu kommen zwei Motoren mit wenigstens 50 PS, Inneneinrichtung, vielleicht 500 Kilogramm für eine Küche. Und natürlich das Gewicht der Passagiere.

Aufhängung am Heck für einen Motor. Quelle: Jutta Abromeit

Stolz ist Starick darauf, dass alle Rohstoffe „Made in Germany“ seien: Aluminium, Stahl und Holz. Dafür sucht er Anbieter zuerst in der Region. „Für den Aufbau verwenden wir sogenannte Vollhölzer, ausschließlich Fichte, Kiefer und Tanne.“ Ist so ein schwimmender Rohling fertig, bekommt er eine Konformitätsbescheinigung, ähnlich einem Fahrzeugbrief, zulassen können die Hausboote in Deutschland drei Verbände, einer davon ist der ADAC.

Hausboote werden auch als wissenschaftliche Stationen genutzt

Gefragt sind Staricks Hausboote nicht nur bei Privatleuten; auch Institute bestellen sie als Versuchsträger, um darin wissenschaftliche Stationen unterzubringen. Und das gerade fertig gewordene Boot ersetzt künftig einen Firmenbau in Süddeutschland: „Ein Lauftherapeut lässt ein Stück Tartanbahn aufs Dach legen. Dort und auf Ergometern auf der Terrasse wird er seine Patienten kurieren“, so Starick.

Fenster und Türen werden nach Kundenwünschen positioniert. Quelle: Jutta Abromeit

Derzeit würden seine Kunden ausschließlich Hausboote mit anthrazitfarbener Außenhaut bestellen, erklärt der Unternehmer. Nur wegen der Abwechslung baut er gerade ein braunes Häuschen auf zwei Schwimmkörper. „Anthrazit ist der Zeitgeist, die Leute wollen mit diesem Boot so etwas wie die Verlängerung ihres Eigenheims haben“, sagt er. Von seiner Idee, ein Boot maritim in Blau-Weiß zu gestalten, wurde ihm dringend abgeraten, das würde jetzt niemand kaufen.

Romantik ist derzeit weniger gefragt

Spielereien, wie sie in England auf der Themse mit dunkelblauer, dunkelgrüner oder weinroter Außenhaut fahren, Messing-verziert und mit Blumenkästen, seien hierzulande nicht „in“. „Aber unser Motto ist: Wir bauen Hausboote für Macher, für Individualisten und Romantiker – mit diesem Rohling ist alles möglich“, erklärt Starick. Wie beim richtigen Hausbau gebe es zwei Gruppen von Kunden: die, die Geld haben und alles machen lassen, und die, die rechnen müssen und so viel wie möglich selbst bauen.

Von Jutta Abromeit

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