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Großbeeren Restaurant-Besitzerin kürzt ihre Öffnungszeiten wegen Personalmangels
Lokales Teltow-Fläming Großbeeren Restaurant-Besitzerin kürzt ihre Öffnungszeiten wegen Personalmangels
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06:08 13.07.2019
Wollte ihr Landhaus schließen, weil sie keine Angestellten findet: Gastronomin Birgit Thom (61) aus Großbeeren Quelle: Privat
Großbeeren

Birgit Thom (61) aus Großbeeren ist am Ende ihrer Kräfte. Ihr Arbeitstag hat oft 17 Stunden. Dann hetzt sie meist schnell nach Hause, um wenigstens noch drei Stunden Schlaf zu bekommen. Birgit Thom ist Gastronomin. Seit sechs Jahren betreibt sie das Landcafé in der Berliner Straße von Großbeeren, vor drei Jahren eröffnete sie dazu noch das Restaurant Landhaus in derselben Straße. „Eigentlich, um das Landcafé zu entlasten, denn der Laden brummt“, so Birgit Thom. Doch sie hatte überlegt, es Ende Juli wieder zu schließen, obwohl sie sich vor Gästen nicht retten kann. Die Gastronomin: „Ich finde einfach kein Personal. Und mit den wenigen Angestellten schaffe ich das einfach nicht mehr.“

Das Landcafe in Großberren Quelle: Privat

Für Birgit Thom hat das Problem zweierlei Gründe: „Die jungen Leute wollen heute lieber Party machen und mit Schminktipps bei Youtube reich werden und schon gar nicht an den Wochenende arbeiten“ Das andere sei, dass man von Großbeeren abends nicht mehr wegkommt. „Wer aus Berlin oder von woanders herkommt und bei mir arbeitet, kommt ohne Auto nicht nach Hause. Ich muss ständig meine Angestellten zum nächsten Bahnhof oder Bus fahren und deshalb auch schon mal um 21 Uhr schließen. Es gibt keine Verkehrsanbindung.“

Landhaus Großbeeren Quelle: Privat

Birgit Thom sucht Fachpersonal. „Ich habe Studenten gehabt, die dann aber wieder aufhören mussten, weil die Uni rief. So eine Einarbeitung dauert mindestens drei Monate. Ich brauche richtige Servicekräfte auf Dauer. Da reicht es nicht einen Teller hin und herzutragen, sondern man muss daneben auch Bestellungen auf Zuruf entgegen nehmen, das Klingeln aus der Küche registrieren und sich alles merken können.“ Birgit Thom hat jetzt radikal ihre Öffnungszeiten reduzieren müssen. „Wenn meine beiden Söhne nicht einspringen würden, hätte ich am 31.7 das Landhaus dicht gemacht. So öffne ich es nur noch am Wochenende und für Veranstaltungen. Schade, hätte ich dauerhaft mehr Personal, könnte ich wieder länger öffnen.“

Fachkräfte fehlen überall

Damit ist Birgit Thom nicht alleine. Fachlich geschulte Arbeitnehmer werden immer mehr zur Mangelware. Nicht nur deutschlandweit, auch in der Region Teltow Fläming. Im Landkreis gibt es zur Zeit 3960 Arbeitslose. Trotz guter Konjunktur und fast konstanter Arbeitslosenzahlen (die Quote liegt wie im Jahr zuvor bei 4,3 Prozent) fürchten regionale Betriebe und Unternehmen um ihre personelle Zukunft.

Noch 698 freie Ausbildungsplätze – nur 498 Bewerber

Laut der Arbeitsagentur Potsdam gibt es in Teltow Fläming noch 698 freie Ausbildungsplätze und im Gegenzug 498 junge Leute, die einen Ausbildungsplatz suchen. Pressesprecherin Doreen Ließ (41): „Aber nicht alle Jugendliche wollen alles machen. Einige sagen es entspräche nicht ihren Vorstellungen. Wir weisen darauf hin, dass man mit schlechten Noten in Mathe vielleicht nicht in die Logistik gehen sollte. Aber es gibt ein Recht auf freie Berufswahl. Dann fehlt es oft auch noch an praktischen Erfahrungen.“

Jugendberufsagenturen an zwei Standorten

Die Berufswahl ist ein längerer Prozess. Die Arbeitsagentur will junge Leute erreichen. In Teltow-Fläming gibt es bereits an zwei Standorten Jugendarbeitsagenturen, in Luckenwalde und in Zossen. „Wir wollen erreichen, dass junge Leute nach der Schule nicht auf der Straße sitzen“, so Ließ. Zusätzlich gehen sie mit Koffern gespickt mit sogenannten Virtuellen Reality Brillen (VR-Brillen) in die Schulen, um den Jugendlichen „erlebbare Berufsberatung“ zu vermitteln. Doreen Ließ hat das Projekt mit aufgebaut: „Wir zeigen ihnen praktisch den Blick in die Zukunft. Knapp 70 Ausbildungsberufe können sie durch diese Brille kennen lernen. Wie man Maschinen steuert oder was ein Lackierer macht. Es ist schon eine Herausforderung an die Jugendlichen ranzukommen, da sie immer wieder auf anderen Kanälen unterwegs sind. Aber es ist schon zarter Hauch von Erfolg zu spüren und ein Anfang.“

Von Marlene Schmidt

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