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Teltow-Fläming „Hartz und herzlich“: So wehrt sich ein Einwohner gegen die Darstellung seines Ortes
Lokales Teltow-Fläming „Hartz und herzlich“: So wehrt sich ein Einwohner gegen die Darstellung seines Ortes
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22:14 24.10.2019
Weil er und seine Nachbarn unzufrieden mit der RTL-2-Darstellung sind, dreht Helmut Balke jetzt eine eigene Doku über Altes Lager. Quelle: Isabelle Richter
Altes Lager

„So ist Altes Lager ohne RTL 2: Die Wahrheit, die im TV nicht gezeigt werden soll“: Unter diesem Motto hat Einwohner Helmut Balke ein Reaktionsvideo auf die Sozialreportage „Hartz und herzlich“ bei Youtube veröffentlicht.

Der Privatsender hatte die dreiteilige Doku 2018 in dem Ortsteil der Gemeinde Niedergörsdorf (Teltow-Fläming) gedreht und noch vor der Erstausstrahlung am 29. Oktober Empörung damit ausgelöst – nicht nur von Helmut Balke wird ein Imageschaden für Altes Lager befürchtet. Die Gemeinde Niedergörsdorf schaltete sogar einen Anwalt ein.

 

RTL 2 zeigt in „Hartz und herzlich“ unter anderem den Bereich rund um die Kastanienallee. Auch in Balkes Video ist diese Gegend nun zu sehen. Er tritt in dem rund sechsminütigen Clip persönlich vor die Kamera und erklärt, warum Altes Lager für ihn und seine Familie so lebenswert ist.

Schon über 700 Klicks

Das erste von mehreren geplanten Videos wurde seit der Veröffentlichung am Sonntag bereits über 700 Mal bei Youtube aufgerufen. Schon als der 50-Jährige die Gegenaktion im Oktober auf seinem persönlichen Facebook-Account angekündigt hatte, gab es viele Reaktionen. Viele Einwohner unterstützten die Aktion und wollten sich ebenfalls einbringen.

Weil das erste Video schon so viele Fans hat, musste schnell Nachschub her. Am Donnerstag ging Helmut Balke deshalb erneut mit seiner Kamera auf Tour, um weitere Bilder aus dem Ort einzufangen. Das Ergebnis soll schon in Kürze erscheinen.

SG Blau-Weiß im Fokus

In der gerade abgedrehten Episode wird unter anderem das sportliche Treiben in Altes Lager thematisiert. Eine große Rolle spielt dabei das ehemalige Militärstadion und die heutige Heimat der SG Blau-Weiß Altes Lager und des Tennsiclubs Jüterbog.

Ein Interview mit dem Blau-Weiß-Vorsitzenden Sven Müller hat Helmut Balke bereits geführt – allerdings telefonisch und ohne Kamera. Denn wie Balke berichtet, ist es gar nicht so einfach, die gewöhnlichen Bewohner von Altes Lager mitten am Tag vor die Linse zu bekommen. „Viele wollen gerne etwas vor der Kamera sagen, nur leider passen sie nicht ins RTL-2-Klischee und gehen alle arbeiten. Deshalb ist es ein bisschen schwierig mit den Terminen“, witzelt Balke.

„Alkoholiker und Arbeitslose gibt es überall“

Auch er und seine Frau sind berufstätig und wohnen mit ihren Töchtern in einem der Wohnblocks im angeblichen Brennpunktviertel. Die Familie zog vor sieben Jahren aus Hessen nach Altes Lager. Ihre Wahl bereuen die Balkes nicht. Denn im Gegensatz zur Hauptstadt Berlin, wo sie sich anfangs auch nach einer Wohnung umschauten, sei Altes Lager aus ihrer Sicht deutlich kinder- und hundefreundlicher.

Zudem hätten sie in dem Niedergörsdorfer Ortsteil schnell Anschluss gefunden. „Mit 80 Prozent der Anwohner haben wir ein super Verhältnis“, erzählt Helmut Balke. Dass Altes Lager dennoch nicht ohne Makel ist, gibt Helmut Balke ebenfalls zu. Denn natürlich gebe es auch Alkoholiker und Arbeitslose in dem Niedergörsdorfer Ortsteil. „Aber wo gibt’s die nicht?“, fragt Balke und erinnert sich daran, dass seine Familie auch schon in vermeintlich gehobeneren Gegenden gewohnt hat, wo das Thema Alkohol ebenfalls präsent war oder Kinder von ihren Eltern vernachlässigt wurden.

Balke findet: Zuschauer sollten nicht vorschnell urteilen

Obwohl Helmut Balke die Ausstrahlung der RTL 2-Sendung am kommenden Dienstag am liebsten verhindern würde, nimmt der 50-Jährige das Ganze inzwischen mit Humor. Immerhin wüssten er und seine Mitbürger ja, wie die Realität wirklich aussieht. Von Außenstehenden würden viele Einwohner aus Altes Lager derzeit jedoch häufig mit den Klischees konfrontriert. „Man wird überall darauf angesprochen“, so Balke. Das Image des Ortes ist also durchaus angekratzt.

Helmut Balke findet jedoch, dass man bei solchen Themen generell nicht vorschnell urteilen und immer alle Seiten betrachten sollte. Seine Empfehlung deshalb: Als Zuschauer auch mal in seine Videos reinzuschauen, um sich ein eigenes Bild von Altes Lager zu machen.

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Von Isabelle Richter

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