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Teltow-Fläming Abschied von ortsprägendem Gelände
Lokales Teltow-Fläming Abschied von ortsprägendem Gelände
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12:12 23.03.2019
Die Hauptproduktionsanlage ohne Schornstein Quelle: Eva Erbach
Mellensee

Als Otto Pflüger 1898 das Sägewerk seines Vaters Karl Pflüger an der Wasser- und Sägemühle am Nottefließ übernahm, eröffnete er einen Zimmerplatz zur Lagerung von Holz – voller Hoffnung ein erfolgreicher Unternehmer zu werden. Aus dem Zimmerplatz wurde seinerzeit ein Baugeschäft mit 20 Maurern und Zimmerleuten und aus dem Sägewerk der Wassermühle, die vor dem Großbrand 1879/80 eine Säge-und Getreidemühle gewesen war, eine Dampfschneidemühle und eine Holzbearbeitungsfabrik, mit neuem Standort in der Bahnhofstraße.

Baugeschäft an der Nottebrücke

In der Bahnhofstraße, unweit der Nottebrücke befand sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Firma Otto Pflüger: Baugeschäft für Hoch- und Tiefbau, Holzhandlung und Dampfschneidemühle und Holzbearbeitungsfabrik Mellen, mit eigenem Anschlussgleis an die Militärbahn Zossen-Kummersdorf.

Otto Pflüger prägte den Ort

Otto Pflüger gilt als einer der Baumeister des Ortes, denn ihm hat der Ort nicht nur die Gründung der späteren Borsigwerke auf dem Gelände in der Bahnhofstraße zu verdanken, sondern auch den Bau der Villen in der Bahnhofstraße, wie seine eigene Villa „Waidmannsruh“. Außerdem war er Bauherr der modernen Schule mit mehreren Klassenräumen und einer Lehrerwohnung an der Hauptstraße.

Briefkopf 1908 einer Rechnung an Paul Elbers Zossen Quelle: Museum des Teltow

1933 wurde die ehemals Pflügersche Firma zu einer Zweigstelle des Borsigwalder Holzvertriebes. Das war die Geburtsstunde des größten Arbeitgebers des Ortes. Borsig, wie die Arbeiter es liebevoll nannten, beschäftigte über Jahrzehnte Generationen aus Mellensee und Umgebung, aber während der Nazizeit auch Zwangsarbeiter aus Polen und Frankreich. Die Fabrik lag günstig an der Militäreisenbahn, ZossenJüterbog, die bereits nach dem 1.Weltkrieg für den Personenverkehr freigegeben worden war. Borsig besaß einen eigenen Gleisanschluss zur Anlieferung von Holz und zum Abtransport der Auftragsarbeiten nach Berlin. Wie viele andere Betriebe der Umgebung, zum Beispiel die Ziegeleien von Klausdorf oder die Kalksandsteinfabrik in Mellen /gebaut 1903, die 1910 abbrannte und auf deren Gelände später die Holzchemie entstand, ebenfalls mit eigenem Gleisanschluss) wurde unter anderem auch in den Mellener/ Mellenseer Betrieben das Material für den Bau der Häuser der Hauptstadt Berlin gefertigt.

1950 entstand der VEB Holzindustrie Mellensee

1950 wurde dann aus der Borsigwalder Holzfabrik ein Volkseigener Betrieb (VEB). Der VEB Holzindustrie Mellensee – mit circa 100 Arbeitern und Angestellten und einer eigenen Verwaltung – arbeitete teilweise noch mit den Maschinen aus der Vorkriegszeit. Trotzdem war er bemüht Schritt zu halten mit den Forderungen der neuen Gesellschaft.

Zur Produktionspalette gehörten unter anderem Spanplatten, Pritschen für den Lkw W 50, aber auch Fertighäuser, wie sie in den 1950er Jahren als Reparationsleistungen in die Sowjetunion gingen. Neben dem Werk in der Bahnhofstraße in Mellensee und an der Saalower/ Ecke Horstfelder Straße standen zwei solcher Modelltypen, die als Wohnhäuser in die europäischen Dörfer der Sowjetunion gingen.

Modelltyp der Reparationshäuser Quelle: Eva Erbach

Das Werk war auch ein Ausbildungsbetrieb. Dort fand Unterricht in der Produktion und im Fach Werken der örtlichen zehnklassigen Oberschule statt. Aber auch das kulturelle Leben kam bei den „Borsigleuten“ nicht zu kurz. Viele der Arbeiter trafen sich nach der Schicht in der Gaststätte Köhler auf ein Feierabendbier, Tippgemeinschaften wurden gegründet, einige Arbeiter waren dabei sogar glückliche Gewinner. Es gab Auszeichnungsfahrten für verdiente Arbeiter, so zum Beispiel in die Sowjetunion, Kinderferienlager für die Kinder der Arbeiter unter anderem nach Bansin.

Einwohner erkannten das Sirenensignal

Jeder Einwohner von Mellensee erkannte am Signal die Feierabendsirene von Borsig. Borsig gab aber auch Anlass zu Feuerwehrsirenen, wenn es zu kleinen Bränden durch das viele Holz, die Lacke und die heißen Maschinen kam. In den 1980er Jahren stellte man, entsprechend den wirtschaftlichen Forderungen der Regierung, auch bei „Borsig“ teilweise auf Konsumgüterproduktion um. All dies konnte jedoch die Fabrik nicht retten.

1993 kam das Aus

Nach der Wende kam 1993 das Aus für die Holzindustrie, die mit ihren Produktionsanlagen und -verfahren den modernen Anforderungen eines freien Weltmarktes nicht mehr Stand halten konnte. Es fand sich kein Investor für das kleine Werk und so wurde es vor 26 Jahren endgültig geschlossen. Lange Jahre hegten die Einwohner Hoffnung, dass das Werk erhalten bleiben könnte und dort andere Werkstätten einziehen würden – leider vergebens.

Abriss derzeit

Im Moment laufen die letzten Abrissarbeiten der alten Produktionsanlagen. Das Wahrzeichen – der Schornstein – wurde bereits abgetragen und täglich verändert sich das Gelände, um Platz zu machen für neue Häuser und Wohnungen, die im Berliner Speckgürtel dringend gebraucht werden.

Damit verschwindet ein steinerner Zeuge der örtlichen Industrie- und Gewerbegeschichte von Mellensee und reiht sich ein in die tiefgreifenden Veränderungen, die viele Dörfer nicht nur im Speckgürtel der Hauptstadt gerade erleben.

Von Eva Erbach

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