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Teltow-Fläming Hilfszahlungen: Bauern sind skeptisch
Lokales Teltow-Fläming Hilfszahlungen: Bauern sind skeptisch
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01:17 27.08.2018
In Teltow-Fläming werden Einbußen beim Maiß von bis zu 50 Prozent erwartet. Hier: Ein Feld der Agrargenossenschaft Welsickendorf Quelle: Oliver Fischer
Dahmeland-Fläming

340 Millionen Euro wollen Bund und Länder als Nothilfe an dürregeplagte Bauern ausschütten, das ist die Ansage. Was die zuständigen Minister in Bund und Land am Mittwoch dieser Woche verkündeten, klingt nach Rettungsschirm, nach einem Notanker für Landwirte, die seit Monaten auf Regen hoffen, während sie ihren Feldfrüchten beim Verdorren zuschauen. Wer sich allerdings mit den Bauern der Region Dahmeland-Fläming unterhält, spürt angesichts dieser Aussagen wenig Erleichterung. In den Betrieben hat sich Skepsis breit gemacht.

„Meine Erwartungen halten sich in Grenzen“, sagt etwa Jürgen Zimmermann, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Groß Machnow. Cornelia Brinkmann, Vorstandsvorsitzende der MAG Mittenwalde winkt gleich ab: „Ich rechne nicht mit Entschädigung.“

Kein Grund zur Euphorie

Und auch der Vorsitzende des Bauernverbandes Südbrandenburg, Thomas Goebel, gibt sich stellvertretend für seinen gesamten Berufsstand in der Region zurückhaltend. „In Euphorie verfallen wir sicher nicht“, sagt er. Zu bürokratisch sei das Verfahren, zu hoch die Hürden. Zu wenig Betriebe würden am Ende von den Hilfen tatsächlich profitieren.

Holger Jonas, Öko-Bauer aus Heidesee, hatte schon im vergangenen Jahr versucht, Nothilfe zu beantragen. Auch damals gab es einen Hilfstopf. Der Frost hatte im Frühjahr die Feldfrüchte vorgeschädigt, der Sommer war dann so nass, dass die Bauern teilweise nicht auf die Felder konnten.

Viele Formulare, hohe Hürden

„Wir mussten unwahrscheinlich dicke Antragsformulare ausfüllen“, erinnert sich Jonas. Am Ende, als alles korrekt beantragt und gegengerechnet war, versagte das Land die Hilfe – wie bei fast allen Betrieben in Jonas’ Umgebung. „Wir hatten zwar einen hohen Schaden auf dem Feld. Aber es werden auch Ferienwohnungen, Biogasanlagen oder Hofläden ins Ergebnis eingerechnet“, sagt Jonas. So werden aus 40 Prozent Verlusten auf den Feld dann womöglich 20 Prozent im Gesamtergebnis, und das reicht für staatliche Hilfen nicht aus.

„Der Prozess ist sehr bürokratisch und sehr langatmig“, sagt auch Helmut Dornbusch, Geschäftsführer der Agrargesellschaft Baruther Urstromtal, eines der größten Betriebe der Region. Zu Dornbuschs Betrieb gehören 1800 Rinder, die auf den trockenen Weiden seit Wochen kaum noch etwas zu Fressen finden. Die Tiere müssen schon lange mit Silage gefüttert werden, die eigentlich für den Winter vorgesehen war. Mehr als 50.000 Euro hat Dornbusch bereits für zusätzliches Futter ausgegeben, damit auch im Winter noch etwas da ist. „Aber ein Drittel der Grundfutterversorgung fehlt auf jeden Fall“, sagt er. Von den Ernteausfällen ganz zu schweigen.

Bis zu 50 Prozent Verlust bei Mais

Laut Landwirtschaftamt Teltow-Fläming ist die Getreideernte in diesem Jahr betriebsübergreifend 32,5 Prozent niedriger ausgefallen als im Mittel der drei Jahre davor. Im ökologischen Anbau liegen die Verluste bei bis zu 50 Prozent. Auch bei Mais und Kartoffeln könne mit Verlusten von mehr als 50 Prozent gerechnet werden. Es gibt sogar Äcker wie die Leindotter-Felder von Holger Jonas, auf denen gar nichts geerntet wurde. „Da war nichts“, sagt Jonas. Ernteausfall: 100 Prozent.

Thomas Goebel sieht deshalb viele Betriebe schon in einer akuten Notsituation. „Wir haben ein riesigen Futterproblem, trotzdem kaufen nur die wenigsten über unsere Futterbörse Futter nach, weil schlicht das Geld dafür fehlt“, sagt er. Cornelia Brinkmann aus Mittenwalde konkretisiert: „Dünger, Pflanzenschutzmittel, Personalkosten – die Kosten steigen überall“, sagt sie. Wenn der Mais auf den Feldern dann wie Tabak aussieht, gehe das finanziell, aber auch emotional an die Substanz. „Wir arbeiten alle zwölf Stunden bei der Gluthitze, und man weiß von vornherein, dass es umsonst ist, das belastet alle.“

Schon 2017 war katastrophal

Trotzdem glaubt sie nicht an Hilfszahlungen, was daran liegt, wie die Hilfsbedürftigkeit berechnet wird. Denn wer Hilfe bekommen will, muss nachweisen, dass sein Betriebsergebnis 30 Prozent unter dem Durchschnitt der vergangenen drei Jahre liegt. „Die vergangenen Jahre waren aber auch schon schwach, und das vergangene Jahr war so katastrophal, da können wir gar nicht 30 Prozent drunter“, sagt Jürgen Zimmermann von der Agrargenossenschaft Großmachnow.

Auf das Betriebsergebnis zu schauen funktioniere nicht, wenn die Betriebe geschwächt sind, sagt Thomas Goebel. Er fordert deshalb wie viele seiner Berufskollegen einen direkten Ausgleich für die Verluste, die auf den Feldern eingefahren wurden.

Allgemein wünschen sich die Bauern schnelle und vor allem unkomplizierte Hilfe. „Ich appelliere an die Politik, dass die Antragsverfahren vereinfacht werden und möglichst zügig entschieden wird“, sagt Helmut Dornbusch. Minister Jörg Vogelsänger (SPD) hat aber schon angekündigt, dass in diesem Jahr kein Geld mehr fließen wird.

Von Oliver Fischer

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