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Teltow-Fläming Früherkennung durch schmatzende Käfer
Lokales Teltow-Fläming Früherkennung durch schmatzende Käfer
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01:15 17.06.2019
Biologin Christina Müller hatte die Idee für das System. Nun testet sie es in verschiedenen Betrieben. Quelle: Isabelle Richter
Hohenseefeld

„Ich habe so etwas vorher auch noch nie gehört. Für mich war das völlig neu“, berichtet Sebastian Schuster von der BayWa Agrarhandel GmbH. Der Leiter des Vertriebsgebietes Agrar Brandenburg hatte am Freitagnachmittag die Möglichkeit, auf dem Lagerareal in Hohenseefeld kauende Käfer zu belauschen. Das klingt kurios – doch die Aufnahmen der schmatzenden Krabbler könnten Landwirten und Getreidehändlern künftig viel Ärger ersparen.

Zwischen zwei und vier Prozent Getreide verlieren Landwirte jährlich durch die Vorratsschädlinge. Quelle: Isabelle Richter

Mithilfe eines neu entwickelten Systems, welches die Fraßgeräusche der Vorratsschädlinge aufzeichnet, werden die Käfer im Getreide nämlich bestenfalls schon viel früher als von den bisher üblichen Erkennungsmethoden enttarnt und können anschließend auf natürlichem Wege durch das Einsetzen von Nützlingen – den natürlichen Feinden der Schädlinge – in Zaum gehalten werden.

Zwei von fünf Betrieben sind schon ausgestattet

Die Idee für das sogenannte Beetle-Sound-Tube-System stammt von Christina Müller, Biologin am Berliner Julius Kühn-Institut. Nachdem in einem vorangegangenen Projekt bereits der Prototyp für das Beetle-Sound-Tube-System entwickelt wurde, soll es nun während eines weiteren Projektes im Zeitraum von fünf Jahren in der Praxis getestet werden.

1,2 Millionen Euro stehen den Wissenschaftlern dafür noch bis Ende Oktober 2022 zur Verfügung. Gefördert wird das Projekt im Rahmen der Europäischen Innovationspartnerschaft „Landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit" (EIP-AGRI) durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des Ländlichen Raums (ELER).

So sieht es im Innern der Beetle-Sound-Tube-Systems aus: In den Röhrchen befindet sich das sensible Mikrofon. Quelle: foto: Isabelle Richter

Der erste Testlauf war bereits im vergangenen Sommer gestartet worden. Ein 70-Tonnen-Silo im Gut Schmerwitz (Potsdam-Mittelmark) wurde schon mit dem speziellen Soundsystem ausgestattet.

Am Freitagnachmittag war das zweite Silo in Hohenseefeld dran. Das 300-Tonnen-Silo mit einer Höhe von 18 Metern stellte für die Projektmitarbeiter eine besondere Herausforderung dar. Viele kurze Metallröhrchen mit einem Durchmesser von acht Zentimetern mussten hier zu drei langen Rohren zusammenmontiert werden.

Das Beetle-Sound-Tube-System im Hohenseefelder Silo wurde am Donnerstag und Freitag montiert. Quelle: Isabelle Richter

Sobald das Silo mit Getreide befüllt ist, sollen die Aufnahmen dann regelmäßig im Zweiwochentakt auf verdächtige Schmatzgeräusche überprüft werden. Hierzu müssen die Wissenschaftler aktuell noch selbst auf das Silo klettern und die Auffangbehälter mit Mikrofon aus der Röhre ziehen – Ziel sei es jedoch, die Daten beziehungsweise eine Benachrichtigung an die Nutzer künftig automatisch zu senden. Drei weitere Landwirtschaftsbetriebe sollen in diesem Jahr auch noch mit dem Beetle-Sound-Tube-System bestückt werden.

Künftige Nutzer hoffen, dass das System funktioniert

Isabell Szallies leitet das Projekt über fünf Jahre. Die Landschaftsökologin ist ebenfalls überzeugt von dem System. „Wir können den Befall damit schon viel früher als regulär erkennen. Im Gegensatz zu anderen Methoden erreichen wir damit einen Unterschied von acht bis neun Wochen“, so Szallies.

Isabell Szallies beim Anhören der bisher aufgezeichneten Mitschnitte. Das Schmatzen der Käfer ist deutlich zu hören. Auch in Hohenseefeld ist man gespannt, ob die Schädlinge frühzeitig erkannt werden können. Quelle: Isabelle Richter

In Hohenseefeld wurde das Getreide bisher mit Temperaturmessungen auf Schädlinge überprüft, da diese im Falle eines Schädlingsbefalls plötzlich ansteigt. Sebastian Schuster von der BayWa AG erklärt jedoch, dass es dann meistens schon zu spät ist. Für ihn sei das Beetle-Sound-System deshalb sehr interessant. „Wir lagern mehrere Millionen Tonnen Getreide, deswegen haben wir auch ein gewisses Risiko“, berichtet er. Durch die Praxistests erhoffe er sich, dass das System bis zum Ende der Projektlaufzeit so gut ausgereift sein wird, dass es künftig als zuverlässiges Hilfsmittel eingesetzt werden kann.

Von Isabelle Richter

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