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Teltow-Fläming Landkreise auf dem Weg nach oben
Lokales Teltow-Fläming Landkreise auf dem Weg nach oben
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19:31 19.05.2014
Technik für die Luftfahrt: In der Werkshalle von Rolls-Royce Dahlewitz werden unterschiedliche Triebwerke hergestellt – wie hier für das Flugzeug IAE V2500. Quelle: Gabbert
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Der Landkreis Dahme-Spreewald gehört zu den dynamischsten Regionen Deutschlands – so das Ergebnis des aktuellen Regional-Rankings des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Demnach landet die Region auf Platz 38 von insgesamt 402. Es ist nicht das erste gute Ergebnis in einem Landkreis-Vergleich. Landrat Stephan Loge (SPD) betrachtet es dennoch mit Skepsis. „Dynamik ist nicht unendlich. Natürlich bin ich froh, dass es weiter vorwärts geht. Wir müssen aber auf dem Boden der Tatsachen bleiben.“

Den Höhenflug hat der Landkreis Teltow-Fläming bereits hinter sich. In unterschiedlichen Ranglisten hat er in den vergangenen Jahren gute Ergebnisse erzielt – zum Beispiel mehrfach erste Plätze in den neuen Bundesländern laut dem Magazin „Focus Money“. Doch im IW-Ranking reicht es für Teltow-Fläming dieses Mal nur für Platz 118. Landrätin Kornelia Wehlan (Linke) sieht das gelassen. „Teltow-Fläming ist nicht die Nummer eins, aber wir sind gut im Geschäft.“ Schließliche zähle man weiterhin zu den Aufsteigern bei Wirtschaft und Lebensqualität.

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Die Voraussetzungen sind gegeben, um den Standort auch künftig für Menschen und Unternehmen attraktiv zu gestalten – Bahnanbindung, die B101 und vor allem die Nähe zu Berlin sind wichtige Faktoren. „Und mit unserem Alleinstellungsmerkmal Fläming-Skate haben wir im Süden für Ertüchtigung gesorgt“, sagt die Landrätin, fügt aber mit Blick auf die jüngste IW-Studie hinzu: „Das Ranking macht aber auch deutlich, dass wir Handlungsschwerpunkte haben. Wir haben deutliche Probleme, was die Arbeitsmarktsituation betrifft.“

Die Studie

Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat für sein aktuelles Regional-Ranking 402 Städte und Landkreise verglichen. Analysiert wurden die Kategorien Arbeitsmarkt, Wirtschaftsstruktur und Lebensqualität.

Dadurch kamen zwei unterschiedliche Ranglisten zustande. Der Niveau-Vergleich betrachtet die aktuelle Situation – die Daten für diese Analyse stammen je nach Kriterium aus den Jahren 2010 bis 2013. Der Dynamikvergleich orientiert sich an der Entwicklung einer Region in einem gewissen Zeitraum (meist vier bis fünf Jahre).

Die Platzierung der Region: Im Niveauvergleich belegt der Landkreis Dahme-Spreewald Platz 191, Teltow-Fläming Platz 306. Beim Dynamik-Vergleich erreicht Dahme-Spreewald den 38. Platz, Teltow-Fläming Rang 118. Platz 1 belegen München (Niveau) und Wolfsburg (Dynamik).

Die meisten der 100 besten Regionen im IW-Ranking stammen aus Bayern und Baden-Württemberg. Berlin und Brandenburg melden größere Erfolge als andere ostdeutsche Bundesländer.

Dahme-Spreewald belegt unter den Brandenburger Regionen nach der Stadt Potsdam Platz zwei im Niveau-Vergleich (TF Platz 6) und Platz vier in Sachen Dynamik (TF Platz 7).

Gemeint ist damit etwa die Anzahl von Schulabgängern ohne Abschluss. „Für uns ein ganz großes Problem“, gesteht Wehlan ein. Hinzu kommt, dass auch die Zahl der jungen Leute ohne Berufsabschluss zunimmt. Derzeit gibt es im Landkreis knapp 2000 Leistungsempfänger ohne Berufsausbildung – 386 seien unter 25 Jahre alt, sagt Kornelia Wehlan. Mit Programmen wie dem „Netzwerk Schule und Wirtschaft“ will man nun frühzeitig dafür sorgen, Jugendliche für die Arbeitswelt vor Ort zu begeistern.

Ähnliche Probleme hat auch der Landkreis Dahme-Spreewald. Die Abbrecherquote bei Lehrlingen liegt bei rund 20 Prozent. Durch Kooperation mit Schulamt und Unternehmen sollen Ausbildungsangebote und Schüler zusammengebracht werden. „Es ist vor allem wichtig, die Leute auch nach dem Abschluss bei uns in der Region zu halten“, sagt Stephan Loge.

Damit ist ein weiteres Problem beider Landkreise angesprochen: der Fachkräftemangel. Mittlerweile locken Standorte wie Dahlewitz mit Rolls-Royce, Ludwigsfelde mit MTU oder Schönefeld mit dem entstehenden Großflughafen und der Luftfahrtforschung zwar hochqualifizierte Kräfte aus anderen Teilen Deutschlands und der Welt an, um sich langfristig niederzulassen fehlen aber oft die Rahmenbedingungen. „Diese Leute haben Erwartungen“, sagt Gerhard Janßen, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Dahme-Spreewald (WFG). Dabei gehe es zum Beispiel um eine gute Kitaversorgung, ein professionelles Kulturangebot oder eine internationale Schule. Ebenso sei es wichtig, soziale Treffpunkte zu schaffen, damit sich Menschen in der Region integrieren können.
„Das kann man nicht dem Zufall überlassen“, sagt Janßen. Er sieht für solche Dinge einen gemeinsamen Entwicklungsraum mit dem Nachbarlandkreis Teltow-Fläming – die „Industrieachse südlicher Berliner Ring“.

Doch damit sind noch längst nicht alle Baustellen genannt, die es zu beseitigen gilt, um weiter im Kampf der Regionen vorne mitmischen zu können. „Es fehlt uns noch an mehreren Stellen, zum Beispiel bei Wohnraum, Kindertagesstätten-Versorgung und Infrastruktur“, sagt Stephan Loge. Es seien Dinge, die man nicht allein durch die Kommunalpolitik lenken könne, so der Landrat von Dahme-Spreewald. Bei vielen Investitionen brauche man auch die Unterstützung von Land und Bund.

Das sieht Kornelia Wehlan ähnlich. „Beim Thema bezahlbarer Wohnraum muss es Unterstützung von Landes- und Bundespolitik geben.“ Vor allem jetzt seien viele wichtige Investitionen nötig, um dem demografischen Wandel begegnen zu können. „Das kann man nicht alles alleine stemmen“, sagt die Landrätin. Wichtig sei es zum Beispiel, die Mobilität innerhalb des Landkreises zu erhöhen. „Der ländliche Raum darf nicht abgehängt werden.“

Mit dem Nord-Süd-Gefälle hat auch der Nachbarkreis zu kämpfen. Und das äußert sich nicht nur bei der Mobilität, sondern, ebenfalls wie in Teltow-Fläming, bei der medizinisches Versorgung. „Wir haben in bestimmten Bereichen spürbare Lücken“, sagt Stephan Loge. So fehle im Süden des Kreises ein Augenarzt. Langfristig brauche es neue Konzepte, um die Menschen ausreichend versorgen zu können.
Trotz vieler Herausforderungen, die der demografische Wandel und die zunehmende Globalisierung mit sich bringen, ist man sowohl in Teltow-Fläming als auch in Dahme-Spreewald optimistisch, was die Zukunft angeht. „Teltow-Fläming ist auf einem guten Weg. Wir müssen vieles anpacken. Das geht nicht von heute auf morgen, aber wir können die Fragen, die wir uns heute stellen, nicht mehr auf kommende Generationen vertagen“, sagt Kornelia Wehlan. Gerhard Janßen sieht auch in den kommenden Jahren Wachstumspotenzial für die gesamte Region. „Der Flughafen wird für viele Dinge noch einmal eine Beschleunigung bedeuten.“

Die wichtigsten Ergebnisse

Arbeitsmarkt

Schlechte Noten wegen Schulabgängern ohne Abschluss

Beim Niveau-Vergleich der verschiedenen Regionen landet Teltow-Fläming im hinteren Drittel. Grund dafür ist vor allem die hohe Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss – im deutschlandweiten Vergleich belegt der Landkreis in diesem Bereich den Platz 370. Auch in Dahme-Spreewald schlagen die Daten zu Schulabgängern deutlich zu Buche, der Kreis landet auf Platz 242. Dieses Kriterium ist mit einem Viertel in die Bewertung des Arbeitsmarktes eingegangen.
In den anderen Bereichen dieser Kategorie sieht es da besser aus. Bei der Akademikerquote liegt Dahme-Spreewald im Niveau-Vergleich des IW auf Platz 157, der Landkreis Teltow-Fläming sogar auf Platz 128. Bei der Arbeitsplatzversorgung hat in der Region ebenfalls Teltow-Fläming die Nase vorn und sichert sich Platz 132, Dahme-Spreewald belegt Platz 201.
Beim Blick auf die Entwicklung der vergangenen vier bis sechs Jahre zeigt sich aber, dass beide Regionen sich stetig verbessern. In Sachen Arbeitsmarkt konnte sich Dahme-Spreewald den 33.Platz beim Dynamik-Vergleich im Regional-Ranking sichern, Teltow-Fläming landet auf Platz 165. Die beste Platzierung mit Rang 35 erhält der Kreis Teltow-Fläming für die positive Entwicklung bei der Arbeitsplatzversorgung.

Wirtschaftsstruktur

Dahme-Spreewald belegt Platz 1 bei Gewerbesteuersätzen
Gut punkten konnte die Region beim Niveau-Vergleich des Instituts der deutschen Wirtschaft in Sachen Gewerbesteuersätze. Teltow-Fläming erhielt Platz 39, Dahme-Spreewald konnte sich sogar den Spitzenplatz sichern. Betrachtet wurde für diese Bewertung das Jahr 2011.
Dennoch sind beide Kreise beim Niveau-Ranking in der Gesamtbewertung der Wirtschaftsstruktur lediglich im Mittelfeld angesiedelt (Dahme-Spreewald Platz 177, Teltow-Fläming Platz 219). Grund sind die Bewertung der Gründungsintensität (LDS: 235, TF: 250), die gemeindliche Steuerkraft (LDS: 184, TF: 257) sowie Patentanmeldungen (LDS: 278, TF: 255). Zwar gibt es in der Region zahlreiche große Unternehmen – deren Hauptsitze befinden sich jedoch oft in westdeutschen Bundesländern. Selbst Patente, die in hiesigen Niederlassungen entwickelt werden, werden letztlich aber am Hauptsitz des Unternehmens angemeldet.
Auch beim Vergleich der deutschen Regionen bei der dynamischen Entwicklung bleiben die hiesigen Landkreise im Mittelfeld verankert. Teltow-Fläming kann sich durch positive Ergebnisse bei der Entwicklung der Steuerkraft (Platz 51) und der Gewerbesteuer (Platz 24) auf Platz 141 vorarbeiten. Der Landkreis Dahme-Spreewald belegt Rang 234.

Lebensqualität

Nachholbedarf bei medizinischer Versorgung
Ganz weit vorne liegt die Region, wenn es ums Thema Lebensqualität geht, denn die stieg in den vergangenen Jahren immer weiter an. Beim Dynamik-Vergleich belegt daher Teltow-Fläming Platz 51, Dahme-Spreewald landet auf Platz 67. Dahme-Spreewald punktet vor allem durch den Tourismus und erhält beim Kriterium Gästeübernachtungen Platz 12. Auch bei der Lebenserwartung gibt es gute Noten und damit Platz 15.
So weit vorn liegt Teltow-Fläming bei keinem der insgesamt sieben Kriterien. Dafür punktet der Kreis aber durch Rückgang der privaten Schuldner (Platz 22), Straftaten (Platz 46) und besserer Ärzteversorgung (Platz 56) in den vergangenen Jahren – und diese Kriterien fallen stärker ins Gewicht.
Blickt man auf den Niveau-Vergleich, dann sind die Ergebnisse aber nicht mehr so rosig. Bei der Anzahl der Straftaten im Jahr 2012 landet Dahme-Spreewald auf Platz 345, Teltow-Fläming auf Platz 235. Auch die Momentaufnahme bei der medizinischen Versorgung fällt im Vergleich nicht gut aus. Analysiert wurde die Zahl der Ärzte, die im Jahr 2010 pro 100000 Einwohner in der Region tätig waren. Für Dahme-Spreewald bedeutet das Ergebnis Platz 340, für Teltow-Fläming 377.
Die Gesamtplatzierung beim Niveau-Vergleich: LDS Platz 244, TFPlatz 238.

Von Nadine Pensold

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