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Teltow-Fläming „Der Job ist nicht idyllisch, aber die Natur ist es“
Lokales Teltow-Fläming „Der Job ist nicht idyllisch, aber die Natur ist es“
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19:05 16.08.2018
Rangerin Anna Futterer arbeitet für die Naturwacht im Naturpark Nuthe-Nieplitz. Quelle: Victoria Barnack
Dobbrikow/Bardenitz

Anna Futterer zählt Schmetterlinge, rettet verunglückte Fledermäuse und sammelt mit Kindern Pilze. Die 32-Jährige ist Rangerin im Naturpark Nuthe-Nieplitz. Im MAZ-Interview berichtet sie, was den Beruf ausmacht, unter dem sich viele Menschen noch immer nichts vorstellen können.

Frau Futterer, Sie sind Rangerin. Da denkt man an Elefanten und Nashörner in der afrikanischen Steppe aber nicht an Moore und Vögel im Fläming. Gibt es keinen deutschen Begriff für Ihren Beruf?

Anna Futterer: Doch, ich bin Naturwächterin. So stelle ich mich auch den Kindern bei meinen Führungen immer vor. Damit erschließt sich auch, was wir machen. Wir sind Mittler zwischen Mensch und Natur. Wenn die Leute ,Ranger’ hören, denken sie an die bewaffneten Ranger in Afrika, die ihr Leben riskieren, wenn sie Tiere vor Wilderern beschützen. Das ist bei uns im Naturpark Nuthe-Nieplitz zum Glück nicht der Fall.

Rangerin Nachturwächterin Anna Futterer arbeitet für die Naturwacht im Naturpark Nuthe-Nieplitz. Nutzschutzgebiet Schutzgebiet Schild Plakette Fledermäuse Sommerquartier Fledermaus Quelle: Victoria Barnack

Ein bisschen gefährlich ist Ihr Beruf aber schon: Sie müssen zum Beispiel regelmäßig auf den verminten alten Truppenübungsplatz bei Jüterbog.

Auf den Truppenübungsplatz gehen meine Kollegen und ich nur, wenn es wirklich nötig ist. Die offiziellen Wanderwege sind beräumt und deshalb ungefährlich. Als es in den vergangenen Tagen dauerhaft sehr warm war, habe ich Wanderungen über das Areal wegen der hohen Waldbrandgefahr kurzfristig umgeplant. Mein Gespür war richtig: Am selben Tag brach der große Brand aus.

Angst braucht ein Ranger in Brandenburg also nicht zu haben?

Nein, eigentlich nicht. Wer Insekten generell nicht mag, ist vielleicht nicht ganz richtig bei uns und wird sich auf Dauer nicht wohlfühlen als Ranger. Aber auch ich bin zum Beispiel nach fünf Jahren noch kein großer Spinnenfreund geworden. Da entwickelt man aber eigene Strategien, um damit klarzukommen. Bei mir sind das lange Hosen und feste Schuhe – dann geht das schon. Vor Zeckenbissen müssen wir uns auch gut schützen, um nicht Borreliose zu bekommen. Bis jetzt ist mir aber noch nichts passiert. Die Gefahr vor Sonnenbrand ist in meinem Beruf wahrscheinlich größer. Den bekomme ich tatsächlich regelmäßig.

Warum haben Sie sich entschieden, Rangerin zu werden?

Ich wollte immer mit Kindern arbeiten. Aber der Beruf als Lehrerin beispielsweise war mir zu starr und nicht frei und kreativ genug. Bei mir gehen die Kinder am Ende nach Hause und sagen, dass sie einen tollen Tag und viel gespielt hatten. Natürlich haben sie etwas gelernt, aber eben ohne Druck. Ich selbst war als Kind und Jugendliche bei den Pfadfindern und habe später eine Wölflingsgruppe geleitet, das sind die Kleinsten bei den Pfadfindern. In der Schule habe ich gemerkt, dass ich Naturwissenschaften liebe. Das brachte mich zu meinem Studium der Umweltwissenschaften. Danach habe ich sofort die Zusage vom Naturpark Nuthe-Nieplitz bekommen – meine Traumstelle.

Regelmäßig kontrollieren die Ranger die Sommerquartiere der Fledermäuse. Quelle: Victoria Barnack

Sie sind in Dortmund geboren und haben lange im Saarland gelebt. Was war Ihr erster Eindruck vom Naturpark Nuthe-Nieplitz?

Ich fand die Gegend von Anfang unheimlich idyllisch. Zum Glück, denn ich war vor der Zusage nicht einmal in Brandenburg gewesen. Die Entscheidung bereut, habe ich bisher nicht. Wir haben einen Teich direkt vor dem Büro. Wenn ich nicht sowie im Naturpark unterwegs bin, versuche ich auch die Büroarbeit, wann immer es möglich ist, draußen zu erledigen.

Ist der Alltag eines Rangers wirklich so idyllisch?

Nein, aber die Natur drumherum ist es. Der Job ist natürlich auch mal anstrengend. Zum Beispiel wenn wir im Sommer bei Hitze stundenlang Feuchtwiesen mähen müssen und das Mahdgut von Hand beräumen. Erst bei der Orchideenblüte im nächsten Sommer sieht man, wie sich die Wiese entwickelt und wofür man die Arbeit macht. Wenn ich am nächsten Tag aber eine Führung mit Kindern habe, bin ich wieder total erfüllt.

10. Lange Naturwacht-Nacht am Wochenende

Die Lange Naturpark-Nacht findet an diesem Wochenende bereits zum zehnten Mal in Brandenburg statt.

13 Touren führen ab den Abendstunden durch dunkle Wälder, gespenstische Parkanlagen und mystische Moore der 15 Großschutzgebiete.

Der Naturpark Dahme-Heideseen lädt für heute zum Fledermaus-Themenabend. Ab 18 Uhr können rund um die Dorfkirche in Groß Schauen Sommerquartiere gebastelt, ein Dokumentationsfilm geschaut und ein Fledermaus-Fang samt Artenbestimmung verfolgt werden. Die Veranstaltung ist kostenlos.

Im Naturparkzentrum Glauer Tal in Blankensee bei Trebbin startet ebenfalls heute eine Fledermauswanderung. Zwei Stunden lang können Gäste an der Kontrolle von Sommerquartieren teilnehmen und mithilfe eines Bat-Detektors die Stimmen der lautlosen Jäger der Nacht anhören. Start ist um 20 Uhr. Anmeldung unter 033732/50631.

Welche Frage bekommen Sie während einer Führung am häufigsten gestellt?

Viele Menschen, übrigens auch Erwachsene, fragen: Was macht ein Ranger eigentlich im Winter? Davon haben die Leute einfach noch keine Vorstellung.

Und was macht ein Ranger im Winter?

Wir arbeiten Vieles auf, was wir im Sommer nicht schaffen, zum Beispiel wenn wir Tiere oder Pflanzen erfasst haben. Aber wir sind natürlich auch im Winter oft draußen unterwegs. Dann betreiben wir naturschutzfachliche Landschaftspflege, um wertvolle Lebensräume zu erhalten, die ansonsten verschwinden würden. Es gibt beispielsweise Moore, die verbuschen würden, wenn niemand die Bäume dort wegnehmen würde. Im Winter sind diese Moore zugefroren. Dann können wir auf die Flächen draufgehen, ohne den Boden zu zerstören. Außerdem finden zu dieser Zeit auch Führungen statt. Unter Langeweile leidet ein Ranger im Winter also auf keinen Fall.

Der erste Ranger der Welt, Harry Yount aus den USA, wurde 1880 eingestellt, um in einem Nationalpark gegen Vandalismus und Wilderei vorzugehen. Wie viel hat der Ursprung des Berufsbildes mit ihrem Job heute zu tun?

Immer noch viel. Mit Vandalismus haben wir häufig Probleme. Schutzgebietsschilder werden mutwillig zerstört oder geklaut. Unsere schönen Eulenschilder sind offenbar eine Art Trophäe. Auch Besuchereinrichtungen werden kaputt gemacht, Müll in der Natur hinterlassen, Bänke beschmiert. Andere Menschen wiederum sind sich offenbar grundsätzlich nicht im Reinen mit Schutzgebieten. Immer wieder befahren zum Beispiel Motocrosser die Flächen oder Hunde werden unangeleint spazieren geführt.

Anna Futterer muss regelmäßig kontrollieren, ob alle Schutzgebietsschilder noch vorhanden und nicht zerstört sind. Quelle: Victoria Barnack

Was können Sie dagegen tun?

Wir versuchen, die Leute aufzuklären. Die Verbote haben immerhin Gründe: Erst einmal ist es natürlich für den Hundehalter wichtig, sich und sein Tier zu schützen. Im Wolfsgebiet ist das Risiko besonders groß, weil man nie weiß, wie die Tiere aufeinander reagieren. Da kann es zu Übersprungshandlungen kommen, die nicht vorhersehbar sind. Für die Crosser gilt dasselbe: Wenn sie verunglücken, ist eine Rettung schwierig. Daher arbeiten wir für Kontrollen inzwischen auch mit der Polizei zusammen. Zum Anderen geht es uns darum, Pflanzen und Tiere im Naturpark zu schützen. Bodenbrütende Vogelarten beispielsweise werden durch herumlaufende Hunde gestört. Wenn sie ein Rehkitz finden, besteht die Gefahr, dass es den Geruch des Hundes annimmt und am Ende des Tages von der Mutter verstoßen wird.

Bleibt neben der umfangreichen Arbeit als Rangerin noch Zeit für den eigenen Garten zu Hause?

Ich habe leider gar keinen eigenen Garten sondern nur einen Innenhof. Der ist zurzeit kunterbunt und voll mit Tomaten. Auch auf unserer Terrasse ist alles voll Pflanzen, man kann kaum noch laufen. Auf lange Sicht möchte ich mir aber auf jeden Fall einen Schrebergarten anschaffen.

Wie soll dieser Garten aussehen?

Die Liebe zum Beruf wird sich auf da jeden Fall bemerkbar machen. Ich möchte zum Beispiel Teil des Projektes Beelitzer Blühstreifen e.V. werden. Da gibt es Sämereien und wenn man mindestens zehn Quadratmeter Blühwiesen neu anlegt, bekommt man vom Verein eine Plakette für den Gartenzaun. Ich möchte mir außerdem viele Pflanzen zulegen, die heimisch sind und würde niemals alte Obstbäume fällen. Damit meine eigenen Kinder die Natur auch hautnah erleben können, muss es außerdem viel Platz zum Spielen geben.

Von Victoria Barnack

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