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Teltow-Fläming „Unsere Zahlen sind realitätsgerecht“
Lokales Teltow-Fläming „Unsere Zahlen sind realitätsgerecht“
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01:15 13.01.2019
Die Region Dahmeland-Fläming wächst seit Jahren rasant. Beim Statistikamt geht man davon aus, dass es auch wieder abwärts geht. Quelle: Oliver Fischer
Königs Wusterhausen

Als Referatsleiter ist Martin Axnick beim Statistischen Landesamt zuständig für Bevölkerung, Kommunal- und Wahlstatistik. Im MAZ-Interview spricht er über die Einwohnerstatistiken des Landes, die besonders in den Zuzugsgemeinden der Region Dahmeland-Fläming kritisch gesehen werden.

Herr Axnick, wer wissen will, wie viele Menschen in der Region leben, bekommt keine eindeutige Antwort. Laut Statistikamt hat etwa Teltow-Fläming rund 168 000 Einwohner. Gemeldet sind dort aber gut 171 000 Menschen. Wer hat Recht?

Martin Axnick: Der Unterschied geht auf den Zensus im Jahr 2011 und die daraus resultierende Korrektur der Einwohnerzahlen 2011 zurück. Damals wurden stichprobenartig Einwohner gezählt und anschließend nach einem komplizierten Verfahren die Einwohnerzahlen berechnet. Dass der Zensus richtig gearbeitet hat, wurde vom Bundesverfassungsgericht bestätigt. Aufgrund des so genannten Rückspielverbots konnten wir die Ergebnisse aber nicht mit den Kommunen teilen. Im Grunde hat der Zensus Karteileichen und Fehlbestände identifiziert und die Zahlen aus den Melderegistern der Kommunen damit bereinigt.

Allerdings auf Grundlage von Stichproben.

Es war ein statistisches Verfahren, und dabei gibt es natürlich immer auch Stichprobenfehler. Deshalb kann es natürlich punktuell sein, dass eine Kommune tatsächlich mehr oder auch weniger Einwohner hat, als beim Zensus erhoben. Aber letztlich sind unsere Daten realitätsgerecht und belastbar.

Wenn Sie den Meldedaten der Kommunen nicht trauen, woher wissen Sie, wie sich die Einwohnerzahlen entwickeln?

Wir nutzen die Daten der Kommunen, sie sind Grundlage der Fortschreibung der Bevölkerungszahlen. Die Gemeinden teilen uns Geburten, Sterbefälle und Zuzüge mit. Die Fortzüge bekommen wir aus anderen Kommunen und Bundesländern. Das ist ein bundesweit einheitliches, ausgefeiltes und aufwendiges Verfahren. Deshalb dauert es auch ein halbes Jahr, bis wir alles erhoben haben und die Zahlen veröffentlichen können. Aber wir schreiben eben nur die Daten fort, die wir beim Zensus erhoben haben. Der Grundstock an Abweichung bleibt bestehen.

Die offiziellen Einwohnerzahl entscheidet darüber, welche Gemeinde wie viel Geld vom Land bekommt. Aus Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming sind deshalb Kommunen vor Gericht gezogen. Sie fühlten sich vom Zensus betrogen. Wissen Sie, wie der Stand ist?

Es sind noch Verfahren anhängig. Aber da das Bundesverfassungsgericht die Zensus-Methodik schon für rechtmäßig erklärt hat, haben inzwischen einige Kommunen ihre Klagen zurückgezogen. 2021 steht ohnehin der nächste Zensus an. Den zehnjährigen Turnus hat die EU vorgeschrieben, die Vorbereitungen laufen in unserem Haus schon.

Wird es eine Vollerhebung geben?

Nein, wieder eine Teilerhebung, weil diese Methode am grundrechtschonendsten ist. Wir werden im Vergleich zum letzten Mal aber Dinge ändern. Das ist normal, wir haben Erfahrungen gemacht und reagieren darauf.

Das konnte man bei der Bevölkerungsvorausberechnung sehen, die Ihr Haus gerade vorgelegt hat. Die sieht deutlich realistischer aus als die Prognose von 2015.

Der Zeitpunkt der Veröffentlichung war damals wirklich unglücklich. Wir wussten damals, dass es Zuwanderung geben wird. Aber niemand konnte ahnen, welche Ausmaße das annehmen würde. Wenn eine solche Vorausberechnung aber erst einmal veröffentlich ist, kann man sie nicht beliebig korrigieren.

Die aktuelle Prognose bescheinigt Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald Wachstumspotenzial. Vielerorts hält man sie trotzdem für zu vorsichtig. Schönefelds Bürgermeister etwa geht davon aus, dass seine Gemeinde zum Jahr 2030 auf 40 000 Einwohner wächst, Ihre Statistiker rechnen nur mit 20 000 Einwohnern. Stimmen Informieren Sie sich bei Ihren Berechnungen auch über die konkreten Bedingungen vor Ort?

Üblicherweise werden Planungen der Kommunen abgefragt. Wir erstellen die Vorausberechnungen aber gemeinsam mit dem Landesamt für Bauen und Verkehr, und das Landesamt ist zuständig für die Wanderungsannahmen, die für die Einwohnerentwicklung entscheidend sind. Ich kann deshalb zu Schönefeld nicht viel sagen. Aber man wird versucht haben, vernünftige Annahmen zu treffen. Letztlich berufen wir uns immer auf Entwicklungen in der Vergangenheit.

Das müssen Sie erklären.

Wenn etwa eine Kommune bislang kaum von der Zuwanderung profitiert hat, gehen wir davon aus, dass sie es auch künftig nicht tun wird. Oder nehmen Sie die Hauptstadt. In jüngerer Zeit ist Berlin nur durch Zuwanderung aus dem Ausland gewachsen. Sobald diese abebbt, schrumpft Berlin wieder. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Auslandszuwanderung stets wellenförmig verläuft. Wir gehen also davon aus, dass sie auch diesmal wieder abnehmen wird und in der Folge auch der Zuzug ins Umland zurückgeht. Wie zuletzt in den Neunzigerjahren.

Seit damals haben sich aber die Bedingungen komplett gewandelt. Die Welt ist vernetzt, die Gesellschaft globalisiert. Städte wie Berlin ziehen heute Menschen rund um den Globus an und es ist auch viel leichter geworden, aus der ganzen Welt nach Berlin umzusiedeln. Berechnen Sie solche Faktoren auch mit ein?

Für die Prognosen ziehen wir Experten hinzu, und wir beraten im Team über die Grundannahmen, die wir treffen. Aber ob diese richtig sind oder nicht, darüber lässt sich trefflich streiten.

Von Oliver Fischer

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