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Teltow-Fläming Raue kritisiert Personalsuche des Kreises
Lokales Teltow-Fläming Raue kritisiert Personalsuche des Kreises
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01:16 11.04.2019
Jüterbogs Bürgermeister Arne Raue greift die Personalpolitik des Kreises an. Quelle: Peter Degener
Jüterbog/Luckenwalde

Jüterbogs Bürgermeister Arne Raue (parteilos) schwoll der Kamm, als er kürzlich eine Stellenanzeige des Landkreises Teltow-Fläming las. Dort hieß es nur ganz allgemein: „Mitarbeiter gesucht“ und: „Wir brauchen Verstärkung und suchen Verwaltungsmitarbeiter (m/w/d) im gehobenen allgemeinen Verwaltungsdienst“. Diese, so die Anzeige, könnten in unterschiedlichen Aufgabenbereichen in der gesamten Kreisverwaltung eingesetzt werden. Geboten wird ihnen unter anderem ein vergünstigtes VBB-Firmenticket und eine Bezahlung nach der Entgeltgruppe 9b des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst. Die Bewerbungsfrist läuft noch bis zum 15. April.

„Gipfel des Erträglichen“

„Nach über 26 Jahren im öffentlichen Dienst“, so schreibt Arne Raue voller Zorn an Landrätin Kornelia Wehlan (Linke), „erlebe ich erstmals, dass eine Behörde pauschal ohne konkrete Stellenbeschreibung ausschreibt“ und gleich noch diese Vergütung anbietet. Was den Bürgermeister der stets klammen Stadt Jüterbog besonders ärgert, ist, dass der Kreis als Kommunalaufsicht den Städten und Gemeinden stets nahelegt, das eigene Personal knapp zu bemessen. „Ich habe mehrfach leidvoll erfahren müssen“, so Raue weiter, „dass ich als Kommune qualifiziertes Personal an Ihr Haus verliere.“ Den Umgang des Kreises mit Personal und jetzt auch noch diese pauschalen Stellenangebote seien für ihn „der Gipfel des aus meiner Sicht Erträglichen“.

MAZ fragt nach bei anderen Bürgermeistern

Ob das die anderen Bürgermeister des Kreises auch so sehen, wollte MAZ wissen und fragte nach, wie sie zu der Kritik Raues stehen, ob die Kreisverwaltung auch bei ihnen Mitarbeiter abgeworben habe und was für Erfahrungen sie bei der Personalgewinnung gemacht haben.

Thomas Berger, Trebbin:

„Ich kann die Aufregung aus Jüterbog zu der Stellenausschreibung nicht nachvollziehen“, schreibt Trebbins Bürgermeister Thomas Berger (CDU). Es sei offensichtlich, dass der Fachkräftemangel nun auch in den öffentlichen Verwaltungen eingetreten ist, der „nicht alleine durch die Digitalisierung von Dienstleistungen aufgefangen werden kann“, so Berger. So müssten auch die Kommunalverwaltungen in Zukunft in ihre eigene Attraktivität investieren, um dem entgegenzuwirken. In Trebbin versuche man dies auch mit einer „Flexibilisierung beim jeweiligen Aufgabengebiet“. Denn: „Starre und überholte Personalaquisition bringen uns nicht weiter“, so Berger, der „Verständnis für das Vorgehen der Kreisverwaltung“ zeigt.

Peter Ilk, Baruth:

„Jeder Hauptverwaltungsbeamte hat in seinem Bereich die Personalhoheit“, betont Baruths Bürgermeister Peter Ilk (parteilos), „und da lasse ich mir auch von niemandem reinreden.“ Er sehe selbst, wie schwer es ist, geeignete Leute zu finden. Behördenwechsel sei für Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltung völlig normal. „Die Ministerien ziehen ja auch Leute ab, weil es da etwas mehr gibt“, weiß Ilk.

Frank Broshog, Am Mellensee:

„Meine Verwaltung hat in den letzten acht Jahren zwei Mitarbeiter an die Kreisverwaltung ,verloren’“, schreibt Frank Broshog, parteiloser Bürgermeister der Gemeinde Am Mellensee. Auch für ihn sei die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern seit einiger Zeit sehr schwer und das sowohl im Kita-Bereich wie auch für die Kernverwaltung.

Doreen Boßdorf, Niedergörsdorf:

„Bei den Verwaltungsstellen stehen wir noch nicht vor dem Problem“, antwortet Doreen Boßdorf, parteilose Bürgermeisterin von Niedergörsdorf. „Die letzten drei ausgeschriebenen Stellen konnten wir kurzfristig besetzen“, schwieriger sei es aber im Erzieherbereich. Vom Landkreis habe es noch keine Abwerbungen gegeben. Dabei ist sie genau den umgekehrten Weg gegangen. Als vormalige Mitarbeiterin im Personalamt der Kreisverwaltung kann sie die Auffassungen von Jüterbogs Bürgermeister nicht teilen. Der Landkreis sei nicht die erste Behörde, die diese Form der Ausschreibung gewählt habe. „Damit sollen Personalschwankungen ausgeglichen werden“, so die Personalexpertin, weil man für befristete Krankheits- und Elternzeitvertretungen trotz mehrfacher Ausschreibungen einfach niemanden mehr finde. Und was die Bezahlung betreffe, so sei das die Grundeingruppierung für Beschäftigte mit Hochschulabschluss bei entsprechender Tätigkeit.

David Kaluza, Amt Dahme:

Was den „nicht nachvollziehbaren Stellenzuwachs“ bei der Kreisverwaltung betreffe, stimmt der Amtsdirektor von Dahme, David Kaluza, mit Raue überein. Dass nun der Landkreis mit „kreativen Stellenausschreibungen“ das altersbedingte Ausscheiden von Mitarbeitern zu kompensieren suche, sei für ihn wiederum nachvollziehbar. Noch habe man die eigenen freien Stellen mit Fachpersonal besetzen können, ab 2019 werde die Amtsverwaltung selber ausbilden. Direkte Abwerbungen habe es bei ihm nicht gegeben. 2018 hätten zwei Beschäftigte die Amtsverwaltung verlassen, „einmal Richtung freie Wirtschaft und einmal zur Stadt Jüterbog“.

Stefan Scheddin, Nuthe-Urstromtal:

Rein theoretisch, so meint Nuthe-Urstromtals parteiloser Bürgermeister Stefan Scheddin, gebe es gar keine Personalnot, sondern etwas viel Schlimmeres: „ein Aufgabenproblem“. Denn: „Durch immer neue Forderungen, immer neue Aufgaben, immer mehr Unsinn und weniger Menschenverstand wird eben genau dieser Personalnotstand befördert.“ Dazu zählt Scheddin „die unmöglichen Hürden der Förderprogramme“, oder die Datenschutzgrundverordnung. Einer seiner Mitarbeiter sei zum 1. Januar zum Landkreis gewechselt, „ganz einfach, weil er dort eine höher bewertete Stelle bekam.“

Michaela Schreiber, Zossen:

Ganz auf Raues Seite schlägt sich Zossens Bürgermeisterin Michaela Schreiber (Plan B). Schon in den Einwendungen der Stadt Zossen gegen den Entwurf des Kreishaushalts 2019 haben man kritisiert, „dass die vom Landkreis ausgeschriebenen Stellen sehr oft viel höher bewertet werden, als es in den Kommunen der Fall ist, obwohl für beide derselbe Tarifvertrag gilt“. Stattdessen werde im Kreis so getan, „als ob dort höherwertige Verwaltungsaufgaben als in den Stadt- und Gemeindeverwaltungen zu erfüllen sind“. Das sei nicht nur falsch und anmaßend, so Schreiber, sondern überheblich. Selber bilde die Stadt Zossen regelmäßig Verwaltungsangestellte aus, oft mehr, als Zossen selber benötige. Die würden dann vom Landkreis „mit Kusshand genommen“. Als Stadt, die jährlich zweistellige Millionenbeträge als Kreisumlage abführe, wäre es nur recht und billig, wenn auch der Kreis sparsamer mit Personalausgaben umginge. „Es kann nicht sein, dass die Kommunalaufsicht die Kommunen anhält, ihr Personal möglichst knapp zu bemessen und selbst großzügig ausschreibt“, schimpft Schreiber, denn das erinnere an „Wasser predigen und Wein trinken“.

Landrätin kommentiert Raues Stil nicht

23,62 Vollzeitstellen seien wegen Teilzeitbeschäftigung derzeit in der Kreisverwaltung nicht besetzt, schreibt Landrätin Kornelia Wehlan (Linke). Davon entfielen auf den gehobenen Dienst, auf den sich die kritisierte Ausschreibung bezieht, 12,48 Vollzeitstellen. Mit dem flexiblen Einsatz von Beschäftigten reagiere man auf die angespannte Personalsituation. Zudem seien offene Ausschreibungen „ein modernes Instrument der Personalakquise“, so die Landrätin. Bis 2027 würden 226 Beschäftigte altersbedingt ausscheiden. „Das ist die Herausforderung, der wir uns aktiv stellen müssen“, schreibt Wehlan. Der zukünftige Einsatz der Bewerber erfolge „bedarfsabhängig und auf Basis gültiger Stellenbeschreibungen.

Teltow-Flämings Landrätin Kornelia Wehlan verteidigt die Stellenausschreibung als „modernes Instrument der Stellenakquise“. Quelle: Hartmut F. Reck

Die in den Ausschreibungen genannten Qualifikationen stünden im Einklang mit deren beabsichtigten Einsatz und dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes. Bei den Ausschreibungen handle es sich nicht um Abwerbungen, betont die Landrätin. Auch der Landkreis habe Fluktuationen zu anderen Behörden zu verzeichnen. „Dass Herr Raue (...) die flexible Stellenbewirtschaftung im Rahmen eines genehmigten Stellenplans erstmals erlebt, kommentiere ich nicht“, schreibt die Landrätin vielsagend. Das gelte auch für Raues Stil im Umgang mit dem Landkreis.

Von Hartmut F. Reck

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