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Jüterbog Wirtschaftsförderer wechselt zur Erstaufnahmestelle
Lokales Teltow-Fläming Jüterbog Wirtschaftsförderer wechselt zur Erstaufnahmestelle
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08:43 26.10.2018
Christian Seiler verlässt Jüterbog als Wirtschaftsförderer und wird Objektleiter der Erstaufnahmestelle für Geflüchtete in Wünsdorf. Quelle: Peter Degener
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Jüterbog

Personalwechsel im Jüterboger Rathaus: Wirtschaftsförderer Christian Seiler verlässt die Stadtverwaltung zum Monatsende. „Es gab verschiedene Gründe dafür“, erklärt er. Zum 1. November wird der 49-Jährige in die Leitung der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Wünsdorf bei Zossen wechseln. Seiler hatte die Stelle in Jüterbog erst vor eineinhalb Jahren im Sommer 2017 übernommen, nachdem die langjährige Wirtschaftsförderin der Stadt, Monika Nagel, ins Bauarchiv versetzt worden war.

Mit seinem Weggang hinterlässt Seiler ein großes Aufgabenfeld. Er sieht in Jüterbog vor allem zwei zentrale Aufgaben: „Die Vermarktung des Gewerbegebietes Luckenwalder Berg ist sehr gut gelaufen“, berichtet er, „nun muss geklärt werden, wo künftig Gewerbeflächen zur Verfügung stehen können.“ Der scheidende Wirtschaftsförderer hatte bereits Gespräche zu Flächen in der Baruther Straße angeregt, die derzeit hauptsächlich von der Jüterboger Agrargenossenschaft genutzt werden. „Mit der Fortschreibung des Flächenplans, die bald bevorsteht, ist diese Aufgabe gut zu verbinden“, sagt Seiler.

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Innenstadthändler sollen Verein gründen

Die zweite große Herausforderung sei die Situation der Einzelhändler in der Innenstadt. „Klar ist: Der Handel verändert sich momentan stark und steckt deshalb in keiner einfachen Lage.“ Seiler legt den Einzelhändlern Jüterbogs mit seinem Abschied daher erneut die Gründung eines eigenen Vereins ans Herz. In seiner aktiven Zeit hatte er sich mehrmals allerdings vergeblich dafür engagiert die Interessengemeinschaft auszubauen.

Den Händlern der Jüterboger Innenstadt bereitet derzeit vor allem die Dauerbaustelle auf der Bundesstraße 102 Sorgen. Quelle: Uwe Klemens

„Die Händler müssen sich besser organisieren“, erklärt er. Mit der Gründung beispielsweise eines Stadtmarketingvereins wie er bereits in Luckenwalde existiert, würden sich vielversprechende Möglichkeiten auftun. „Als Institution hätte man die Chance, Fördermittel zu beantragen oder auch Geld von der Stadt zu bekommen, wenn das entsprechende Budget vorhanden ist“, sagt Christian Seiler.

Auch abseits der beiden großen Aufgaben sieht er die Arbeit des Jüterboger Wirtschaftsförderers als abwechslungsreichen Job. „Es ist der spannendste Job im Rathaus, weil man mit unglaublich vielen Bereichen in Berührung kommt.“ Immer wieder kämen vielfältige Probleme von kleinen Baustellen bis zu Interessenskonflikten auf die Stadt und ihre Unternehmer zu. „Der wirtschaftsfreundliche Umbau der Stadt sollte unbedingt weitergeführt werden“, sagt er. Auch in der Verwaltung sei noch viel zu tun, damit künftig effektiver gearbeitet werden könne.

Tipp für den Nachfolger: Politisch neutral bleiben

Für seinen Nachfolger hat Christian Seiler vor allem einen Tipp: „Immer den Kontakt zu den Unternehmern halten und mit einem Ohr bei den Leuten sein“, sagt er. Nur so könne der neue Wirtschaftsförderer alle Themen, die die Händler der Stadt bewegen, im Auge behalten und sich für sie einsetzen. „Vor allem sollte sich mein Nachfolger aber nicht politisch instrumentalisieren lassen“, mahnt Seiler, „als Verwaltung sollte man stets neutral bleiben.“

Christian Seiler wechselt zum 1. November in die Objektleitung der Erstaufnahmestelle für Geflüchtete in Wünsdorf. Quelle: Ralf Hirschberger/dpa

Das politische Klima in Jüterbog ist offenbar einer der Beweggründe, die den 49-Jährigen nach Wünsdorf ziehen. „Ich komme aus der Entwicklungszusammenarbeit“, erklärt Christian Seiler. Er arbeitete vor seiner Tätigkeit im Süden Teltow-Flämings mehrere Jahre lang im Ausland. Verschiedene staatliche Organisationen wie der Deutsche Entwicklungsdienst und das Centrum für internationale Migration und Entwicklung schickten ihn nach Afrika und Asien. „Ich war zum Beispiel in Uganda, Laos, Indonesien und Afghanistan“, zählt Seiler, der fließend indonesisch spricht, frühere Wirkstätten auf. Dort habe er vor allem Entwicklungshilfe beim Aufbau kleiner und mittlerer Verwaltungen sowie der lokalen Wirtschaft gegeben, erklärt er.

Politisches Klima in Jüterbog nicht mehr zu ertragen

Dem scheidenden Wirtschaftsförderer lag das Thema der Entwicklungshilfe und -zusammenarbeit deshalb auch während seiner Zeit in Jüterbog weiter am Herzen. Mit dem politischen Klima, das im Rathaus und in der ganzen Stadt Jüterbog derzeit geschaffen werde, sei dieses Engagement nicht mehr länger vereinbar gewesen. Immer wieder äußerte sich vor allem Bürgermeister Arne Raue (parteilos) öffentlich negativ über die deutsche Flüchtlingspolitik. „Die Objektleitung in Wünsdorf zu übernehmen, wird eine große und dennoch sehr interessante Aufgabe, von der ich denke, dass sie mir liegen wird“, sagt Seiler über seine berufliche Zukunft, die bereits am kommenden Donnerstag beginnt.

Die Unternehmer der Stadt äußern sich betrübt über den Weggang des Wirtschaftsförderers. „Christian Seiler war sehr aktiv und auch zwischenmenschlich hat das Verhältnis zu ihm stets gepasst“, sagt der Unternehmer und Vorsitzende des Jüterboger Wirtschaftsförderausschusses, Hendrik Papenroth (Für Jüterbog).

Auch bei der Stadtverwaltung sei man traurig über den Weggang Seilers. „Wir bedauern diesen Schritt, weil er ein sehr engagierter Wirtschaftsförderer war“, erklärt Jüterbog Vize-Bürgermeister Joachim Wasmansdorff.

Von Victoria Barnack