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Jüterbog Künstler leben und arbeiten im Kulturbauernhof
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14:07 11.07.2019
Die libanesischen Sound-Künstlerinnen Stephanie Mercack (vorne) und Nour Sokhon bei der Arbeit im Studio auf dem Bauernhof Grüna. Quelle: Isabelle Richter
Grüna

„Es ist spannend zu sehen, wie die Künstler sich einem Ort nähern und daraus Potenzial entwickeln“, berichtet Stefan Heinrich. Der Betreiber des Bauernhofes Grüna – einer Mischung aus vitalem Landhof und kollaborativer Kreativ- und Wohnstätte – hat seit knapp vier Wochen kreativen Besuch. Der Grund: Anfang des Jahres wurde die Ausschreibung für das erste Residenzprogramm in Grüna veröffentlicht. Bis zum 15. Februar konnten sich Künstler bewerben. Die Resonanz war groß – einen Monat lang wurden die Bewerbungen gesichtet. Darüber hinaus gab es Vorgespräche mit den Künstlern zu ihren Bedürfnissen und Erwartungen an das Programm.

Der ursprüngliche Plan, nur einen Künstler in Grüna aufzunehmen, wurde währenddessen kurzerhand verworfen. Am Ende konnten vier Künstler die Reise nach Grüna antreten. „Jeder hat sich mit einem Konzept beworben. Es sollte etwas mit dem Ort und der Region zu tun haben“, berichtet Stefan Heinrich über die Anforderungen.

Stefan Heinrich betreibt mit seiner Lebensgefährten und Freunden den Bauernhof Grüna. Ziel ist es, eine Kombi aus vitalem Landhof und kollaborativem Kreativ- und Wohnort zu schaffen. Quelle: Isabelle Richter

Die Wahl der Jury aus Kunsthistorikern und Kuratoren fiel letztendlich auf Simon Knab aus Berlin, die Spanierin Silvia Cored und das libanesische Duo Nour Sokhon und Stephanie Mercack. Die Teil- und Endergebnisse ihrer vierwöchigen Arbeit werden die vier Künstler der Öffentlichkeit am kommenden Sonnabend während einer Ausstellung ab 18 Uhr und eines Konzertes ab 20.30 Uhr auf dem Bauernhof in Grüna präsentieren.

„Wir haben mit den Künstlern drei unterschiedliche Zugänge zu Kreativität und Kunst“, sagt Stefan Heinrich. Während ihres vierwöchigen Aufenthalts in Grüna hätten sie sich intensiv mit dem Ort beschäftigt, mit verschiedenen Menschen gesprochen und die Flora und Fauna in der Umgebung untersucht.

Libanesisches Duo präsentiert neues Album

Silvia Cored habe dazu natürliche Elemente als Teil ihrer Arbeit umgesetzt. Simon Knab wird außerdem seine Installationen zeigen. Thematisch untersuchte er das Verhältnis zwischen Mensch und natürlichen Ressourcen. Auch die libanesischen Sound-Künstlerinnen Nour Sokhon und Stephanie Mercack sind seit knapp einem Monat intensiv in die Arbeit an ihrem aktuellen Projekt vertieft. Das Duo hat während seines vierwöchigen Aufenthalts in Grüna sogar ein ganzes Musik-Album mit sechs verschiedenen Stücken aufgenommen.

Ihr Werk wollen die Künstlerinnen anschließend über ein Label veröffentlichen. Die erste exklusive Kostprobe bekommen Interessierte bereits am 13. Juli während einer öffentlichen Performance auf dem Bauernhof Grüna zu hören.

Natürliche Sounds mit ernstem Hintergrund

Der Fokus der sechs frisch produzierten Tracks liegt auf dem Thema Umwelt. Mit ihren nachdenklichen und bedrohlichen Sounds will das libanesische Duo die Menschen mit der zunehmenden Zerstörung der Natur konfrontieren. „Wir haben versucht, eine Notfall-Stimmung zu erschaffen“, erläutert Nour Sokhon. Die beiden jungen Frauen sind begeistert von der lebendigen Natur in Grüna. Aus ihrem Heimatland seien sie ganz andere Bilder gewohnt. Dort habe die Zerstörung bereits schreckliche Ausmaße angenommen. „Wir haben im Libanon ein sehr großes Umweltproblem. Menschen leiden an Krebs und sterben aufgrund der Luftverschmutzung“, so Nour Sokhon.

Auf den selbstproduzierten Tracks lassen die Sound-Künstlerinnen unter anderem die betroffenen Lebewesen selbst sprechen. Stephanie Mercack berichtet etwa: „Wir nutzen elektrische Signale der Pflanzen.“ Ein Blumentopf gehört deshalb neben dem ganzen technischen Equipment mit zu ihren Arbeitsgeräten.

Vogelzwitschern, Grillenzirpen und Sirenen

An ein Blatt der Pflanze im Studio sind Elektronenleiter angeheftet, die ihre elektromagnetischen Schwingungen an einen Synthesizer und anschließend an den Computer übertragen. Heraus kommt ein beeindruckender und tiefer Sound, der sich je nach Befinden der Pflanze auch immer wieder verändert. So erklärt Stephanie Mercack etwa, dass äußere Einflüsse den Sound Pflanze verändern. So klingt sie zum Beispiel anders, wenn sie in der Dunkelheit steht oder gerade frisch bewässert wurde. Eine tote Pflanze würde hingegen überhaupt keinen Sound mehr von sich geben.

Der Bauernhof Grüna lockt mit regelmäßigen Veranstaltungen inzwischen viele interessierte Gäste auf das 5000 Quadratmeter große Areal. Quelle: Privat

Kombiniert wurden die Pflanzen-Sounds außerdem mit weiteren Geräuschen aus der Grünaer Natur. „Wir haben alle Töne in dieser Umgebung aufgenommen“, berichtet Nour Sokhon. Typisch seien für die beiden libanesischen Künstlerinnen vor allem das Zwitschern von Vögeln und Zirpen der Grillen gewesen. Darüber hinaus nennen beide das Stichwort „Feueralarm“. Laut Sokhon und Mercack verging in Grüna kein Tag ohne die Sirenen der Feuerwehr. Auch diese haben die Künstlerinnen in das Album eingebaut.

Betreiber hofft auf Unterstützung

Das Residenzprogramm wird laut Stefan Heinrich derzeit noch selbstfinanziert. Eine Fortsetzung sei aber wünschenswert und für die Kunst- und Kulturförderung im Landkreis beziehungsweise im Land wichtig. Der Betreiber des Kreativ-Bauernhofs hofft deshalb in Zukunft auf finanzielle Unterstützung. Darüber hinaus sei der Bauernhof noch auf der Suche nach weiteren Kooperationspartnern, wie Kunsträumen, Galerien oder Museen.

Von Isabelle Richter

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