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Jüterbog Bonpflicht: Viel Kritik von Händlern in TF
Lokales Teltow-Fläming Jüterbog Bonpflicht: Viel Kritik von Händlern in TF
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16:40 06.01.2020
Floristin Heike Kleinbauer sammelt die nicht gewollten Bons ihrer Kunden in Luckenwalde und Jüterbog und zerstört sie am Ende des Tages. Quelle: Victoria Barnack
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Luckenwalde/Jüterbog

Alle reden von der Bonpflicht. Auch in Luckenwalde und Jüterbog ist das neue Kassengesetz kurz nach seinem Inkrafttreten Gesprächsthema. Verschwendung, idiotisch und überzogen: So das Urteil vieler Unternehmer aus der Region. „Die Kunden wissen Bescheid“, sagt Apotheker Thomas Faber aus Jüterbog, „viele lachen darüber, dass wir jetzt alle Bons ausdrucken müssen.“

Apotheker findet: „Große Verschwendung“

Faber ist wie seine Kollegen aus Handel, Gastronomie und Dienstleistung seit 1. Januar dazu verpflichtet, einen Bon auszustellen und ihn dem Käufer zur Verfügung zu stellen. 

Schon vor der „Belegausgabepflicht“ – so der offizielle Titel – haben Fabers Kunden den Bon auf Wunsch bekommen, beispielsweise um die Kosten bei ihrer Krankenkasse abzusetzen. „Was jetzt passiert, ist aus meiner Sicht große Verschwendung“, erklärt er. „Aber wir müssen damit leben. Notfalls machen wir Konfetti draus“, sagt der Apotheker mit Humor.

In der Bäckerei Steinecke weist ein Schild auf die neue Bonpflicht hin. Quelle: Victoria Barnack

Am Markt in Luckenwalde ärgert sich auch Berit Liebke über die Bonpflicht. Seit mehr als 20 Jahren führt sie in der Kreisstadt einen kleinen Geschenke-Laden. Von Tee über Süßigkeiten bis zu Hochprozentigem gibt es hier fast alles – nur die Bons will die Mehrheit ihrer Kunden nicht haben. „Deswegen drucke ich sie auch nicht alle aus“, sagt Liebke. „Dieses Gesetz ist fern der Realität.“

Bonpflicht ist idiotisch“

Die Einzelhändlerin nutzt wie ihre Kollegen ein elektronisches Kassensystem, die sogenannte technische Sicherheitseinrichtung (TSE). Schummeln könne sie also gar nicht, meint Liebke. „Aber auch im Rahmen der Umweltdiskussion jetzt ist die Bonpflicht idiotisch“, sagt sie.

Papier sparen für den Klimaschutz: Das hatte auch ein anderer Händler vor. Uwe Kaim wollte in seinen Buch- und Schreibwarengeschäften in Jüterbog und Luckenwalde ab 2020 eigentlich darauf verzichten, alle Belege stets auszudrucken. Doch die Bonpflicht kam ihm in die Quere.

Uwe Kaim vertritt TF als Vize-Präsident in der Industrie- und Handelskammer Potsdam. Quelle: Victoria Barnack

Kaim findet die neue Regelung aber auch aus anderen Gründen wenig nachvollziehbar. „Die Bonpflicht ist eine total überzogene Maßnahme“, sagt der Händler aus Jüterbog, der gleichzeitig Vize-Präsident der Industrie- und Handelskammer in Westbrandenburg ist.

„Alle Unternehmer unter Generalverdacht“

Schon immer kommen Uwe Kaim und seine Angestellten in den insgesamt drei Filialen in Teltow-Fläming der Pflicht nach. „Darum geht es aber gar nicht“, erklärt Kaim, „es ist unverschämt, alle Unternehmer unter Generalverdacht zu stellen.“ Denn das neue Kassengesetz gibt es eigentlich nur, um Steuersündern ein Schlupfloch zu nehmen.

Der Thermopapiermüll von zehn Minuten an einem Imbiss in Ludwigsfelde. Quelle: Udo Böhlefeld

Dass der Staat Möglichkeiten braucht, um Betrüger aufzuspüren, ist für Kaim zwar legitim. Die neue Regelung ist ihm aber zu wenig überdacht und zu vorschnell. Erst vor zwei Jahren sei die elektronische Kassenregelung eingeführt worden und noch immer fehlt die offizielle Stelle auf Bundesebene zur Zertifizierung, bemängelt er. „Der Staat muss erst die Gegebenheiten schaffen, um solche Vorgaben umzusetzen“, sagt Kaim. Stattdessen seien viele Händler nun verunsichert.

Floristin: „Hälfte der Kundschaft nimmt Bon mit“

Blumenverkäuferin Heike Kleinbauer ist eines von vielen Beispielen, die das belegen. „Nur etwa die Hälfte der Kundschaft nimmt den Bon mit“, berichtet die Floristin, die Blumenläden in Luckenwalde und Jüterbog betreibt.

Sicher ist sicher: Heike Kleinbauer sammelt ungewollte Belege. Quelle: Victoria Barnack

Auch wenn damit eigentlich nur Steuersünder besser verfolgt werden sollen, ist nun auch Kleinbauer verunsichert, obwohl sie ihr Geschäft ehrlich abrechnet. „Zu den Konsequenzen der Bonpflicht habe ich mich extra beraten lassen“, sagt sie und druckt alle Bons aus.

„Alle Belege, die meine Kunden nicht brauchen und auf der Ladentheke liegen lassen, sammle ich und zerstöre sie am Ende des Tages“, erklärt sie.

Von Victoria Barnack

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